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Deutsche Bank Fondsmanagerin Alexandra Annecke: „Wir werden Vorstand und Aufsichtsrat entlasten“

Die Fondsmanagerin von Union Investment will Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bank auf der Hauptversammlung das Vertrauen aussprechen – trotz aller Kritik.
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„Die Deutsche Bank muss ihre Compliance- und Kontrollsysteme verbessern, um hier nicht weiter verwundbar zu sein“, sagt die Fondsmanagerin von Union Investment.
Alexandra Annecke

„Die Deutsche Bank muss ihre Compliance- und Kontrollsysteme verbessern, um hier nicht weiter verwundbar zu sein“, sagt die Fondsmanagerin von Union Investment.

Alexandra Annecke hat so einiges an der Deutschen Bank zu bemängeln. Doch trotz aller Kritik will die Fondsmanagerin von Union Investment Vorstand und Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung entlasten.

Frau Annecke, finden Sie es gut oder schlecht, dass die Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank gescheitert ist?
Ich teile die Einschätzung der beiden Parteien, dass die Synergien zu gering waren, um ausreichend Sicherheitspuffer angesichts der hohen Integrationsrisiken zu bieten. Daher war es richtig, die Fusionsverhandlungen abzubrechen.

Wo sehen Sie die größten Baustellen beider Institute?
Beide Banken müssen ihre IT modernisieren und die Kosten senken. Die Deutsche Bank muss zusätzlich ihre Compli‧ance- und Kontrollsysteme verbessern, um hier nicht weiter verwundbar zu sein. Außerdem müssen beide Häuser ihre Strategie anpassen.

Auch die Commerzbank?
Die Commerzbank musste bereits im vergangenen Jahr bei ihren Zielen zurückrudern. Die Kostenbasis muss an das anhaltende Niedrigzinsumfeld und den intensiven Wettbewerb angepasst werden. Somit muss auch die Filialstrategie noch einmal auf den Prüfstand.

Was steht auf dem Aufgabenzettel für die Deutsche Bank?
Eine Anpassung der Investmentbankstrategie ist überfällig. Ohne Einschnitte im Investmentbanking ist es kaum möglich, bis 2021 als Gesamtbank eine Rendite von zehn Prozent auf das materielle Eigenkapital zu erreichen. Das ist auch nicht als hartes Ziel formuliert, sondern nur als Aspiration. Das Kapitalmarktgeschäft war einmal die Paradedisziplin der Bank und ist heute nur noch ein Schatten seiner selbst. Was die Sparte aktuell an Erträgen erwirtschaftet, ist aus Investorensicht völlig unzureichend. Die US-Investmentbanken sind mittlerweile weit enteilt und können sich auch nötige IT-Investitionen leichter leisten.

Löst man das Problem, indem man die Sparte stutzt oder in sie investiert?
Die Lösung muss hier lauten: Weniger ist mehr. Den Luxus einer Investmentbank in der heutigen Aufstellung kann sich die Deutsche Bank schlichtweg nicht mehr leisten. In die Bereiche, die profitabel und für die Kunden wirklich relevant sind, muss natürlich weiter investiert werden. Die unprofitablen Bereiche müssen dagegen gestutzt werden – es sei denn, sie können durch kreative und kostengünstige Lösungen, beispielsweise durch Partnerschaften, wieder flottgemacht werden.

War es sinnvoll, Transaktionsbank und Investmentbank in einer Einheit zusammenzuführen?
Inhaltlich hat diese Bündelung ihre Berechtigung, da beide Bereiche vom guten Zugang der Bank zu deutschen und europäischen Unternehmenskunden leben. Sie führt jedoch zu einem Mangel an Transparenz. Die Transaktionsbank verdient ordentlich Geld. Das heißt angesichts des schwachen Gesamtergebnisses, dass Teile des Investmentbankings in tiefroten Zahlen stecken müssen. Genauer lässt sich das leider nicht sagen, denn die Deutsche Bank schlüsselt nicht auf, wo Geld verdient und wo Geld verbrannt wird.

Würde es der Transparenz dienen, wenn man die Transaktionsbank aus der Investmentbank heraustrennen und die Ergebnisse separat ausweisen würde?
Ja, auf jeden Fall. Damit würde auch der Druck steigen, einschneidendere Maßnahmen im Kapitalmarktgeschäft zu ergreifen.

Ist die Deutsche Bank im Investmentbanking intransparenter als andere Banken in Europa?
Auch andere europäische Banken sind bezüglich der Details, wie viel man im Aktien- oder Anleihehandel verdient, leider relativ intransparent. Die Deutsche Bank sagt nur, dass sie als Gesamtbank im Geschäftsjahr 2019 eine Rendite von mehr als vier Prozent auf das materielle Eigenkapital erreichen will, ohne ein Renditeziel für die Investmentbank zu nennen. Als Investor wollen wir aber heute schon Ziele sehen, die über das Jahr 2019 hinausgehen und auf die einzelnen Sparten heruntergebrochen sind. Die Deutsche Bank braucht endlich eine transparente Kapitalmarktkommunikation, die allen Geschäftsbereichen harte Ziele setzt und die Umsetzung der Strategie an Meilensteine koppelt.

Sind Sie enttäuscht, dass die Deutsche Bank nicht direkt nach dem Platzen der Fusion einen Plan B präsentiert hat?
Nein, denn ein Plan B will wohldurchdacht sein. Mit kosmetischen Anpassungen ist es nicht mehr getan. Es braucht jetzt wohl doch größere Veränderungen, als es sich die Bank vielleicht bis vor Kurzem eingestehen wollte, da kein Rückenwind von der Zinsseite zu erwarten ist.

Wo sehen Sie Fortschritte bei der Deutschen Bank?
Bei der Kostendisziplin, die langsam, aber sicher Früchte trägt. Das ist immens wichtig. Auch die Bilanzsumme wurde reduziert. Zudem wird die Liquidität besser eingesetzt.

Halten Sie angesichts der mäßigen Bilanz die Vergütung für Vorstand und Belegschaft mit Boni für angemessen?
Nein, die Vorstandsvergütung und die Boni stehen in keinem Verhältnis zur operativen Entwicklung und zum Aktienkurs. Die Deutsche Bank hat nur einen kleinen Gewinn erzielt. Um Sondereffekte bereinigt lief es sogar schlechter als im Vorjahr.

Halten Sie es dann für gerechtfertigt, Vorstand und Aufsichtsrat zu entlasten?
Wir werden Vorstand und Aufsichtsrat entlasten. Das ist angesichts der gewaltigen Probleme und Altlasten, mit denen die Bank immer noch zu kämpfen hat, keine Selbstverständlichkeit. Wir wollen Herrn Sewing und Herrn Achleitner die Chance geben, den eingeschlagenen Restrukturierungskurs konsequent fortzusetzen. Erste Erfolge gibt es bereits, aber das ist noch lange nicht genug!

Frau Annecke, danke für das Gespräch.

Mehr: Endspiel für Paul Achleitner: Der Aufsichtsratschef muss wieder einmal um seine Zukunft kämpfen. Eine knappe Entlastung auf der Hauptversammlung wäre wohl nur ein Etappensieg.

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