Deutsche Bank Fondstochter DWS enttäuscht die Erwartungen

Nach den schlechten Quartalszahlen schiebt der DWS-Chef die Schuld für die Misere seinem Mutterkonzern zu. Der Druck auf die Fondstochter wächst.
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Anleger haben im zweiten Jahresquartal fast fünf Milliarden Euro Kapital aus DWS-Fonds abgezogen. Quelle: Lêmrich für Handelsblatt
DWS-Gebäude in Frankfurt

Anleger haben im zweiten Jahresquartal fast fünf Milliarden Euro Kapital aus DWS-Fonds abgezogen.

(Foto: Lêmrich für Handelsblatt)

FrankfurtEmpört reagieren Großinvestoren auf die Äußerung von Nicolas Moreau auf der Analystenkonferenz der DWS: Der Chef der Deutsche-Bank-Fondstochter hat dem Mutterkonzern eine Mitschuld an der schwachen Geschäftsentwicklung der DWS gegeben. Die schwierige Lage der Mutter zeige negative Auswirkungen: „Ich kann nicht sagen, dass das hilft“, sagte Moreau in der Konferenz. „Billig“ findet es ein Investor, die Verantwortung einfach weiterzugeben: „Die Zahlen schaffen nicht gerade Vertrauen.“

Anleger haben im zweiten Quartal unterm Strich 4,9 Milliarden Euro Kapital aus Fonds der DWS abgezogen. Gravierend: Aus den margenstärkeren Produkten für private Anleger wie Aktienfonds flossen zwei Milliarden Euro ab. Als maßgeblicher Grund dafür gilt die schwache Rendite bekannter Aktienfonds des Hauses.

Im Gegensatz zur Konkurrenz kann die DWS dies nicht mit den beliebten Mischfonds ausgleichen: Auch dort sei die Performance mau, moniert das Ratinghaus Morningstar. Die anderen drei großen Konkurrenten im Land – Allianz Global Investors, Deka und Union Investment – gewannen laut Morningstar im gesamten ersten Halbjahr in ihren Privatanlegerfonds in Europa netto neues Anlegerkapital.

Die DWS zog vor allem bei Indexfonds Geld an, im zweiten Quartal netto knapp drei Milliarden Euro. Das zeige, dass der Margendruck noch zunehme, sagt Fondsmanager Christian von Engelbrechten von Fidelity. Die DWS erklärt die massiven Abflüsse mit „Marktvolatilität und der US-Steuerreform“. Grund dafür, dass Anleihefonds netto fünf Milliarden Euro verloren, ist laut DWS der Umstand, dass Großanleger und Versicherer Kapital zurückzogen.

Schon das erste Quartal war enttäuschend. Im gesamten Halbjahr flossen knapp 13 Milliarden Euro Kapital ab.

Finanzchefin Claire Peel dämpfte daher die Erwartungen: „Angesichts der Volatilität und der Stimmung am Kapitalmarkt ist es unwahrscheinlich, dass wir unser Jahresziel 2018 beim Nettomittelaufkommen erreichen werden“, erklärte sie. Am mittelfristigen Vorhaben, drei bis fünf Prozent ihres verwalteten Vermögens an neuem Geld einzusammeln, halte man fest.

Investoren bezweifeln, dass das Haus die Ziele erreichen kann – was vor allem angelsächsische Anleger verärgere, wie es heißt. Moreau betonte, dass es länger dauere, Mandate von Großanlegern zu gewinnen, er aber großes Vertrauen in die diversifizierte Produktpalette der DWS habe. Auch die Kooperation mit dem strategischen Investor Nippon Life dürfte künftig das Geschäft in Asien stärken.

Das verwaltete Vermögen der DWS legte im zweiten Quartal dennoch gegenüber Ende März um gut drei Prozent auf 687 Milliarden Euro zu. Dafür sorgen laut DWS Wechselkursgewinne aufgrund des wieder stärkeren Dollars, die Integration des Fondsvermögens der zerschlagenen Deutsche-Bank-Tochter Sal. Oppenheim in die DWS und Kursgewinne bei Wertpapieren.

Sinkende Margen

Der harte Konkurrenzkampf und die beliebten Billigfonds ETFs belasten die Margen: Bei Managementgebühren sank sie im zweiten Quartal auf 30,7 Basispunkte, liegt damit 0,3 Basispunkte niedriger als im Vorquartal. Unter anderem dank Einsparungen konnte die DWS den bereinigten Vorsteuergewinn gegenüber dem ersten Quartal um sieben Prozent auf 149 Millionen Euro steigern.

Die bereinigten Erträge legten um drei Prozent auf 576 Millionen Euro zu. Im Vergleich zum Vorjahresquartal sanken sie allerdings um 97 Millionen Euro, der Vorsteuergewinn um 99 Millionen Euro. Die DWS betont, dass sich diese Ergebnisse nicht vergleichen ließen, da bestimmte Einheiten zwischen dem Mutterkonzern und der Fondstochter verschoben worden seien und daher Kosten anders kalkuliert würden.

Ein Investor meint zu erkennen, dass die Managementgebühren und auch die von den Fondsrenditen abhängigen Gebühren gesunken seien. Bei den Kosten berichtete Finanzchefin Peel von Sparfortschritten, etwa durch die Auslagerung der technischen Fondsverwaltung. 20 bis 30 Prozent des Zieles, binnen drei Jahren 25 bis 45 Millionen Euro Kosten einzusparen, würden 2018 erreicht, betonte sie.

Bisher schlägt sich das allerdings nicht in einer klar niedrigeren Kosten-Ertrags-Quote nieder, zumal Umbau- und Regulierungskosten dagegenstehen. Die Quote liegt mit 74,1 Prozent deutlich über der der Konkurrenz und weit vom eigenen Ziel von unter 65 Prozent entfernt. Es werde sich zeigen, wie viel von den geplanten Senkungen bei den Bruttokosten im Nettoergebnis ankomme, meint von Engelbrechten.

„Die schwachen Zahlen dokumentieren im Nachhinein, dass die DWS zu einem zu hohen Preis an die Börse gegangen ist“, regt sich ein Großinvestor auf. Die Deutsche Bank hatte die DWS Ende März an die Börse gebracht und dabei mit rund 1,3 Milliarden Euro weniger als erhofft eingesammelt. Der Kurs der Aktie hat bisher enttäuscht und ist gegenüber dem Ausgabekurs von 32,50 Euro über 15 Prozent gefallen.

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