Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Deutsche Bank Das Scherbengericht der Aktionäre

Der mächtige Stimmrechtsberater ISS stellt sich gegen eine Entlastung der Führungsmannschaft der Deutschen Bank. Das Institut fühlt sich ungerecht behandelt.
Kommentieren
Die Zentrale der Deutschen Bank ragt vor den Häusern des Stadtteils Westend in die Höhe. Quelle: dpa
Deutsche Bank-Zentrale

Die Zentrale der Deutschen Bank ragt vor den Häusern des Stadtteils Westend in die Höhe.

(Foto: dpa)

Frankfurt, New YorkDer Spitze der Deutschen Bank droht ein peinliches Abstimmungsergebnis: Der mächtige Aktionärsberater Institutional Shareholder Services (ISS) rät Investoren davon ab, den Vorstand und den Aufsichtsrat der Deutschen Bank auf der Hauptversammlung zu entlasten. Das ist ein Novum: In den vergangenen Jahren hatte ISS die Führungsmannschaft des Geldhauses zwar teils scharf kritisiert, ging aber noch nie so weit, ein Votum gegen eine Entlastung abzugeben.

Für Vorstand und Aufsichtsrat der Bank steht die Hauptversammlung am 23. Mai damit unter einem denkbar ungünstigen Stern: Viele Großinvestoren wie Publikumsfonds, Versicherer oder Pensionsfonds folgen bei ihren Abstimmungen dem Rat von Stimmrechtsberatern wie ISS oder dem kleineren Konkurrenten Glass Lewis. Glass Lewis hatte sich bereits gegen ein Vertrauensvotum für Vorstand und Aufsichtsrat ausgesprochen. Die deutsche Aktionärsberatung Ivox, die zu Glass Lewis gehört, aber eigene Urteile abgibt, rät Kunden, die Entlastung zumindest „kritisch zu hinterfragen“.

Damit könnte die Hauptversammlung zur Abrechnung der Aktionäre mit den Führungsfiguren der Bank werden. Es gibt Schätzungen, nach denen ISS bis zu 30 Prozent der Stimmen auf der Hauptversammlung beeinflussen kann, Glass Lewis und Ivox sind für bis zu zehn Prozent der Stimmen gut.

In der Vergangenheit hatten viele große Investoren sich davor gescheut, dem Führungspersonal die Entlastung zu verweigern, um die Bank nicht weiter zu destabilisieren. Dabei wächst bei vielen Großanlegern längst der Unmut über ausbleibende Erfolge des Instituts. „ISS trifft genau den Nerv der Investoren mit der Einschätzung zur Deutschen Bank“, sagt der Vertreter eines der sehr großen Aktionäre des Kreditinstituts.

Die Geduld der Investoren, was den Umgang mit dem Thema Geldwäsche angehe, werde sehr strapaziert, ebenso erwarte man Fortschritte bei der Finanzstärke des Hauses wie auch dem strategischen Umbau. Daher denkt dieser Großaktionär noch darüber nach, wie er auf der Hauptversammlung abstimmen wird.

Grafik

Auch ISS hatte schon häufig Kritik an der Bank geübt, „doch wir sind bislang nie so weit gegangen zu empfehlen, den Vorstand und den Aufsichtsrat nicht zu entlasten“, heißt es im ISS-Bericht. Schließlich habe es keine strafrechtlichen Klagen gegen die Führung gegeben, und die Bank habe „stets hervorgehoben, dass sie an einer Überfülle von Veränderungen arbeitet“. „Ab einem bestimmten Zeitpunkt sollten Aktionäre ihren Bedenken aber Gehör verschaffen“, meint ISS.

Vor allem mehrere Vorfälle im Bereich der Geldwäsche stören die Stimmrechtsberater, etwa die Geldwäsche-Razzia bei der Bank im November oder die Installation eines Geldwäsche-Sonderaufpassers der Finanzaufsicht Bafin im Herbst.

Die Begründung für die Entscheidung der ISS-Analysten liest sich so, als sei ihnen nach all den Problemjahren der Bank schlicht der Geduldsfaden gerissen: „Auch wenn die Deutsche Bank wieder einmal behauptet, dass ihre Geldwäsche- und Know-Your-Customer-Kontrollen besser werden, auch wenn die Deutsche Bank wieder einmal behauptet, dass sich ihre finanzielle Situation langsam verbessern wird und auch wenn die Deutsche Bank wieder einmal äußere Kräfte und das Umfeld, in dem sie arbeitet, für ihre Erfolglosigkeit als Grund anführt, glauben wir, dass es Zeit für die Aktionäre ist, die Gremien für die vielen Jahre substanzieller Geld- und Rufschäden zur Verantwortung zu ziehen, die unter anderem ein Ergebnis der erfolglosen Umsetzung von Anti-Geldwäsche-Richtlinien und -strategien ist“, schreibt ISS.

