Deutsche Bank Eigenhandel greift daneben

Das dominierende Investment-Banking bleibt bei der Deutschen Bank wegen der Verwerfungen an den Kapitalmärkten ein Sorgenkind. Nach Wertberichtigungen über 1,2 Mrd. Euro musste der Branchenprimus im Bereich "Corporate Banking and Securities" im dritten Quartal einen Verlust von 789 Mio. Euro hinnehmen. Im bisherigen Jahresverlauf addiert sich das Minus auf 2,7 Mrd. Euro. In anderen Bereichen zeigt sich ein gemischtes Bild.

FRANKFURT. Bestimmte Geschäftsfelder der Deutschen Bank, die besonders unter der Finanzkrise leiden, werden künftig zurückgefahren, darunter dürften beispielsweise Übernahmefinanzierungen, Finanzierungen für gewerbliche Immobilien und strukturierte Wertpapiere (ABS) fallen. Besonders schmerzhaft waren die Verluste im Eigenhandel von 1,3 Mrd. Euro. Darin enthalten war offenbar auch ein Fehlbetrag von rund 350 Mill. Euro aus schiefgelaufenen Geschäften mit Aktienderivaten. In Londoner Finanzkreisen heißt es, das Minus schwäche zunächst die Position der Top-Investmentbanker Richard Carson und Anshu Jain.

Insgesamt sei der Eigenhandel mit Aktien, Anleihen und Derivaten im "Horror-Quartal" mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers schwierig verlaufen, heißt es in Bankkreisen. Trotzdem werde man natürlich nicht komplett aussteigen, sondern die Risikopositionen überprüfen. "Die Deutsche Bank befindet sich hier in einer internen Diskussion", sagte ein Branchenbeobachter. "Bei einigen Geschäftsbereichen, die nicht performen, wird das Management punktuell gegensteuern", hieß es weiter. Ein Analyst sagte, im Eigenhandel sei auch zukünftig mit negativen Nachrichten zu rechnen, weil sich die Situation im Oktober nochmals verschlechtert habe.

Insgesamt seien die Ergebnisse im Investment-Banking besser ausgefallen als befürchtet, meinten die Analysten von Oppenheim Research. Allerdings hätten sich die "stabilen Geschäftsbereiche" der Bank etwas enttäuschend entwickelt. Dazu zählen das Privatkundengeschäft, die Vermögensverwaltung und der internationale Zahlungsverkehr (Global Transaction Banking).

In der Vermögensverwaltung summierten sich im Berichtsquartal mehrere "Sonderfaktoren" zu einer außerordentlichen Belastung von 265 Mio. Euro. Dazu zählten unter anderem Verluste bei Wagniskapital, Infrastruktur-Investitionen sowie Rückstellungen für spezielle Kommunalanleihen. Dadurch entstand überraschend ein Verlust im Vermögensmanagement in Höhe von 95 Mio. Euro. In der Vergleichszeit des Vorjahres war hier noch ein Gewinn von 265 Mio. Euro erwirtschaftet worden. Auch rückläufige Provisionserträge als Folge des Kursverfalls an den Aktienmärkten schlugen zu Buche, außerdem wurden Geldmarktfonds insgesamt 55 Mio. Euro zugeschossen. Im Asset Management kam es zu Mittelabflüssen von elf Mrd. Euro, hauptsächlich bei Geldmarktfonds, in der privaten Vermögensverwaltung wurde dagegen ein Plus von sechs Mrd. Euro verzeichnet.

"Die Deutsche Bank spürte wie andere Wettbewerber auch die Wertminderungen in den Depots. Außerdem haben Kunden zwecks Liquiditätsbeschaffung einige Bestände aufgelöst", sagte Manfred Jakobs, Branchenexperte bei der SEB. "Die Deutsche Bank bezieht in starkem Maße erfolgsabhängige Provisionen. In fallenden Märkten ist das natürlich ungünstig", sagte ein anderer Analyst.

Im Privat- und Firmenkundengeschäft, dass im kommenden Jahr durch die Übernahme der Postbank einen Schub erfahren könnte, ging der Gewinn um 14 Prozent auf 262 Mio. Euro zurück. Allerdings stiegen die Einlagen laut Deutscher Bank um drei Mrd. Euro, unter dem Strich habe man 237 000 Neukunden gewonnen. "Im Privatkundengeschäft und im Transaction Banking brennt am wenigsten an, hiervon dürfte die Bank in Zukunft weiter profitieren", meinte Jakobs. Den internationalen Zahlungsverkehr bezeichnete Finanzvorstand Stefan Krause am Donnerstag als "Erfolgsstory", hier stieg der Gewinn um sieben Prozent auf 281 Mio. Euro.

Neben den geänderten Bilanzierungsregeln profitierte die Deutsche Bank auch von einer Steuergutschrift in Höhe von 321 Mio. Euro, hauptsächlich aus Verlustverrechnungen in den USA. Im Beteiligungsgeschäft erlöste die Bank 229 Mio. Euro aus dem Verkauf der Anteile an der Versicherung Allianz SE. Bei der Mittelbeschaffung reduzierte die Bank die kurzfristige Refinanzierung auf 14 Prozent gegenüber 30 Prozent vor Ausbruch der Finanzkrise. Zu möglichen Stellenstreichungen teilte die Bank am Donnerstag nichts mit. Weltweit hat die Zahl der Beschäftigten binnen zwölf Monaten um rund 3 000 auf jetzt 81 300 zugenommen. Das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag verschlechterte sich auf 92,5 Prozent nach knapp 70 vor einem Jahr.

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