Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Deutsche-Bank-Fondstochter DWS setzt auf Pathos und Kostendisziplin – doch die Zukunft ist ungeklärt

Auf der Hauptversammlung der Fondstochter der Deutschen Bank spricht DWS-Chef Wöhrmann viel über Kostensenkung. Beim Thema Fusion bleibt er aber vage.
Update: 05.06.2019 - 18:58 Uhr Kommentieren
Hauptversammlung der DWS: Pathos und Kostendisziplin Quelle: Reuters
DWS

Die DWS war im März 2018 an die Börse gegangen, rund vier Fünftel der Anteile gehören immer noch der Deutschen Bank.

(Foto: Reuters)

FrankfurtWer je eine Hauptversammlung der Deutschen Bank besucht hat, muss von einem Aktionärstreffen der Fondstochter DWS enttäuscht sein: Weder Buhrufe noch Zwischenapplaus unterbrechen die Reden von Aufsichtsratschef Karl von Rohr oder Vorstandschef Asoka Wöhrmann. Selbst als Wöhrmann, dessen Stimme vor Stolz zu vibrieren scheint, über die „hochmotivierte“ DWS-Mannschaft spricht oder über eine Dividende von 1,37 Euro je Aktie, bleibt es im Saal ruhig.

Rund 260 Menschen haben sich in einem Saal des Congress Centers an der Frankfurter Messe versammelt, gestärkt von Croissants und Laugenbrezeln. Sie repräsentieren gut 93 Prozent des DWS-Kapitals – und verhalten sich in erster Linie abwartend.

Diese hohe Präsenz ist vor allem der Aktionärsstruktur geschuldet: Knapp 80 Prozent hält die Deutsche Bank, fünf Prozent der japanische Versicherer Nippon Life, drei Prozent der französische Asset-Manager Tikehau, der Rest ist Streubesitz.

Dennoch ist die stoische Ruhe der Aktionäre nicht selbstverständlich. Seit dem Börsengang war schließlich einiges los. Dazu gehört, dass der Manager, der die DWS erst im vergangenen März an die Börse gebracht hatte, der Franzose Nicolas Moreau, längst Geschichte ist.

Nach dem Debüt auf dem Parkett ging es mit dem Kurs erst einmal abwärts, Kunden zogen Vermögen ab. „Das hat uns allen wehgetan und war dann im Herbst 2018 auch ausschlaggebend dafür, dass wir an der Spitze der DWS einen Wechsel vollzogen haben“, sagt Aufsichtsratschef von Rohr. Im Oktober musste Moreau das Feld räumen, Wöhrmann übernahm.

In dem kleinen Einspielfilm zu Beginn des Aktionärstreffens spielt Moreau schon keine Rolle mehr: Bei den Bewegtbildern zum Börsengang sieht man nur Finanzchefin Claire Peel im Beisein von Börsen-Chef Theo Weimer die Glocke schwingen. Einstellungen, auf denen auch Moreau zu sehen sind, fehlen.

Entsprechend kritisch fällt das Resümee von Rechtsanwalt Aljoscha Sturmfels von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) aus: „Die Feierlaune ist verloren, der Knall der Sektkorken verstummt, es herrscht Katerstimmung: Die Zahlen sind durchwachsen, Gewinn und Netto-Cashflow sanken deutlich, das Ergebnis je Aktie ebenfalls“, sagt er. Und er will wissen, ob die erfreuliche Ausschüttungsquote ähnlich hoch ausgefallen wäre, wenn die Deutsche Bank kein Geld bräuchte.

Wöhrmann lauscht den Redebeiträgen hochangespannt. Das steht ihm ins Gesicht geschrieben – es wird etwas spitz. Von der Euphorie der ersten Momente des Aktionärstreffens ist nicht mehr viel übrig. Da hatte Wöhrmann seine Rückkehr zur DWS als „ein Nachhausekommen“ beschrieben. Den Börsengang lobte er als „unglaublich wichtigen Schritt“, die „hochmotivierte“ Belegschaft als „große Stärke“ der DWS.

Die wohl brennendste Frage für viele Aktionäre lautet: Wie geht es mit der Fondsgesellschaft weiter? „Quo vadis, DWS?“, fragt Aktionärsvertreter Sturmfels. „Verkommt die DWS zu einem Juniorpartner großer europäischer Player, ohne ihre Stärke ausspielen zu können?“ Der Aktienkurs sei zuletzt vor allem wegen der Übernahmespekulationen geklettert.

