Deutsche Bank Ex-Chefvolkswirt hält Verkauf für möglich

Die Deutsche Bank als europäische Tochter eines US-Instituts? Ex-Chefvolkswirt Thomas Mayer hält das für eine realistische Option. Die Alternative zu einem Verkauf könne nur schmerzhaft sein.
Der Ex-Chefvolkswirt Thomas Mayer schlägt vor, die Deutsche Bank in die USA zu verkaufen. Quelle: dpa
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Der Ex-Chefvolkswirt Thomas Mayer schlägt vor, die Deutsche Bank in die USA zu verkaufen.

(Foto: dpa)

BerlinIn der Diskussion über die Zukunft der Deutschen Bank hält ihr Ex-Chefvolkswirt Thomas Mayer einen Verkauf an eine US-Bank für eine Option. „Als europäisches Standbein eines in den USA verankerten globalen Finanzhauses könnte sich die Deutsche Bank in ganz Europa als wichtige Investmentbank entfalten“, sagte Mayer dem neuen Monatsmagazin „Tichys Einblick“ laut Vorabbericht vom Samstag.

Eine Übernahme sei angesichts der niedrigen Marktkapitalisierung ohne weiteres möglich. Die umfangreichen Aufräumarbeiten und die drohende Milliardenstrafe in den USA wegen Hypothekengeschäften schreckten derzeit noch Käufer ab. Vorstandschef John Cryan konzentriere sich auf die Altlasten, verzichte bislang aber auf ein strategisches Konzept, und schaffe damit bereits die Voraussetzungen für einen Verkauf an eine global tätige Investmentbank.

Diese Zehn entscheiden über die Zukunft der Deutschen Bank
Paul Achleitner
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Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Deutschen Bank ist bekannt für seine engen Kontakte zur Industrie. Nachdem vorherige Manager es nicht geschafft hatten, Fehltritte auszubügeln, die den Zorn der Kläger von New York bis London auf sich zogen, wählte er John Cryan als neuen Hoffnungsträger aus. Doch sein Ruf leidet, seit Investoren angesichts stürzender Aktienkurse und anhaltendem Chaos ungeduldiger werden. Das wurde spätestens im April ersichtlich, als er in einen Streit im Vorstand über mutmaßliches Fehlverhalten verwickelt wurde.

Bill Baer
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Der Chef der Kartellabteilung im US-Justizministerium konzentriert sich auf die Aufarbeitung der Finanzkrise von 2008 und hat den Ruf, wettbewerbsschädliche Deals aggressiv zu bekämpfen. Im vergangenen Jahr hat er Strafen über sechs Milliarden US-Dollar für Devisenmarktmanipulationen erstritten. Er hat das Sagen in den Gesprächen mit der Deutschen Bank – hat sich bislang aber noch nicht direkt zu dem Fall geäußert.

John Cryan
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Der Deutsche-Bank Chef versucht, Kapitalpuffer zu stärken und die Rentabilität zu steigern, während er Vermögen verkauft, Jobs streicht und Dividenden zurückhält. Doch sprunghafte Märkte, Strafzinsen und strengere Regulationen sorgen für reichlich Gegenwind. „Wir sind und bleiben eine starke Deutsche Bank“, schreibt Cryan in einem Brief an die Mitarbeiter. Das Institut erfülle alle Eigenkapitalanforderungen, sei beim Umbau im Plan und verfüge über Liquiditätsreserven von über 215 Milliarden Euro. Die Risiken seien in den vergangenen Jahren deutlich reduziert worden. „Zu keinem Zeitpunkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten war die Deutsche Bank, was ihre Bilanz angeht, so sicher wie heute.“

Angela Merkel
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Die Bundeskanzlerin hat das letzte Wort über mögliche staatliche Unterstützung für die Deutsche Bank. Sie steuerte das Land bereits durch die Finanzkrise. Diese Erfahrung hat sie aber auch gelehrt, welche Fallstricke es birgt, dem Finanzsektor auszuhelfen – insbesondere da im kommenden Jahr Wahlen anstehen.

Wolfgang Schäuble
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Bundesfinanzminister, verdienter Staatsmann und Merkels verlässliche Stütze bei Finanzangelegenheiten: Er würde eine mögliche Rettung der Deutschen Bank hauptverantwortlich gestalten und ausführen. Noch im Februar sagte Schäuble, er mache sich keine Sorgen um die Deutsche Bank. Doch mittlerweile vermeidet er öffentliche Kommentare zur Lage der Bank. Einen Bericht der „Zeit“, dass die Bundesregierung bereits an einem Rettungsplan arbeite, ließ er allerdings dementieren.

Mario Draghi
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Auch der Chef der Europäischen Zentralbank würde wohl in jedem Fall miteinbezogen werden. Die Geldpolitik der EZB wird als die Wurzel vieler Probleme der Deutschen Bank angesehen. Draghi dagegen sagte nun, Niedrigzinsen stellten kein Systemrisiko dar.

Daniele Nouy
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Seit zwei Jahren ist sie die Chefin der Europäischen Bankenaufsicht. Die 65-Jährige Französin wird als strenge Aufseherin gefürchtet. Sie prüft die Aktivitäten und Bilanzen der Deutschen Bank und wird den Kapitalbedarf der Bank für 2017 festlegen.

Als Alternative zu einem Verkauf nennt Mayer eine drastische Verkleinerung des Geldhauses auf die Größe einer Art „Investmentboutique“. Voraussetzung für eine Neuausrichtung sei die Konzentration auf deutsche Kundschaft. „Das größte Pfund der Bank ist ihre enge Beziehung zu den Kunden des Landes“, erklärte Mayer.

Die Deutsche Bank ist Finanzkreisen zufolge in ihren Gesprächen mit wichtigen Investoren schon seit einiger Zeit unter Druck geraten, sich angesichts ihrer nicht enden wollenden Aufräumarbeiten nach einem potenziellen Fusionspartner umzuschauen.

  • rtr
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