Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Deutsche-Bank-Hauptversammlung Glatter Durchmarsch für Paul Achleitner

Seite 3 von 4:
Aktionäre müssen den Gürtel enger schnallen

+++Attac demonstriert vor der Messefesthalle+++

Vor der Frankfurter Messefesthalle demonstrieren Aktivisten der globalisierungskritischen Organisation Attac. Sie liegen in Smokings unter Plastikpalmen und fächeln sich mit 50-Euro-Scheinen Luft zu. Die Scheine stopfen sie in den schwarzen Schlund eines Pappmonsters mit scharfen Zähnen. Über ihnen prangt die Aufschrift „Kulturwandel geht anders: Dunkle Geschäfte stoppen. Deutsche Bank raus aus Steueroasen!“ Eine klare Anspielung auf Cryans vollmundige Behauptung, die Deutsche Bank habe eine völlig neue Führungskultur etabliert. Bodenständigkeit statt Arroganz, Kundenorientierung statt Zockermanier. Die Attac-Demonstranten rufen in ihr Mikro, es habe sich rein gar nichts geändert: Die Deutsche Bank verlagere nach wie vor Geschäfte in Steueroasen und entziehe der Allgemeinheit Geld.

Gute Banken, schlechte Banken
Frankfurt am Main: neben London wichtiger Finanzplatz
1 von 12

Europas Banken stecken in der Krise. Doch ein genauer Blick auf die Kennzahlen zeigt: Das gilt nicht für alle Institute. Im Vergleich von Nettogewinn, Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalquote schneiden einige Institute deutlich besser ab als andere.

Besonders interessant ist dabei das Verhältnis zwischen Kurs und Buchwert pro Aktie (KBV). Der Wert offenbart, inwieweit der Börsenwert einer Bank mit den Aktiva, also den Werten in den Büchern der Bank, übereinstimmt. Bis auf drei Banken liegt das KBV bei allen Geldhäusern unter 1, drastisch fällt dieser Wert bei der Deutschen Bank aus. Ein KBV unter 1 bedeutet, dass sich die Aktionäre entweder von einer Zerschlagung der Bank mehr Geld versprechen würden als von der Fortführung des Geschäfts, – oder, dass sie den Qualitäten der Bilanzen, also der verzeichneten Aktiva, nicht vertrauen. Im Folgenden werden die Kennzahlen für die wichtigsten europäischen Banken dargestellt, sortiert nach den Nettogewinnen im 2. Quartal 2017. Aktienkurse vom 3. August 2017

(Foto: dpa)
Platz 10: Commerzbank
2 von 12

Nettoverlust: 643 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: –3,1 Prozent

Eigenkapitalquote: 13 Prozent

KBV (Aktienkurs vom Stichtag/Buchwert pro Aktie): 0,50

(Quelle: Bloomberg)

(Foto: Reuters)
Platz 11: Barclays
3 von 12

Nettoverlust: 1.440 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: –4,6 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,1 Prozent

KBV: 0,63

(Foto: Reuters)
Platz 7: RBS
4 von 12

Nettogewinn: 791 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 5,6 Prozent

Eigenkapitalquote: 14,8 Prozent

KBV: 0,66

(Foto: Reuters)
Platz 9: Credit Suisse
5 von 12

Nettogewinn: 280 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 4,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,3 Prozent

KBV: 0,88

(Foto: Reuters)
Platz 8: Deutsche Bank
6 von 12

Nettogewinn: 447 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 3,2 Prozent

Eigenkapitalquote: 14,1 Prozent

KBV: 0,48

(Foto: dpa)
Platz 5: Société Générale
7 von 12

Nettogewinn: 1.058 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 9,5 Prozent

Eigenkapitalquote: 11,7 Prozent

KBV: 0,65

(Foto: Reuters)

Ein paar Meter weiter stehen die "Ordensleute für den Frieden" mit Transparenten, auf denen „Diese Wirtschaft tötet“ oder „Der Kapitalismus geht über Leichen“ steht. „Wir demonstrieren seit 25 Jahren gegen die Deutsche Bank“, sagt ein Aktivist. „Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, weil die Reichen ihre Gewinne ins Ausland retten und keine Steuern zahlen.“ Die Deutsche Bank stehe für alles, was in diesem Wirtschaftssystem schief laufe.

