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Deutsche Bank Die Details zum Milliardenverlust

Das Jahr 2015 lief für die Deutsche Bank miserabel. Sogar 6,8 Milliarden Euro Verlust machte das größte deutsche Geldhaus – und eine Schwäche im Kerngeschäft bereitet besondere Kopfschmerzen. Die Aktie startet im Minus.
Update: 28.01.2016 - 08:14 Uhr
Der Co-Chef der Bank will juristische Altlasten endlich ausräumen, Tausende Stellen abbauen und die Postbank verkaufen. Quelle: dpa
John Cryan

Der Co-Chef der Bank will juristische Altlasten endlich ausräumen, Tausende Stellen abbauen und die Postbank verkaufen.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Erträge der Deutschen Bank im Investmentbanking sind im vierten Quartal 2015 deutlich eingebrochen und haben zum höchsten Verlust der Firmengeschichte beigetragen.

Wie das größte deutsche Geldhaus am Donnerstagmorgen mitteilte, beliefen sich die Erträge der Sparte Corporate Banking & Securities von Oktober bis Dezember nur noch auf 2,1 Milliarden Euro – nach drei Milliarden Euro im Vorjahr. Vor Steuern machte das Segment mehr als 1,1 Milliarden Euro Verlust – nach 323 Millionen Gewinn vor Jahresfrist. Die Bank verwies auf Bewertungsanpassungen im Handel mit festverzinslichen Papieren und ein schwieriges Marktumfeld. Zur Börsen-Eröffnung am Morgen war die Bank Dax-Verlierer mit einem Minus von 2,10 Prozent.

Die Bank bestätigte, dass der Konzern im vergangenen Quartal nach Steuern 2,1 Milliarden Euro Verlust gemacht hat und im Gesamtjahr 6,8 Milliarden Euro. Im vorbörslichen Handel bei Lang & Schwarz notierte die Deutsche-Bank-Aktie um 7.35 Uhr bei 16,89 Euro und damit etwa 1,2 Prozent unter dem Niveau des Vortagesschluss. Seit Jahresbeginn hat die Aktie etwa ein Viertel ihres Werts eingebüßt.

Die höchsten Verluste der deutschen Geschichte
Platz 13: Infineon (2008)
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Der Verfall der Halbleiterpreise und der Verkauf der angeschlagenen Tochter Qimonda brachten Infineon in der Wirtschaftskrise 2009 an den Rand der Insolvenz. 2008 verbuchte die einstige Siemens-Tochter ein Minus von 3,1 Milliarden Euro. Die Aktie entwickelte sich zum Penny-Stock und fiel bis auf 39 Cents. Wer damals den Mut hatte, an Infineon zu glauben, wurde reichlich belohnt. Halbleiter von Infineon wurden wieder gebraucht, vor allem in der boomenden Autoindustrie.

(Foto: dpa)
Platz 12: Eon (2014)
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Abschreibungen auf Kernkraftwerke und die stark gefallenen Großhandelspreise für Strom führten 2014 bei Eon zu einem Nettoverlust von 3,2 Milliarden Euro. Bis zu diesem Zeitpunkt war das der größte Verlust eines börsennotierten Versorgers in der deutschen Geschichte. Doch 2015 und 2016 setzte Eon – im negativen Sinne – noch einen drauf (weiter hinten im Ranking).

(Foto: dpa)
Platz 11: Deutsche Telekom (2001)
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Erstmals nach ihrem Börsengang und dem fulminanten Hype zur Jahrtausendwende präsentierte die Telekom ihren Anlegern 2001 rote Zahlen. Grund für den Verlust in Höhe von 3,45 Milliarden Euro waren Abschreibungen auf die teuer ersteigerten UMTS-Lizenzen und auf die teuer erworbene amerikanische Mobilfunktochter Voicestream. Einige Analysten bezeichneten damals den Verlust als „nicht dramatisch“. Gemessen an späteren Verlusten bei der Telekom war das sogar eine weise Prognose.

(Foto: ap)
Platz 10: Deutsche Bank (2008)
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Nicht nur 2015 (später im Ranking) präsentierte die Deutsche Bank ihren Aktionären einen Milliarden-Fehlbetrag, sondern auch zu Beginn der Finanzkrise im Geschäftsjahr 2008. Grund für den Verlust von 3,9 Milliarden Euro waren Wertberichtigungen auf Anlagegeschäfte vor allem im Immobiliensektor, dem Auslöser der damaligen Krise. Die Aktie stürzte nach ihrem Kurshoch von 102,27 im Jahr 2007 in nur zwei Jahren bis auf 14,63 Euro ab – ein Verlust von 86 Prozent.

(Foto: Reuters)
Platz 9: Commerzbank (2009)
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Die Finanzkrise riss die zweitgrößte deutsche Bank tief in die roten Zahlen. Wertberichtigungen und Abschreibungen auf Wertpapiere und immense Kosten für die Integration der Dresdner Bank führten 2009 zu einem Verlust von 4,5 Milliarden Euro. Der Dax-Konzern musste vom Staat gestützt werden. Bis heute leidet die Commerzbank unter ihren Fehlentscheidungen und der daraus resultierenden Finanzkrise.

