Deutsche-Bank-Chef Finanzmärkte bereiten Ackermann Albträume

Ist die Lage an den Märkten schon wieder so heikel wie nach der Pleite von Lehman Brothers? Deutsche-Bank-Chef Ackermann fordert härtere Reformen der Kreditindustrie um das Vertrauen zurückzugewinnen.
Update: 05.09.2011 - 11:53 Uhr 48 Kommentare
Der Mahner: Deutsche-Bank Chef Josef Ackermann fordert mehr Reformen. Quelle: Reuters

Der Mahner: Deutsche-Bank Chef Josef Ackermann fordert mehr Reformen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDer Ballsaal des Frankfurter Marriot-Hotels ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Aufmerksam lauschen die Gäste dem ersten Redner der Handelsblatt-Jahrestagung „Banken im Umbruch“, Josef Ackermann. In einer Wirtschaftswelt, deren Grundfeste erschüttert wurden, erhoffen sie sich von ihm Antworten auf die großen Fragen der Finanzkrise.

Und der einflussreichste Bankmanager in Deutschland spricht Klartext: Die heftigen Kursstürze von Banken und Finanzwerten erinnern den Chef der Deutschen Bank an den Herbst 2008. Damals war die Weltwirtschaft nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers in eine tiefe Rezession gestürzt. „Seit Jahresbeginn haben manche europäische Banken sogar ein Drittel und mehr ihrer Marktkapitalisierung eingebüßt“, sagt Josef Ackermann, bei den meisten Instituten liege die Bewertung „unterhalb oder bestenfalls beim Buchwert“. Er sagt, die „neue Normalität“ der Finanzbranche sei von Schwankungen und Unsicherheit geprägt. In das Bild passten die starken Ausschläge an den Märkten für Staatsanleihen, auch in Deutschland und den USA. Selbst der Aufwärtstrend des Goldpreises verlaufe nicht stetig.

Der europäische Bankensektor sei jedoch im Vergleich zu 2008, als der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers die Branche und die Märkte erschütterte, heute deutlich besser kapitalisiert und weniger von kurzfristiger Liquidität abhängig, betonte der Chef der Deutschen Bank. Außerdem hätten die Banken weniger toxische Aktiva in ihren Bilanzen, und das Risikomanagement habe sich verbessert.

Ackermann prophezeit der Bankenbranche trotzdem harte Jahre. „Den Marktakteuren sind gewissermaßen ihre mentalen Modelle abhanden gekommen.“ Und er räumt ein: „Wir als Finanzindustrie haben noch keine wirklich überzeugenden Antworten auf die Fragen der Finanzkrise anzubieten.“ Die Aussichten für das zukünftige Wachstum der Erträge seien „eher verhalten“. Viele Länder und Privathaushalte müssten ihre Verschuldung abbauen und das Hypothekengeschäft oder die Konsumentenkredite fielen bis auf weiteres als Wachstumstreiber aus. Hinzu komme die schrumpfende Bevölkerung in einigen Staaten Europas, was sich negativ auf das Wachstum der Kreditmärkte auswirke.

"Die aktuelle Krise wird uns noch lange begleiten"

„Die Aussichten der europäischen Banken sind von daher in ihrer Heimatregion nicht gerade rosig“, sagt Ackermann, es sei denn, die Institute könnten der Entwicklung durch Marktanteilsgewinne entgegen wirken oder sie überkompensieren. Nehme man die drei großen Belastungsfaktoren – Schuldenkrise, die genannten Strukturfaktoren und die Regulierung – zusammen, dann werde es für die europäischen Banken insgesamt schwer werden,  ihre Erträge zu steigern.

Er antwortet auch auf Fragen zu einem möglichen Stellenabbau bei der Deutschen Bank: „Ein Kostensenkungsprogramm sehen wir im Moment nicht, weil wir uns gut vorbereitet haben auf schwere Zeiten.“ Natürlich verfolge die Bank die Lage an den Märkten genau. Sollte sich zeigen, dass die Aussichten im Investment-Banking dauerhaft schwieriger würden und der September und Oktober ähnlich schlecht liefen wie der August, werde das Institut darüber nachdenken müsssen. „Im Moment sehen wir aber noch nicht, dass sich der August fortsetzen muss.“

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48 Kommentare zu "Deutsche-Bank-Chef: Finanzmärkte bereiten Ackermann Albträume"

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  • ...Nicht umsonst haben bereits die alten Römer und die alten Griechen (sic!) einen gleichen Gott für die Diebe und Kaufleute gehabt: Bei den Römern wurde er Merkur genannt und bei den Griechen Hermes.
    Hermes galt gar noch als Götterbote bei den Griechen.
    Sie sehen: Europa verfügt über durchaus subtile Traditionen.

