Deutsche-Bank-Aktie Frankfurter Achterbahn

Noch im vergangenen Herbst machten sich Investoren ernsthafte Sorgen um die Deutsche Bank. Jetzt hat sich der Aktienkurs in nur vier Monaten verdoppelt. Was hat sich seitdem für Deutschlands größtes Geldhaus geändert?
Kommentieren
Der Deutsche-Bank-Chef dürfte sich über die Kursentwicklung der vergangenen Wochen freuen. Quelle: dpa
John Cryan

Der Deutsche-Bank-Chef dürfte sich über die Kursentwicklung der vergangenen Wochen freuen.

(Foto: dpa)

FrankfurtZum Glück scheinen sich die Fähigkeiten von Jeff Gundlach als Wahrsager in engen Grenzen zu halten. Im vergangenen Juli prophezeite der prominente US-Investor eine veritable Panik, sollte der Kurs der Deutschen Bank unter die wichtige Marke von zehn Euro fallen. Ende September war es dann soweit, nach einer rasanten Talfahrt sackte die Aktie des größten heimischen Geldhauses auf ein Rekordtief von 9,90 Euro.

Und die Panik? Von der ist inzwischen nicht mehr viel zu spüren. Nach den US-Wahlen setzte die Deutsche Bank zu einer rasanten Erholung an und am Donnerstag notierte die Aktie wieder bei 19,97 Euro.

So lief der Immobilienskandal der Deutschen Bank ab
Welche Rolle die Deutsche Bank spielte
1 von 6

Die Vorwürfe des US-Justizministeriums richten sich nicht gegen die Deutsche Bank als originären Kreditgeber. Das Institut vergab in den USA nämlich selbst gar keine Darlehen an Immobilienkäufer mit zu geringer Bonität. Das taten andere. Dennoch verdiente die Deutsche Bank daran.

Wie aus einer bunten Kreditmischung ein Wertpapier wird
2 von 6

Eine Bank kauft Immobilienkredite, die ein anderes Institute an seine Kunden – private Hauskäufer – vergeben hat. Diese Darlehen werden dann zu einem Wertpapier gebündelt und an Investoren verkauft. Diese treten damit in die Rolle des Kreditgläubigers und tragen das Kreditausfallrisiko. Der Ertrag des Investments speist sich aus den Zinszahlungen der Kreditnehmer. Die Deutsche Bank baute dieses Geschäftsfeld konsequent aus und war 2007 vom neunt- zum weltweit drittgrößten Emittenten solcher hypothekenbesicherten Wertpapiere geworden, schreibt das US-Justizministerium in seinem Bericht.

Vorwurf 1: Lasche Prüfung
3 von 6

Angeblich hatten die US-Institute, denen die Deutsche Bank ganze Kreditpakete abkaufte, genau geprüft, ob ihre Kunden die Darlehen fürs Haus überhaupt zurückzahlen könnten. Die Deutsche Bank wusste, dass dies ein leeres Versprechen war.

Vorwurf 2: Fehlende Vorbeugung
4 von 6

Die Wertpapierstrukturierer der Deutschen Bank prüften die zum Kauf anstehenden Kreditpakete durchaus: Sie machten Stichproben und schätzten auf dieser Basis grob ein, wie viele ausfallgefährdete – faule – Kredite es beinhaltete. Die Crux: Fanden sie viel faules Material, verzichteten sie auf eine tiefergehende Prüfung, sagen die US-Aufseher.

Vorwurf 3: Laxe Kontrollen
5 von 6

Nicht genug, dass die Deutsche Bank offenbar die Qualität der angekauften und dann zu Wertpapieren verpackten Kredite nicht ausreichend prüfte. Sie ließ es offenbar auch zu, dass der Verkäufer der Hypotheken zum Teil selbstständig und nachträglich ungeprüfte Kredite in die Pools einlagerte.

Vorwurf 4: Die Risiken verschwiegen
6 von 6

Zu guter Letzt monieren die US-Behörden, dass die Deutsche Bank wider besseres Wissen ihren Investoren gegenüber verschwieg, welche Risiken tatsächlich in den Hypothekenverbriefungen lauerten. „Die Deutsche Bank legte ihre eigene Risikotoleranz auf Basis korrekter Bewertungsdaten fest, gewährte Investoren aber nicht die gleiche Aufmerksamkeit“, heißt es im Bericht.

Ganz falsch lag Gundlach dennoch nicht. Denn in jenen Septembertagen 2016 stand es tatsächlich nicht gut um die Bank. Als durchsickerte, dass das US-Justizministerium die Vergleichsverhandlungen über faule Hypothekengeschäfte aus der Zeit vor der Finanzkrise mit einer Strafforderung von 14 Milliarden Dollar eröffnet hatte, waren viele Anleger tatsächlich nicht weit von einer Panik entfernt. Sie fürchteten, dass die US-Buße die Bank mit ihrer relativ dünnen Kapitaldecke überfordern könnte. Kunden zogen Milliarden ab, und kurzfristig machten sogar Gerüchte über eine Staatsrettung die Runde.

Was hat sich seit dem heißen Herbst 2016 geändert? Nur wenig und doch wichtiges. Noch immer ringen Vorstandschef John Cryan und seine Kollegen um eine tragfähige Strategie, noch immer ist unklar, ob das Geldhaus seine Aktionäre nicht noch einmal um frische Milliarden bitten muss, um die Kapitaldecke zu stärken, und noch immer sagen die Analysten für das Jahr 2016 einen Verlust von rund 900 Millionen Euro voraus.

Aber, und es handelt sich dabei um ein sehr großes aber, die Bank hat mittlerweile den Hypotheken-Vergleich mit der US-Justiz für „nur“ 7,2 Milliarden Dollar aus der Welt geschafft, von denen zudem lediglich 3,1 Milliarden sofort als Strafe fällig werden. Der Rest ist für Erleichterungen für Kunden reserviert, und diese Last kann nicht nur über mehrere Jahre gestreckt werden, sie wird wohl auch nicht so stark wie ausgewiesen auf die Bilanz durchschlagen. Wer die US-Hausbesitzer geschickt entlastet, zahlt weniger als die ausgewiesene Strafsumme. Bei Goldman Sachs soll es in einem ähnlichen Fall etwa nur ein Fünftel des Strafbetrags gewesen sein.

Viele Analysten bleiben skeptisch
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Deutsche-Bank-Aktie - Frankfurter Achterbahn

0 Kommentare zu "Deutsche-Bank-Aktie: Frankfurter Achterbahn"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%