(Foto: AP)
Platz 8: Thyssen-Krupp (2012)
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Auf dem Höhepunkt des Stahlbooms entschloss sich Thyssen-Krupp, künftig noch mehr Stahl zu produzieren. In Brasilien und Alabama baute der Konzern für viel Geld neue Stahlhütten – doch diese waren buchstäblich auf Sand und Matsch gebaut und langfristig auch noch überflüssig, weil nur im Boom viel Stahl gebraucht wird. Die Konsequenz: Nach einem Minus von 1,8 Milliarden Euro im Vorjahr bilanzierte Thyssen-Krupp 2012 ein Minus von 4,7 Milliarden Euro. Darin enthalten war eine Abschreibung auf Steel America. Noch heute ächzt der Konzern unter den Lasten der milliardenschweren Fehlinvestition.

(Foto: dpa)
Platz 7: Deutsche Telekom (2012)
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Nach 2001 und 2002 musste die Deutsche Telekom im Jahr 2012 noch einmal ihr amerikanisches Abenteuer teuer bezahlen. Im Oktober gab der Konzern bekannt, dass auf T-Mobile USA (früher Voicestream) 7,4 Milliarden Euro abgeschrieben werden. Grund für diese Hiobsbotschaft war, dass der Wert der US-Tochter inzwischen deutlich geringer eingeschätzt wurde als im Jahr 2000, als die Telekom Voicestream für 50,7 Milliarden Dollar gekauft hatte. Daraus resultierte am Ende des Jahres schließlich ein Gesamtnettoverlust von 5,3 Milliarden Euro. Eigentlich hatte Konzernchef René Obermann die lange Zeit kriselnde US-Tochter verkaufen wollen. Doch der Plan platzte.

(Foto: ap)

Den Rekordverlust hatte die Deutsche Bank schon vor einer Woche angekündigt. Denn die Analysten hatten zwar Schlimmes befürchtet, waren aber bei ihren Schätzungen noch deutlich zu optimistisch. Hat der Markt so eine falsche Erwartung, muss ein Unternehmen diese frühzeitig gerade rücken.

Für den deutschen Branchenführer ist es erst das zweite Mal, dass er am Jahresende mit roten Zahlen dasteht. Im Finanzkrisenjahr 2008 aber betrug das Minus „nur“ 3,9 Milliarden Euro nach Steuern. Das trifft auch die Aktionäre, die zwei Jahre in Folge auf ihre Dividende verzichten müssen.

Jenseits des Investmentbankings gibt es Licht und Schatten. Das „Global Transaction Banking“, also etwa die Zahlungsverkehrsabwicklung für Großkonzerne, konnte gegenüber dem Vorjahr wachsen und steigerte im Gesamtjahr das Vorsteuerergebnis um fast ein Viertel auf 1,4 Milliarden Euro. Auch die Vermögensverwaltung wuchs im Gesamtjahr, glänzte jedoch nicht im vierten Quartal. Das Privat- und Firmenkundengeschäft litt unter Abschreibungen auf den Wert etwa der Postbank und durch hohe Ausgaben für den Filialumbau. In Deutschland streicht die Bank ihr Filialnetz zusammen.

Der Vorstand der Bank bittet die Aktionäre beim Umbau des Instituts um Geduld. Für das laufende Jahr rechnet die Bank noch kaum mit zählbaren Erfolgen, wie aus einer Analysten-Präsentation vom Donnerstag hervorgeht. „2016 wird der Höhepunkt der Restrukturierung“, hieß es dort. Die Einsparungen reichten voraussichtlich nur, um den Kostendruck abzufedern, die bereinigten Kosten dürften nicht zurückgehen. Im vierten Quartal waren die zinsunabhängigen Ausgaben der Bank – ohne Berücksichtigung von Rechtskosten und ähnlichen Sonderposten – um sechs Prozent auf 6,8 Milliarden Euro gestiegen.

Konzernumbau in vollem Gange

Diese Banken sind groß – und daher gefährlich
Klasse 1
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Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 18 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – eine mehr als im Vorjahr. Sie müssen nur ein Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Unter diesen nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich Geldhäuser wie die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, Credit Agricole, die Royal Bank of Scotland und die Bank of China. Neu hinzugekommen in diese Gruppe ist die US-Bank Morgan Stanley, die im Vorjahr noch einen höheren Kapitalpuffer vorhalten musste.

(Foto: ap)
Klasse 2 – Morgan Stanley
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Die amerikanische Großbank Morgan Stanley landet auf Platz 11. Sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Seit der weltweiten Finanzkrise konzentriert sich Morgan Stanley stärker auf die Vermögensverwaltung. Damit soll das Geschäft weniger schwankungsanfällig werden.