  • Ackermann sollte eigentlich der neue tanzpartner von Bernie Madoff. Erste mal in der Geschichte das ein Banker, so kriminell gehandelt hat uns lauft rum auf freien fuss. Das debacle wo er hat die ganze toxic papier an IKB Bank verkauft hat, und dann angeruffen und Beschwert sich das IKB Bank held viel zu viel toxic papier? Kein visionair, ein gauner ist es.

  • @Mawo: So kann man es natuerlich auch sehen. Meinst Du so aehnlich wie bei der COBA?:))))

  • @Pendler:" Wenn sich der Bürger vom Staat lossagt, kommt der Untergang."

    Sehe ich auch so. Jedenfalls habe ich mich mit meiner Familie schon vor Jahren von Deutschland abgesetzt. Hat sich rentiert.

  • @Popper: "Und entgegen Ihrer Behauptung haben die Notenbanken den Häuslebauern in USA und Europa Geld zum Nullzins geliehen, das waren die Geschäftsbanken"

    Die Stelle an der ich behauptet habe die Notenbanken hätten direkt, ohne Intermediär, an die Schuldner geliehen gibt es nicht in meinen Beitrag. Das Procedere ist: Die Geschäftsbank zeichnet eine Kreditlinie bei der Notenbank die dann den entsprechenden Betrag auf ein zinsloses Girokonto überträgt. Wieso verdrehen Sie hier das geschriebene Wort?

    Sie agieren hier etwas wirr. Wenn Sie hier schon belehren wollen, sollten Sie sich auf die Argumente beschränken die wirklich geschrieben wurden.

    Im Gegensatz zu Ihnen kann ich in einer übermässigen Regulierung und hohen Bürokratiekosten keine tragfähigen Zukunftsinvestitionen sehen. Wer in Deutschland in die Zukunft investieren will, sollte erst die Bürokratiekosten senken statt neue Schulden zu machen um Subventionen für die Solarindustrie zu vergeben. Davon jedenfalls profitiert wohl eher der Exporthandel in China. Was nützen die ganzen Subventionen wenn Deutschland die Talente weglaufen - Stichwort Emigration.

    Weder macht es Sinn noch macht es Spass mit Ihnen zu argumentieren. Von daher versuchen Sie Andere, die vielleicht etwas anfälliger sind für das populistische Banker Bashing, zu belehren. Sie und ihre staatsgläubige Ideologie überzeugen mich sicher nicht.

  • @ProDirekteDemokratie
    (II)
    Die Bundesagentur für Arbeit (BA) teilte diesbezüglich mit, dass im Februar 2011 rund 118.000 Selbstständige die sogenannte Grundsicherung bezogen hätten. Damit ist die Zahl der Aufstocker unter den Selbstständigen von 2007 bis 2010 um mehr als 50.000 auf im Jahresdurchschnitt etwa 125.000 angestiegen. Gut ein Sechstel der selbständigen Hartz-IV-Bezieher lebt in Berlin. Da ist nichts mit Rücklagen bilden.
    Warum sollte der Staat sparen? Unser Wirtschaftssystem ist schuldenbasiert. Also muss auch der Staat Schulden machen, wenn er Zukunftsinvestitionen tätigt oder Konjunkturprogramme in einer Finanz- und Wirtschaftskrise wie 2008 auflegt. Hätten andere Staaten und Bürger nicht verschuldet, wer hätte unsere Exportweltmeisterschaft finanziert? Es ist nun einmal so, wenn einer verdienen will, muss er einen finden, der Schulden macht.
    Wenn Sie den Zusammenhang nicht verstehen, verstehen Sie auch nichts von makroökonomischen Zusammenhängen. Wenn der Staat Anleihen auflegt mus er dafür Zinsen zahlen und wovon? Aus Steueraufkommen. Wenn jemand Geld zur Bank trägt, um es zu sparen, muss die Bank einen finden der sich verschuldet, um den Zins, den ich bekomme zu erwirtschaften. Und das tun alle, die mit ihrer Hände Arbeit. Nur Sachgüter helfen sparen und erwirtschaften eine Rendite. Auch der Rentner und Hartz IV Berechtigte zahlt Steuern. Ersterer Einkommen- und Verbrauchssteuern, der zweite Verbrauchssteuern, d.h. 19% seiner 364 € fließen wieder an den Fiskus zurück. Insoweit sind Ihre Vergleiche mit der DDR u.a.m. argumentativ schwach. Das klingt dann zwar immer gut, hat aber keinen sachlichen Bezug oder Hintergrund.