+++Unsere Handelsblatt-Korrespondenten auf Twitter+++

Die Handelsblatt-Korrespondenten Yasmin Osman, Daniel Schäfer und Michael Maisch berichten vor Ort von der Deutsche-Bank-Hauptversammlung. Und haben einige – wenige – Demonstranten gesichtet.

+++Aktionärsberater: Strategische Kehrtwende bei der Postbank-Integration wirft Fragen auf+++

In einer knappen halben Stunde geht es hier in der Festhalle der Frankfurter Messe los. Doch wie immer hat das alljährliche Stelldichein der Aktionäre schon im Vorfeld seine Schatten voraus geworfen. So hat der einflussreiche Investor und Unternehmensschreck Hermes schon einen Tag vorher zur immer noch misslichen Lage der Deutschen Bank Stellung bezogen. Zwar begrüße er den „robusten Fortschritt“ des Managements im vergangenen Jahr, sagte Hans-Christoph Hirt, Manager des britischen Aktionärsberaters.

Aber die strategische Kehrtwende bei der Postbank, die nun doch nicht verkauft sondern in den Konzern integriert werden soll, „wirft Fragen auf über die Fähigkeit der Bank, eingehend durchdachte Strategien zu entwickeln und diese auszuführen“. Er forderte den Vorstand auf, die Postbank rasch zu integrieren und auch die Vermögensverwaltung so schnell wie möglich an die Börse zu bringen.

Aktionäre der Deutschen Bank vor der Messefesthalle in Frankfurt. Protestler erinnern mit einem Hinweis aus der Treppe, dass die Deutsche Bank sie mit sehr vielen Prozesse beschäftigen muss. Quelle: Reuters
Hauptversammlung Deutsche Bank

Aktionäre der Deutschen Bank vor der Messefesthalle in Frankfurt. Protestler erinnern mit einem Hinweis aus der Treppe, dass die Deutsche Bank sie mit sehr vielen Prozesse beschäftigen muss.

(Foto: Reuters)

Hirt ist nicht irgendwer. Der in London lebende Deutsche war vor zwei Jahren einer der Hauptantriebskräfte gegen die Entlastung des damaligen Managements rund um Co-Chef Anshu Jain. Der damalige Vorstand wurde in einem blamablen Abstimmungsergebnis nur zu rund 60 Prozent entlastet und kurz danach trat Jain zurück. Hirt war auch einer der Treiber des Widerstands gegen das Bonussystem der Bank, dass im vergangenen Jahr mehrheitlich bei den Aktionären durchfiel.

Das dürfte dieses Jahr nicht passieren, weil Aufsichtsratschef Paul Achleitner gegengesteuert und das Prämiensystem reformiert hat. „Wir werden das neue Vergütungssystem unterstützen,“ sagte denn auch Hirt.

+++Auch Aktionäre müssen den Gürtel enger schnallen – keine Gratis-Fahrt mit öffentlichem Nahverkehr+++

Der Sparwille der Deutschen Bank macht vor nichts und niemandem Halt, wie es scheint: Erst strich der Vorstand sich den eigenen Bonus, dann den Großteil der Boni für die Mitarbeiter – und nun sind auch die Aktionäre dran. Anders als in früheren Jahren gilt die Einladung zur Hauptversammlung nicht mehr als Fahrkarte für den Öffentlichen Nahverkehr. „Die Deutsche Bank hat sich ehrgeizige Kostenziele gesetzt, die alle Bereiche der Bank und leider auch die Hauptversammlung betreffen“, steht in der Einladung an die Aktionäre. Und dann in Deutsche-Bank-blauer Schrift: „Wir bitten um Ihr Verständnis, dass die Anreise zur Hauptversammlung in diesem Jahr auf eigene Kosten erfolgt. Das Parkhaus Rebstock ist nicht geöffnet.“ Man darf gespannt sein, wie diese Sparmaßnahme bei den Aktionären ankommt.

Der kritische Deutsche-Bank-Aktionär Michael Bohndorf will das auf der Hauptversammlung nicht unkommentiert lassen und Kostenerstattung beantragen, wie er dem Handelsblatt sagte. Eine Anfahrt aus der Umgebung von Frankfurt koste 9,50 Euro, rechnet er vor. Ein Parkplatz für Auswärtige 25 Euro. „Ist die Deutsche Bank schon so pleite, dass sie sich wie eine Billig-Airline benimmt“, fragt er.
Wir wollen an dieser Stelle fairerweise gegenrechnen, dass es dafür ja in diesem Jahr überraschend wieder eine Dividende von 19 Cent pro Aktie für die Aktionäre geben soll. Wer nur genug Aktien besitzt, kann über die Dividende also wieder einen Teil der dieses Jahr anfallenden Fahrtkosten wieder hereinholen. Bei einer Stadtfahrt in Frankfurt fallen hin und zurück 5,80 Euro für ein U-Bahn-Ticket an. Ab 31 Deutsche-Bank-Aktien gleicht das die Dividende wieder aus. 16,70 Euro für die S-Bahn von und nach Wiesbaden? Bei 88 Aktien kein Thema. Und der 25-Euro-Parkplatz? Mit 132 Aktien ist man wieder im grünen Bereich.