(Foto: Reuters)
Klasse 2 – Mitsubishi UFJ FG (MUFG)
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Die Mitsubishi UFJ FG (MUFG) muss ebenfalls 1,5 Prozent Kapital als Zuschlag vorhalten. Zu der japanischen Holdinggesellschaft gehört die Bank of Tokyo-Mitsubshi UFJ. Die Bankengruppe gehört im japanischen Leitindex Nikkei neben Toyota, Toshiba und Sony zu den Schwergewichten. Japanische Banken wie die MUFG profitieren derzeit von der extrem expansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank. Sie erzielen bessere Ergebnisse als ihre schwächelnden Konkurrenten in Europa.

(Foto: AFP)
Klasse 2 – Goldman Sachs
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Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Im Sommer litt die Bank unter der Flaute an den Märkten. Ein florierendes Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen (M&A) konnte das dritte Quartal nicht retten: Der Nettogewinn brach um mehr als ein Drittel ein.

(Foto: ap)
Klasse 2 – Credit Suisse
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Die zweitgrößte Schweizer Großbank Credit Suisse gilt als gefährlicher als ihr Konkurrent UBS. Der neue Chef der Bank, Tidjane Thiam, baut das angeschlagene Institut derzeit kräftig um. Er kündigte eine Kapitalerhöhung, einen Sparplan und einen Vorstandsumbau an. Aufschlag: 1,5 Prozent.

(Foto: ap)
Klasse 2 – Bank of America
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Das größte Kreditinstitut der USA, die Bank of America, landet auf Platz 7 (Aufschlag: 1,5 Prozent). Die Bank hat die Finanzkrise überstanden und schreibt inzwischen wieder schwarze Zahlen.

(Foto: Reuters)
Klasse 3 – Deutsche Bank
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Die Deutsche Bank ist das einzige deutsche Geldhaus, das vom Finanzstabilitätsrat als systemrelevant eingestuft wird. Sie muss zwei Prozent Kapital vorhalten. Der britische Neu-Chef John Cryan greift momentan durch und zeigt mit einem umfangreichen Stellenabbau und dem Streichen der Dividende Härte.

(Foto: Reuters)

Die Deutsche Bank rechnet 2016 mit Restrukturierungskosten und Abfindungen von rund einer Milliarde Euro. Rechtsstreitigkeiten dürften das Institut immer noch belasten, auch wenn Vorstandschef John Cryan die Kosten dafür unter dem Niveau des vergangenen Jahres sieht.

Die Risikovorsorge für faule Kredite, die wegen der guten Konjunktur zuletzt auf historischen Tiefstständen lag, werde steigen. Im kriselnden Energiesektor sei die Bank allerdings weniger stark engagiert als andere Geldhäuser, und die Engagements dort seien gut abgesichert. Doch auch bei der geplanten Schrumpfung der Bilanz werde man in diesem Jahr nicht recht vorankommen. Der erwartete Rückgang der Bilanzrisiken (RWA) in der Abbau-Einheit NCOU werde durch steigende operative Risiken aufgewogen, so dass die Kapital verschlingenden RWA insgesamt stagnieren dürften, heißt es in der Präsentation.

Eine Ursache für den enormen Verlust ist auch der harte Sanierungskurs, den der neuen Co-Chef John Cryan der Deutschen Bank auferlegt hat. Der Brite löste im Juli den glücklosen Anshu Jain an der Spitze des Instituts ab und begann schon im dritten Quartal, durch Wertberichtigungen und Abschreibungen die Bilanz aufzuräumen. Das ist eine übliche Methode neuer Chefs. So können sie die Korrekturen noch den Vorgängern in die Schuhe schieben und in der Zukunft nach solche herben Verlusten umso mehr glänzen.

Im Fall der Deutschen Bank aber reagieren die Investoren dennoch geschockt. Seit Cryans Amtsantritt kennt der Aktienkurs nur eine Richtung: abwärts. 40 Prozent des Börsenwertes wurden vernichtet.

Die Abkehr an der Börse hat mehrere Gründe: Zum einen hat Cryan schonungslos offengelegt, wie ineffizient und veraltet die Bank aufgestellt ist. Dazu kommen die nicht enden wollenden Belastungen aus Rechtsstreitigkeiten. Um eine ansehnliche Eigenkapitalrendite von über zehn Prozent im Jahr 2018 zu erreichen, muss mächtig gespart werden.

Hinzu kommt, dass der einstige Star der deutschen Bankenszene nach dem Willen der Regulierer schrumpfen soll. Cryans Vorgänger Anshu Jain hat im April des vergangenen Jahres einen Strategieplan vorgelegt, den Cryan nun umsetzt. 9000 Jobs werden gestrichen, 200 Filialen geschlossen, die Tochter Postbank verkauft und wenig lukrative Geschäftsbereiche geschlossen. Die Investoren fürchten, dass Cryan die Bank kaputt spart und die Erträge einbrechen. Ganz unberechtigt ist diese Sorge angesichts der jüngsten Geschäftszahlen nicht.

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