  • @ProDirekteDemokratie
    (I)
    Lassen wir mal Ihre persönlichen Anwürfe beiseite und widmen uns Ihren Belehrungen. Zunächst hat die Überregulierung mit dem Verstehen oder Nichtverstehen der VWL nichts zu tun. Das eine ist eine beschreibt makroökonomische Zusammenhänge, das Andere bestimmt den gesetzlichen Rahmen für wirtschaftliches Handeln.
    Der Ursprung der Finanzkrise lag nicht in der Politik und der Notenbanken (Zentralbanken), sondern in den Finanzprodukten der Banken. Und entgegen Ihrer Behauptung haben die Notenbanken den Häuslebauern in USA und Europa Geld zum Nullzins geliehen, das waren die Geschäftsbanken. Im Verlauf der Immobilienhausse kam es allerdings zu einer immer aggressiveren Kreditvergabe, verbunden mit einer Verbriefung der Hypotheken. Sie wurden in Wertpapiere verwandelt, die dann in den Markt verkauft wurden, unter anderem an die IKB, die BNP Paribas, die Sachsen LB, den Frankfurt Trust, im Grunde an Gott und die Welt, an jeden, der Geld anzulegen hatte und an einer attraktiven Rendite interessiert war. Dadurch war die US-Immobilienkrise auf einmal auch unsere Krise. Muss man sich darüber wirklich wundern, da die Banker doch die Erfahrung machen, dass die Öffentlichkeit zur Schadensbegrenzung einspringt? Sie werden für ihre Naivität und riskanten Spekulationen nicht einmal bestraft. Im Gegenteil. Weil sie mit den riskanten Spekulationen große Gewinne gemacht haben, gelten sie als besonders erfolgreich. Und werden gerettet, wenn etwas schief geht. Halten Sie das für wegweisend? Bei Investoren muss man zwischen privat und institutionell unterscheiden. Warum eigentlich.
    Dass Selbständige Rücklagen bilden ist weitestgehend ein Märchen. Wir haben heute in Deutschland etwa 4,4 Millionen Selbständige. Dazu gehört eine wachsende Zahl von Ein-Mann- oder Ein-Frau-Betrieben. Häufig handelt es sich dabei um Kümmerexistenzen, die sich mit ihrem Geschäft gerade so über Wasser halten können - und womöglich zusätzlich Hilfe vom Staat nötig haben.

  • tja, doch ein Träumer

    weil nebenher, als Hauptjob, bin ich Diplom Ing.

    Ist überigens eine sehr nette Sache, als techniker zu arbeiten. Man lernt, wunschdenken von Realitäten zu unterschieden. Und was den Aktienhandel betrifft, auch dafür zahlt man Steuern.

    Und ich dachte imemr, dass man sich informiert, bevor man loslegt.

  • Danke für den Hinweis, lenzzen. Das ist in der Tat ein sehr informativer Artikel. Man müsste sich wohl näher mit dem sog. "Vollgeld" beschäftigen (glaube, auch Irving Fisher hat entsprechende Vorschläge gemacht).

    Trotzdem zeigt ja auch Häring, dass es wg. Mindestreserve + EK-Vorschriften auch beim FIAT-Geld inhärente Grenzen der Geldschöpfung gibt.
    Das nun schon seit langem herrschende Mindestreserve-System kann also wohl nicht die Geldmengenausweitung der letzten Jahrzehnte erklären.
    Und ebenso wenig, auf welche Weise reine Finanzmarkttransaktionen immer mehr Geld in die Welt setzen und die Akteure immer reicher machen können.

  • Mein Gott, wer das Video der Vorlesung von Ackermann gesehen hat, hat eine gute Vorstellung von der Situation im Bankensystem.
    Dieser Verbrecher ist nicht in der Lage auch nur 2 Worte ohne abzulesen vorzutragen. Nun ist mir zumindest absolut klar, wie die Kooperation zwischen Merkel, Schäuble und diesem Typen zustandekommen ist.

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