+++Kurs der der Aktie erholt sich leicht+++

Ein schlechtes Omen für die heutige Hauptversammlung war der Kursverfall der Aktie am gestrigen Handelstag. Das Papier ging am Mittwoch mit einem Minus von 3,5 Prozent aus dem Handel. Doch zur heutigen Börseneröffnung liegt der Titel mit 0,5 Prozent im Plus bei 19,93 Euro.

+++Hauptversammlungen mit Unterhaltungswert+++

Hauptversammlungen der Deutschen Bank hatten schon immer einen hohen Unterhaltungswert – zumindest für den unbeteiligten Beobachter. Dieses Jahr hoffen Vorstand und Aufsichtsrat nach leidvollen Erfahrungen auf ein bisschen mehr Ruhe. Aber diese Erwartungen könnten enttäuscht werden. Denn auch 2017 gibt es jede Menge Konfliktstoff, die den Neuanfang verderben könnte.
Mittlerweile haben sich die Aktionäre wohl oder übel daran gewöhnt, dass ihnen die Deutsche Bank sehr viel Geduld abverlangt und jede Menge Nerven kostet. Immerhin sackte der Kurs in der Vertrauenskrise im vergangenen Herbst auf ein Rekordtief von unter zehn Euro. Vor ein paar Wochen musste die Bank dann die Investoren via Kapitalerhöhung noch einmal um acht Milliarden Euro frisches Geld bitten. Einen Großteil des Unwillens der Aktionäre wird wohl Aufsichtsratschef Paul Achleitner auf sich ziehen, der sich für eine zweite Amtszeit zur Abstimmung stellt.

Wie viele Stimmen wird Achleitner erhalten?
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Deutsche-Bank-Hauptversammlung - Glatter Durchmarsch für Paul Achleitner

5 Kommentare zu "Deutsche-Bank-Hauptversammlung: Glatter Durchmarsch für Paul Achleitner"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ups, Richtiger Kommentar im falschen Artikel-- sorry!

  • "CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sprach sich jetzt einem Medienbericht zufolge für einen Verbleib der deutschen Soldaten am türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik aus. Abgeordnete müssten den Stützpunkt „nicht zwingend“ besuchen dürfen, sagte Kiesewetter der „Deutschen Welle“."

    Aha, die ersten Politiker üben schon den Kotau vor dem kleinen Sultan - um des lieben Friedens willen. Armes Deutschland.

  • Die Deutsche Bank ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wohin die Geldgier von Spitzenmanagern führt!

    Eine ehemals grundsolide Bank wurde durch "Spielereien" nahezu ruiniert! Die für den Absturz verantwortlichen Spitzenmanager haben sich auf Kosten der Eigentümer (=Aktionäre) persönlich daran bereichert, ohne dabei zu vergessen, sich auch juristisch abzusichern.

    Es wird Zeit, dass die Eigentümer (=Aktionäre) mehr Einfluß bekommen, nicht nur auf die Gehälter, Boni, Pensionszusagen und sonstigen geldwerten Vorteile der Manager, sondern auch auf die Geschäftspraktiken.

  • Ich kann es kaum glauben!

    Sollte man in den Vorstandsetagen des Hauses tatsächlich festgestellt haben, daß, wenn nichts erwirtschaftet wurde, es auch nichts zu verteilen gibt? Damit hätte dann ein ganz neues Zeitalter begonnen.



    :)

  • "++Auch Aktionäre müssen den Gürtel enger schnallen – keine Gratis-Fahrt mit öffentlichem Nahverkehr+++"


    Der Deutschen Bank muß es richtig schlechtgehen. Es wird Zeit, sich von deren Aktien zu trennen.

    Sollen sich doch die Scheichs und Chinesen sich finanziell eine blutige Nase holen.

Serviceangebote