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Deutsche Bank Hedgefonds-Abzug steigert den Druck

Die Nachricht über den Abzug von Geschäft durch Hedgefonds sorgt für Nervosität. Doch Panik wäre eine emotionale Reaktion. Was enthüllt ein nüchterner Blick aufs Geschäftsmodell der Deutschen Bank?
Update: 30.09.2016 - 00:49 Uhr
Druckt steigt, Aktienkurs fällt: Abermals hat ein Medienbericht die Deutsche Bank in Schwierigkeiten gebracht. Quelle: AP
Deutsche Bank

Druckt steigt, Aktienkurs fällt: Abermals hat ein Medienbericht die Deutsche Bank in Schwierigkeiten gebracht.

(Foto: AP)

New YorkWenn der Ruf einer Bank erstmal angekratzt ist, lassen selbst kleine Anlässe die Nervosität hochkochen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg brachte mit einer Meldung über den Abzug von Kundengeld den Kurs der Deutschen Bank im New Yorker Handel schwer unter Druck. Das beeinflusste sogar die gesamte Börsentendenz an der Wall Street.

Offenbar haben rund zehn Hedgefonds entschieden, ihr Derivate-Geschäft mit der Deutschen Bank einzuschränken, darunter Millennium Partners, Rokos Capital Management und Capula Investment. Die Mehrzahl der rund 200 Kunden in dem Bereich bleibt allerdings bei der Stange. Sie nutzen die Bank als Clearing-Haus für ihre Derivate-Geschäfte – also letztlich zur Abwicklung von Käufen und Verkäufen.

Ein Sprecher der Bank sagte gegenüber Bloomberg, er vertraue darauf, dass die „große Mehrheit“ der Kunden „in vollem Umfang“ verstehe, wie „stabil die finanzielle Position“ der Bank sei. Zu einer weitergehenden Stellungnahme war niemand zu erreichen.

Dass die Nachricht so hohe Wellen schlug, ist verständlich. Wenn Bank-Kunden ihr Risiko reduzieren, wollen sie sich damit für den Fall absichern, dass die Bank in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Sobald derartiges Verhalten um sich greift, kann es sich wie eine Panik ausbreiten und damit selbst Geldhäuser unter Druck bringen, deren Finanzen eigentlich in Ordnung sind. Daher ruft die Nachricht ungute Erinnerungen an die letzte Finanzkrise wach, auch wenn entsprechende Befürchtungen wahrscheinlich weit übertrieben sind.

Mit schlechten Nachrichten Geld verdienen

Die Bank ist seit Monaten ins Visier von Hedgefonds geraten, die auf den Verfall der Aktie setzen und damit an jeder schlechten Nachricht verdienen. Und schlechte Nachrichten gab es genug.

Die US-Behörden verlangen 14 Milliarden Dollar Bußgeld für Verfehlungen der Bank aus der Zeit der Finanzkrise. Der Betrag ist nicht mehr weit von der derzeitigen Börsenbewertung entfernt. Die Bank hat deutlich gemacht, dass sie diese Summe nicht zahlen will und hofft, sie weit herunterhandeln zu können. Allerdings ist nicht ganz klar, welche Argumente das bewirken sollen.

Wenig hilfreich war in den letzten Tagen auch eine öffentliche Diskussion darüber, ob im schlimmsten Fall die Bundesregierung die Bank unterstützten würde. Bank-Chef John Cryan behauptete tapfer, das sei kein Thema für ihn. Für die Märkte war es aber durchaus ein Thema.

Deutsche Bank - Ein Fall für Staatshilfen?

Die Regierung streitet ab, über einen Notfallplan nachzudenken. Das schafft zusätzliche Verunsicherung. Auf der anderen Seite hätte die Aussage, man arbeite bereits an einem derartigen Plan, die Panik wahrscheinlich noch vergrößert, daher ist allen Aussagen zu dem Thema nur bedingt Bedeutung zuzumessen.

Probleme an vielen Fronten

Die Aktie der Bank befindet sich seit Wochen fast im freien Fall, weil Investoren damit rechnen, dass Cryan sich mit einer gewaltigen Kapitalhöhung Geld beschaffen muss, um seine Finanzreserven aufzustocken. Beim Stresstest der Europäischen Zentralbank, einer Simulation von Krisen-Szenarien, hat sein Geldhaus verhältnismäßig schlecht abgeschnitten. Cryan bestreitet die Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung. Damit wachsen aber die Befürchtungen, dass er sich zu spät dazu entscheidet und dann den Kurs umso mehr unter Druck bringt.

Außer einer schwachen Ertragslage und einer relativ dünnen Kapitaldecke gibt es keine akuten Anzeichen dafür, dass die Bank in ernsten Schwierigkeiten steckt, so lange sie die Forderungen der US-Behörden auf ein erträgliches Maß herunterhandeln kann.

In den USA dürfte auch niemand ein Interesse haben, die Bank aus der Bahn zu werfen, weil die Rückwirkungen auf das gesamte Finanzsystem verheerend wären. Denn die Deutsche Bank ist weltweit in vielfältiger Weise finanziell vernetzt und daher in hohem Maße wichtig für die Stabilität des Finanzsystems.

Das Geschäftsmodell der Deutschen Bank ist seit langem problematisch, was aber Jahre lang wenig gestört hat, nachdem das Geldhaus vergleichsweise gut durch die Finanzkrise gekommen war. Die Bank ist relativ stark im risikoreichen, internationalen Investmentbanking aktiv und hat eine vergleichsweise dünne Basis im heimischen kommerziellen Bankgeschäft, wo die Konkurrenz, unter anderem durch die Sparkassen, sehr groß ist.

In den USA mischt die Deutsche Bank in einigen Bereichen des Investmentbanking sehr erfolgreich mit, hat aber auch dort keine Kundenbasis, die mit dem soliden Stamm der amerikanischen Häuser vergleichbar wäre. Hinzu kommen hausgemachte Probleme.

Die Kosten sind seit langem hartnäckig zu hoch, die Risikokontrolle war lange Zeit den hochgesteckten Gewinnzielen untergeordnet, die Modernisierung der Technik kam zu spät. Cryan, seit rund fünf Quartalen im Amt, kämpft daher an allen Fronten zugleich.

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