Deutsche Bank Arbeit an der „Strategie 2020“ nimmt Gestalt an

Gesundschrumpfen, Stellenabbau, Filialschließungen: Die „Strategie 2020“ des neuen Deutsche Bank-Chefs John Cryan nimmt Gestalt an. Dem Aufsichtsrat soll bald ein erster Zwischenstand präsentiert werden.
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Die „Strategie 2020“ nimmt bei der Deutschen Bank Gestalt an. Quelle: dpa
Deutsche Bank im Umbau

Die „Strategie 2020“ nimmt bei der Deutschen Bank Gestalt an.

(Foto: dpa)

FrankfurtBei der Deutschen Bank nimmt die neue „Strategie 2020“ Gestalt an. Der seit drei Wochen amtierende Vorstandschef John Cryan werde den Aufsichtsrat kommende Woche über die bisherigen Überlegungen informieren, sagte eine mit der Sache vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch.

Dabei gehe es voraussichtlich um den Rückzug aus sechs Ländern, um die beschlossene Schrumpfkur umzusetzen. Dazu zählten Staaten wie Peru, die keine strategische Bedeutung für den Konzern hätten. Die Präsenz in Europa zu verringern, sei dagegen derzeit kein Thema. Außerdem solle der Aufsichtsrat den weiteren Zeitplan für den Postbank-Verkauf über die Börse diskutieren.

Die Aufseher kommen am 30. Juli in New York zu einer regulären Sitzung zusammen, bei der es auch um die Zahlen des zweiten Quartals gehen wird. Cryan, der die letzten zwei Jahre selbst im Aufsichtsrat saß und Anfang Juli überraschend Co-Vorstandschef Anshu Jain ablöste, wird vor dem Gremium nun erstmals in neuer Funktion auftreten. Das Strategie-Update unter Tagesordnungspunkt 5.3 spielt dabei eine besonders wichtige Rolle.

Cryan werde aber nur einen Zwischenstand geben können, betonte der Insider. Konzernweit brüteten viele Arbeitsgruppen noch an Details – insbesondere zum erwarteten Stellenabbau, der nach den bisherigen Plänen vor allem das Privatkundengeschäft treffen dürfte. Hier wolle man die Zahl der Kündigungen mit Abfindungsangeboten und Vorruhestandsregelungen möglichst gering halten.

Die Deutsche Bank wollte sich zum Thema Aufsichtsratssitzung nicht äußern. Offiziell hat sich Cryan - der einen Ruf als harter Sanierer genießt - Zeit bis Ende Oktober ausbedungen, um der Öffentlichkeit Details der neuen Strategie mitzuteilen.

Das Banken-Chamäleon
Zeugnis der Anfangstage
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Der 10. März 1870 ist der Gründungstag der Deutschen Bank. Standort war damals nicht Frankfurt, sondern Berlin. Gründer waren Privatbankier Adelbert Delbrück und der Politiker Ludwig Bamberger. Erster Vorstandssprecher ist Georg von Siemens. Im Gründungsstatut wird die Bedeutung des Auslandsgeschäfts unterstrichen: „Der Zweck der Gesellschaft ist der Betrieb von Bankgeschäften aller Art, insbesondere Förderung und Erleichterung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland, den übrigen Europäischen Ländern und überseeischen Märkten.“ Eine klare Ausrichtung des jungen Instituts.

Hauptsitz in Berlin
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So sah die Zentrale der Deutschen Bank in Berlin aus, hier auf einer späteren Aufnahme aus dem Jahr 1929. Ab 1880 finanzierte die Bank zunehmend Industrieprojekte. Der Ausbau des Filialnetzes hatte zunächst keine Priorität, die meisten Geschäfte wurden aus Berlin abgewickelt.

Frankfurt kommt erst später
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Weiteres Standbein ist von Beginn an das Einlagengeschäft. Bis 1873 eröffnet die Bank Filialen in Bremen, Hamburg, Yokohama, Schanghai und London. London ist schon damals die wichtigste Auslandsniederlassung. Die Filiale in Frankfurt am Main, heute der Hauptsitz, öffnet erst 1886. Im Bild die Niederlassung an der Frankfurter Kirchnerstraße anno 1914.

Filiale in der Fuggerstadt
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Die Filialen prägten natürlich auch nicht überall das Stadtbild, so wie in Berlin und später in Frankfurt. Diese Aufnahme zeigt die Straßen von Augsburg zur Jahrhundertwende – also 1900.

Geschäftssitze im Wandel der Zeit
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Gegen Ende des ersten Weltkriegs entstand dieses Foto von kaiserlichen Militärs vor der Niederlassung in Bremen. An der Filiale in der Hansestadt lässt sich der Wandel im Stadt- und Bankenbild gut illustrieren.

Bremen 50 Jahre später
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Das historische Gebäude am Domshof blieb der Handelsstadt Bremen erhalten. Das Umfeld hat sich komplett verändert – das gilt auch für Geschäftsfelder. Auf Wandel musste das Institut in seiner Geschichte immer wieder reagieren.

Neuausrichtung nach dem Ersten Weltkrieg
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Mit Ende des Erste Weltkriegs war auch das Auslandsvermögen des Instituts verloren. Die schwierige Wirtschaftslage nebst Inflation in der Weimarer Republik macht es der Deutschen Bank nicht einfach. Im Bild ein Kassenschalter aus dem Jahr 1920.

Die großen Linien der Neuaufstellung hatte das Institut bereits Ende April kommuniziert: Die Postbank soll abgestoßen und das verbleibende „blaue“ Filialgeschäft deutlich gestrafft werden. Von den 700 Deutsche-Bank-Filialen in Deutschland werden demnach bis 2017 nur noch 500 übrig bleiben. Auch die Investmentbank soll etwas abspecken, aber schlagkräftig bleiben.

Zur geographischen Ausrichtung hieß es bislang nur, Deutschlands größtes Geldhaus wolle sich aus bis zu zehn Ländern ganz oder zum Teil zurückziehen. Mit der Schrumpfkur hofft das Institut, rentabler zu werden und die strengeren Kapitalanforderungen der Regulierer besser erfüllen zu können.

  • rtr
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