Die Entlastung auf der Hauptversammlung hat zwar nur eine symbolische Bedeutung und keine rechtlichen Folgen. Doch die Abstimmung gilt als Gradmesser für das Vertrauen der Aktionäre in die Führung einer Aktiengesellschaft. In diesem Jahr etwa kassierte Bayer-Chef Werner Baumann wegen der hohen Risiken aus der Monsanto-Übernahme eine Abstimmungsniederlage, die UBS-Führung wurde wegen juristischer Risiken abgestraft. In beiden Fällen waren ISS und Glass Lewis gegen eine Entlastung. Auch das Ende der Ära Anshu Jain und Jürgen Fitschen als Co-Chefs der Deutschen Bank wurde 2015 durch ein Abstimmungsdebakel auf einer Hauptversammlung eingeleitet.

Die Deutsche Bank wehrt sich gegen die Einschätzungen von ISS. „Dieser Bericht spiegelt nicht die aktuelle Situation unserer Bank und ihrer Kontrollsysteme wider. Der größte Teil der erwähnten Altfälle stammt aus der Zeit vor 2016“, sagte ein Sprecher. Dem Institut sei bewusst, dass Arbeit vor ihm liege. Die Risiko- und Kontrollsysteme seien aber „bereits in den vergangenen drei Jahren deutlich verbessert“ worden.

In einer Stellungnahme gegenüber ISS sprach die Bank sogar davon, der Vorwurf schwerer Defizite sei „unbegründet“ und „subjektiv“. Außerdem konzentriere sich ISS vollständig auf Themen wie Rechtsrisiken und regulatorische Fragen, ohne strategische Fortschritte, die die Bank gemacht habe, zu würdigen. Einige der Schlüsse der Stimmrechtsberater seien „sehr plakativ“. Ob diese Argumente ausreichen, um Aktionäre umzustimmen, muss sich noch zeigen.

Angesichts des enormen Einflusses einiger weniger Großaktionäre ist eine glatte Abstimmungsniederlage aber eher unwahrscheinlich. Zumindest dann, wenn Anteilseigner wie der Vermögensverwalter Blackrock, die Finanzinvestoren Cerberus und Hudson Executive und die Herrscherfamilie aus Katar der Führungsspitze treu bleiben. Sie kontrollieren zusammen knapp 20 Prozent an der Bank. Je nachdem, wie gut die Hauptversammlung besucht sein wird, ist es schwer bis unmöglich, eine Mehrheit gegen diesen Block zu organisieren.

Doch auch ein schlechtes Stimmergebnis schwächt eine Führungsmannschaft. Das wäre vor allem für Vorstandschef Christian Sewing, der im April 2018 auf den Chefsessel kam, eine Hypothek. Das ist ISS bewusst. Er betont, dass er mit seinem Votum nicht spezifisch den CEO ins Visier nehmen will.

Zwischen den Zeilen lässt sich erkennen, um wen es eigentlich geht: So zeigt ISS Sympathie für Anträge, die der kritische Aktionär Karl-Walter Freitag auf die Tagesordnung setzen ließ. Er will Aufsichtsratschef Achleitner abwählen und stellt einen Misstrauensantrag gegen Risikovorstand Stuart Lewis, Regulierungsvorständin Sylvie Matherat und Investmentbankingchef Garth Ritchie. ISS lehnt die Anträge zwar ab. Das liegt aber nur daran, dass es für Achleitner keine realistische Alternative gibt und ein Misstrauensantrag gegen die Vorstände nicht mehr bringt als deren Nichtentlastung.

Auch unter den großen Aktionären rumort es, gerade mit Blick auf Achleitner. Finanzkreisen zufolge wollen Investoren einen Antrag stellen, dass über die Aufsichtsratsmitglieder einzeln abgestimmt wird. Dadurch könnten sie spezifisch gegen eine Entlastung Achleitners votieren. Es gilt als wahrscheinlich, dass Achleitner, der die Hauptversammlung leitet, die Einzelabstimmungen zulassen wird – schon um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, sich selbst schützen zu wollen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Deutsche Bank - Das Scherbengericht der Aktionäre

0 Kommentare zu "Deutsche Bank: Das Scherbengericht der Aktionäre"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote