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Deutsche Bank-Film „Bei den Deals genau hinzuschauen, wäre verrückt“

6000 Prozesse weltweit, Milliardenstrafen, Klage gegen Co-Chef Fitschen: Die Deutsche Bank steckt in einer schweren Krise. Wie es dazu kommen konnte, zeigte am Abend eine ZDF-Dokumentation.
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Das Logo der Deutschen Bank im Spiegelbild: Das ZDF strahlte kurz vor der Hauptversammlung der Bank eine Doku mit dem Titel „Deutsche Bank – Abstieg eines Geldhauses“ aus. Quelle: Reuters
Deutsche Bank

Das Logo der Deutschen Bank im Spiegelbild: Das ZDF strahlte kurz vor der Hauptversammlung der Bank eine Doku mit dem Titel „Deutsche Bank – Abstieg eines Geldhauses“ aus.

(Foto: Reuters)

Köln Die Bewunderung des Bankers in der Leitung ist kaum zu überhören. Sein Kollege erzählte gerade telefonisch, wie er den Zinssatz Libor manipuliert hat. „Verfluchte Hölle, Manipulation, wow“, sagt der Banker. Und fragt dann gleich: „Ist das legal oder illegal?“ „Nee, das ist illegal“, sagt der Kollege.

Das Gespräch über die Libor-Manipulation stammt aus Aufzeichnungen der Deutschen Bank, die die Dokumentation „Der Fall Deutsche Bank – Abstieg eines Geldhauses“ aufgreift. In dem Film, dem das ZDF am Dienstagabend einen Platz in der Primetime um 20.15 Uhr gönnte, beschäftigt sich Autor Dirk Laabs mit den Manipulationen, in die das Geldinstitut verstrickt sein soll. Der Gesprächsausschnitt der beiden Banker vom Anfang zeigt, wie wenig Skrupel bei den kriminellen Machenschaften offenbar aufkamen.

Die frechsten Zitate der Deutsche-Bank-Händler
„Dann schauen wir mal, dass wir ihnen noch etwas mehr wehtun können“
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„Tiefer, mein Freund, tiefer!“: Mit diesen Worten wandte sich im September 2005 ein Fondsmanager aus London an einen Kollegen – und wollte den Zinssatz für den US-Dollar Libor damit drücken. Für die Deutsche Bank endeten die Zinsmanipulationen von Libor und Euribor nun mit einem Vergleich über 2,5 Milliarden Dollar. Die US-Aufsichtsbehörde CFTC hat Chatprotokolle der Bank-Händler ausgewertet. Und die Dokumentation nun anonymisiert online gestellt.

Im konkreten Beispiel gibt sich der Kollege zunächst noch vorsichtig („es wird schwer“), doch der Fondsmanager lässt nicht locker. Er erklärt, die Konkurrenz manipuliere gerade, weil sie höhere Libor-Sätze bräuchten und schon 25 Millionen Dollar verloren hätten. Der für den Libor zuständige Kollege beschließt mit: „Okay, dann schauen wir mal, dass wir ihnen noch etwas mehr wehtun können.“

(Foto: Reuters)
„Schick mir direkt morgens eine Mail von Deinem Blackberry“
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Die Anklageschriften dokumentieren den Chatverkehr bei der Deutschen Bank, gesammelt von US-Behörden. In diesem Fall lässt derjenige, der für den Libor zuständig ist, einen Händler wissen, wie er am besten vorgeht, wenn der einen anderen Zinssatz benötigt. Morgens eine E-Mail vom verschlüsselten Blackberry senden und dann „ist die Chance hoch, dass ich auf ein anderes Niveau gehen kann“.

(Foto: Reuters)
Die Aussichten für den Libor
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Der Libor-Wetterbericht. Der 1-Monats-Libor „sieht heute nach 57 aus“, schriebt ein Mitarbeiter im Sommer 2007 einem Kollegen. „Danke, du bist der ,Man'“, lautete die Antwort des Kollegen.

(Foto: Imago)
„Ladies first“
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Nicht jeder Händler bekam offenbar bei den Manipulationen seinen Willen – oder ihren. So fragte eine Händlerin, ob es möglich sei, den Euribor für einen Monat zu senken. „Schwierig“, antwortet der zuständige Kollege, ein Senior Manager hätte ihn lieber auf der höheren Seite. Die Händlerin entgegnet: „Oh nein!! Aber Ladies first, nicht wahr ;))?“ Der Kollege lässt nicht mit sich handeln: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Die Händlerin gibt allerdings erst auf, als der Kollege sagt: „Du unterschreibst nicht meine Bonusschecks, richtig?“

(Foto: Imago)
„Ich muss Dich um einen großen Gefallen bitten“
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Der Gesprächsauszug zwischen einem Londoner Fondsmanager und einem Frankfurter Regionalmanager ist dem englischen Kollegen merklich unangenehm. Er fragt nach einem großen Gefallen, druckst aber herum: „Es ist ein, äh... sehr, sehr, sehr großer Gefallen.“ Es geht letztlich darum, den Sechs-Monats-Libor nach oben zu treiben. Der Londoner Fondsmanager lässt sich das „high“, also hoch, mehrfach bestätigen. Und lässt letztlich auch nicht locker, als er hat, was er wollte.

(Foto: Screenshot)
„Ach komm schon! Wir brauchen immer höhere Libor !!!“
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Zinsmanipulation kann eine sehr kumpelhafte Geschichte sein. Ein Händler aus New York fragt einen für den Dollar zuständigen Kollegen, ob der Libor morgen höher sein werde? „Sollte nicht“, lautet die lapidare Antwort. „Ach komm schon! Wir brauchen immer höhere Libor !!!“ erwidert der Händler, nicht ohne eine „haha“ am Ende. Der Kollege sagt darauf, er tue sein bestes. Der Händler gibt daraufhin, nur „neugierig“ gewesen zu sein.

(Foto: Screenshot)
„Sieht aus, als würde es sich gewaltig bewegen“
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Ein Fondsmanager aus London bettelt einen Händler für Euro-Wertpapiere (Swaps) bei der Barclays-Bank um Hilfe an: „Du wirst mir helfen, versprochen???“ Der Kollege gibt sich gönnerhaft: „Ahaa, na klar, mein Freund, sieht aus, als würde es sich gewaltig bewegen“, antwortet er – und spricht vom Libor. Der Fondsmanager fragt noch einmal nach, ob ihm wirklich geholfen werden. Der Barclays-Händler bejaht das.

(Foto: Screenshot)

6000 Prozesse weltweit, Milliardenstrafen wegen der Libor-Manipulation, Co-Chef Jürgen Fitschen wegen Prozessbetruges vor Gericht in München: Die Deutsche Bank steckt in einer tiefen Vertrauenskrise. Kurz vor der Hauptversammlung am Donnerstag weckt die ZDF-Dokumentation nun erneut Zweifel an der Führung des Geldhauses – vor allem im Zusammenhang mit der Manipulation des Leitzinses Libor.

Ein Beispiel: Als ein Manager der Deutschen Bank in London durch die Manipulation von Euribor und Libor 2008 einen Bonus von 90 Millionen Pfund erwirtschaftete, wurde die Abteilung des heutigen Co-Chefs Anshu Jain misstrauisch. Sie ordnete eine interne Prüfung an. Darin hieß es laut der ZDF-Dokumentation: „Bei diesen Deals genau hinzuschauen, wäre verrückt.“

Diesen Satz hinterfragte offenbar niemand, gegen den Banker wurde nichts Belastendes gefunden, er wurde sogar befördert. Das ist zwar kein Beleg dafür, dass die Manipulation bekannt war, doch der Satz aus dem Bericht zeigt, dass es zumindest Hinweise auf ein falsches Verhalten der Banker gegeben hat.

Der Handelsblatt Expertencall
Was wusste Jain?
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6 Kommentare zu "Deutsche Bank-Film: „Bei den Deals genau hinzuschauen, wäre verrückt“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was wollte das ZDF eigentlich damit ?
    besessen die Deutsche Bank zu jagen .. mit der alten Kiste.
    Was ist das Ziel dieser Doku ?
    Es ist für mich immer unbegreiflich, wie oft die deutschen Medien auf deutsche
    Firmen losziehen.
    ... und amerikanische Produkte huldigen.
    Klar will jetzt kein Deutscher diese Aktie .. diese Bank ..
    Nur nie jammern wenn sich die Macht ausländischer " INVESTOREN"
    weiter vergrößert.

  • Diese Exzesse sind m.E. einfach der Idee "Share holder value"-Ansatz geschuldet. Dieser Gedanke ließ alle Dämme brechen und führte zur uneingeschränkten Bereicherung der Vorstände und Aufsichtsräten bis in die BAFin hinein.

  • Ohne Haß, ohne Neid, einfach nur die Feststellung, oh wie tief bist Du gesunken, Deutsche Bank!

    Und wer hat es zu verantworten - bis zum Beweis des Gegenteils ist es ein Schweizer und ein Inder, die beide zu viel weg geguckt haben!

  • Für mich der wichtigste Punkt:
    Die DB glaubte, Bankers Trust zu übernehmen, stattdessen lies sie das Management des Investment Bankings in London frei werkeln und faktisch wurde die Deutsche Bank übernommen.
    Ich denke, die Auswirkungen sieht man gerade heute, wenn das Privatkundengeschäft "eingestampft" wird.
    Weiterhin ist es eigentlich ein Skandal, wie sich die Investmentbanker die Taschen füllen, sich mit DB-Aktien als Boni gut stellen und die "normalen" Aktionäre dafür zahlen.

  • Ich gehe noch einen Schritt weiter.

    Wenn das ZDF nebenbei solche Machenschaften aufdecken konnte, weshalb hat die BAFin, deren Job es sein sollte, nichts gesehen?

    Wenn eine Aufsichtsbehörde das wichtigste Geschäftsfeld der größten Deutschen Bank nicht überwacht, weshalb schließt man sie nicht. Dass man an deren Spitze Leute setzt, die vomunerfahren im Bankgeschäft sind, spricht schon Bände.

    Oberster Aufsichtsbehörde ist der Bundesfinanzminister.

    Vielleicht hat das ZDF auch noch den Mut, sich dieses Themas anzunehmen? Man sollte ein "Thema" nicht nach dem Vorwort schon als abgearbeitet ansehen.

  • Systemrelevante Verbrechen bei denen alle tatenlos zusehen und so tun als ob sie es nicht verstehen würden was da passiert. Ich kann hier keinen Unterschied zum organisiertem Verbrechen mehr erkennen. Das mindeste was hier passieren muss, wäre es, die dadurch angehäuften privaten Vermögen für soziale Zwecke zu verwenden.
    Sage noch einer Bankräuber sind böse Menschen ;o)