Deutsche-Bank-Großaktionär US-Regierung will offenbar HNA-Investitionen blockieren

Die vierte HNA-Tochter setzt innerhalb von zehn Tagen den Aktienhandel aus. Außerdem fordert die US-Regierung den chinesischen Mischkonzern zu mehr Transparenz auf. Andernfalls sollen Investitionsvorhaben blockiert werden, heißt es.
Update: 19.01.2018 - 14:17 Uhr Kommentieren
Deutsche Bank: USA wollen offenbar HNA-Investitionen blockieren Quelle: Reuters
Mischkonzern HNA

Noch immer herrscht große Unklarheit über die Aktionärsstruktur des Deutsche-Bank-Aktionärs.

(Foto: Reuters)

Peking/New YorkDie US-Regierung fordert einem Insider zufolge den chinesischen Mischkonzern und Deutsche-Bank-Großaktionär HNA zu mehr Transparenz auf. Solange die Asiaten nicht Informationen über ihre Aktionäre vorlegten, werde Washington keine Investitionen der HNA genehmigen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Sollten die US-Behörden tatsächlich eingreifen, wären die Investments der HNA beim US-Hedgefonds SkyBridge Capital LLC und dem in der Schweiz ansässigen Rohstoffhändler Glencore in Gefahr. Beide Deals werden derzeit von US-Behörden geprüft. SkyBridge und Glencore wollten sich zu dem Thema nicht äußern, bei HNA war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Ende November hatte HNA wegen falscher und unvollständiger Angaben beim Kauf der Schweizer Flug-Cateringfirma Gategroup die Aufmerksamkeit der Schweizer Aufsichtsbehörde auf sich gezogen; im Dezember blockierte Neuseeland die Übernahme einer Tochter der Großbank Australia and New Zealand Banking Group.

Am Freitag setzte außerdem das vierte HNA-Tochterunternehmen, der Reiseveranstalter HNA-Caissa Travel Group, innerhalb von zehn Tagen den Wertpapierhandel an der Börse aus. Hainan Airlines und Tianjin Tianhai Capital waren die ersten beiden, Bohai Capital folgte Mitte dieser Woche. Die Begründungen reichten von „großen Veränderungen“, die anstünden, bis zu „wichtigen Restrukturierungsmaßnahmen der Anlagen“.

Außerdem will sich das Unternehmen von seinem Mehrheitsanteil an der spanischen NH Hotel Group trennen, teilte es am Freitag mit. Mehrere Banken seien damit beauftragt worden, nach Interessenten für die Hotelkette zu suchen. Die Beteiligung von 29,5 Prozent wird nach aktuellen Preisen mit rund 632 Millionen Euro bewertet.

Mehrere Nachrichtenagenturen berichteten zudem, dass HNA-Geschäftsführer Adam Tan seine Teilnahme am Weltwirtschaftsforum, der nächste Woche in Davos stattfindet, abgesagt habe. Ein Grund dafür wurde nicht genannt. Die chinesische Delegation besteht bisher aus Staatspräsident Xi Jinping, dem Vorsitzenden des E-Kommerz-Riesen Alibaba, Jack Ma, dem Präsidenten des Internet-Riesen Baidu, Zhang Yaqin, und dem Vorsitzenden des Autoherstellers Guangzhou Automobile Gruppe, Zeng Qinghong.

Am Donnerstag sagte der HNA-Vorsitzende Chen Feng in einem Interview mit Reuters, dass die Unternehmensgruppe ihre Probleme schrittweise lösen werde und man die Unterstützung der Banken und anderer Finanzinstitute habe. 2018 plane man „effizienter“ zu werden.

Der chinesische Konzern sieht sich immer größerem Druck von sowohl staatlicher wie auch finanzieller Seite ausgesetzt: Im Sommer kritisierte die chinesische Regierung heimische Unternehmen für ihre Einkaufstouren im Ausland und nannte unter anderem auch die schuldenfinanzierten Akquisen der HNA als Negativbeispiel. Der Mischkonzern hatte in den drei Jahren zuvor Anlagen im Wert von circa 40 Milliarden US-Dollar außerhalb Chinas aufgekauft. Zum Jahresende 2017 gab es immer mehr Meldungen über Liquiditätsengpässe, ausstehende Rückzahlungen und eingefrorene Kreditlinien.

Über die österreichische Vermögensverwaltung C-Quadrat ist HNA mit 9,9 Prozent an der Deutschen Bank beteiligt. Die Probleme befeuerten zuletzt Spekulationen, dass die Chinesen ihren Deutsche-Bank-Anteil versilbern könnten. Doch HNA wies dies zurück. „Die Deutsche Bank ist ein Kerninvestment für HNA, die Beteiligung hat einen hohen Prestige-Faktor“, hatte der Vertreter von HNA im Aufsichtsrat, Alexander Schütz, Ende Dezember im Handelsblatt-Interview gesagt. HNA habe kein Interesse an einem Verkauf.

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