Die Deutsche Bank und die UBS haben ausgelotet, ob sie die DWS und die Fondssparte der Schweizer Großbank in einem Gemeinschaftsunternehmen fusionieren können. Auch andere große Vermögensverwalter wie Amundi äußerten grundsätzlich Interesse an einem Zukauf.

Immer wieder gibt es Spekulationen, die Deutsche Bank könnte ihren DWS-Anteil verkaufen, um den Umbau ihrer Investmentbank zu finanzieren. Auch mehrere Treueschwüre des Mutterkonzerns können diese Spekulation nicht gänzlich ausräumen.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing will die DWS weltweit unter den Top Ten sehen. Doch dafür müsste das Haus das gemanagte Vermögen auf 1,4 Billionen Euro verdoppeln. Das geht fast nur durch eine Fusion, auch wenn Wöhrmann betont, es sei klare Priorität, „organisches Wachstum zu erreichen“. Am Rande der Hauptversammlung räumt auch der DWS-Chef ein, dass sein Haus noch nicht die kritische Masse erreicht hat.

Was das alles für die DWS bedeuten kann, dazu sagen Wöhrmann und von Rohr wenig. „Die Börsennotierung gibt der DWS auch mehr Spielraum, um eine aktivere Rolle in der Konsolidierung der Vermögensverwaltungsbranche einzunehmen, wenn sich Gelegenheiten dazu bieten“, sagt von Rohr. Die DWS wolle eine aktive Rolle in der Konsolidierung der Branche spielen, betont Wöhrmann.

Eigene Prioritäten

Wie mehr Erfolg jenseits möglicher Fusionen erzielt werden soll, skizziert Wöhrmann: Vor allem die Kosten sollen weiter sinken. Kostendisziplin sei 2018 ein wichtiger Hebel für die DWS gewesen – „und sie bleibt es auch 2019“, sagt er. Bei den beim Börsengang 2018 genannten Zielen setzt er eigene Prioritäten.

Die bereinigte Aufwand-Ertrag-Relation soll mittelfristig unter 65 Prozent sinken. „Das wird künftig höchste Priorität haben!“, ruft er in den Saal. Dafür relativiert er das Ziel, beim Nettomittelaufkommen „mittelfristig“ drei bis fünf Prozent Wachstum gemessen am gemanagten Vermögen pro Jahr zu erzielen.

Das Ziel, eine recht hohe Netto-Managementgebührenmarge von 0,3 Prozentpunkten auf das verwaltete Vermögen zu erzielen, hatte die DWS bereits zu den Quartalszielen eingemottet. Die Strategie ist nicht allen Aktionären geheuer. Das Ziel, im Schnitt 20 bis 30 Milliarden Euro im Jahr einzusammeln, sei „ganz schön viel“, sagt Andreas Schmidt von der Schutzgemeinschaft der Aktionäre.

Aus seiner Sicht ist die DWS dazu nicht klar genug positioniert: „Konkurrenten positionieren sich stärker auf Nachhaltigkeit, andere auf China. Sie scheinen alles zu machen. Mehrwert für Kunden, den Sie ankündigen, ist Standard, reicht aber nicht aus.“

Ein anderer Aktionär appelliert an die Deutsche Bank: „Geben Sie der DWS den Freiraum, den sie braucht, um bessere Zahlen zu liefern“, sagt er – und erntet den ersten Zwischenapplaus der Veranstaltung. Sehr rebellisch ist die Stimmung aber nicht. Am Ende winken auch die unabhängigen DWS-Aktionäre mit sozialistischen Mehrheiten alle Tagesordnungspunkte durch. Davon kann die Konzernmutter nur träumen.

Mehr: Die europäischen Vermögensverwalter stehen vor einem Konzentrationsprozess. Lesen Sie hier, warum die warum die Vermögensverwalter unter Zugzwang stehen.

Startseite

Mehr zu: Deutsche-Bank-Fondstochter - DWS setzt auf Pathos und Kostendisziplin – doch die Zukunft ist ungeklärt

0 Kommentare zu "Deutsche-Bank-Fondstochter : DWS setzt auf Pathos und Kostendisziplin – doch die Zukunft ist ungeklärt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote