Deutsche Bank John Cryans Durchhalteparole

Es ist ein Novum – Deutschlands mächtigstes Geldhaus versichert Investoren, seine Schulden bezahlen zu können. Jetzt wendet sich John Cryan in einer Botschaft an seine Mitarbeiter. Die Bank sei „absolut grundsolide.“
Update: 09.02.2016 - 13:46 Uhr 15 Kommentare
John Cryan musste Ende Januar einen Rekordverlust verkünden. Jetzt beruhigt die Bank Anleger: Anleihen seien nicht von Zahlungsausfällen gefährdet. Quelle: Reuters
Bankchef unter Druck

John Cryan musste Ende Januar einen Rekordverlust verkünden. Jetzt beruhigt die Bank Anleger: Anleihen seien nicht von Zahlungsausfällen gefährdet.

(Foto: Reuters)

Frankfurt am MainNach dem Kursrutsch liegen die Nerven bei der Deutschen Bank offenbar blank. Am Dienstagvormittag wendete sich John Cryan in einer Botschaft an seine Mitarbeiter. Das Schreiben liest sich wie eine Durchhalteparole. Darin heißt es: „Die Deutsche Bank ist angesichts ihrer Kapitalstärke und ihrer Risikoposition absolut grundsolide.“ Sorgen darüber, ob die Rückstellungen der Bank für Rechtsstreitigkeiten nicht ausreichen, seien unbegründet.

Cryan gibt sich in dem Schreiben kämpferisch: „Wir möchten in Deutschland über alle Kundensegmente hinweg der am meisten angesehene Finanzdienstleister sein.“

Am Dienstagmorgen starteten die Aktien des größten heimischen Geldhauses mit Kursgewinnen von 1,8 Prozent in den Handel. Zu Wochenbeginn – im Zuge eines allgemeinen Ausverkaufs bei Finanztiteln – waren die Papiere regelrecht abgestürzt und hatte zeitweise fast zwölf Prozent verloren. Am Ende schloss die Aktie 9,5 Prozent tiefer bei 13,82 Euro. So schwach hat das Papier einen Börsentag noch nie beendet. „Die Investoren haben komplett den Glauben an die Bank verloren“, fasste es ein Großaktionär des Instituts zusammen.

Das zeigt die ungewöhnliche Maßnahme, zu der sich der Vorstand von Deutschlands größtem Geldhaus am Montagabend durchrang. In einer Pflichtmitteilung versicherte das Institut, dass es genug Geld habe, um neuartige Anleihen (Contingent Convertible Bonds, „CoCos“) zu bedienen, die erst 2014 im Volumen von rund fünf Milliarden Euro ausgegeben wurden. Dieses Jahr steht eine Zinszahlung von rund 350 Millionen Euro an – und nach Konzernangaben steckt etwa eine Milliarde Euro in der Kasse dafür. 2017 liegen die geschätzten Reserven dank erwarteter Sondererlöse demnach sogar bei 4,3 Milliarden Euro – das operative Ergebnis des laufenden Jahres noch gar nicht eingerechnet.

Zu dem Ausverkauf an der Börse zu Wochenbeginn trug auch eine Warnung der Analysten von Creditsights bei. Die zeigten sich zwar zuversichtlich, dass die Deutsche Bank die CoCo-Zinsen für 2016 zahlen kann, 2017 könne das allerdings anders aussehen.

Wie groß die Verunsicherung mittlerweile ist, zeigt sich auch am Markt für Kreditausfallversicherungen. Allein seit Mitte Januar haben sich die Risikoprämien für CDS der Deutschen Bank mehr als verdoppelt. Investoren, die über fünf Jahre Anleihen im Wert von zehn Millionen Euro des Geldhauses absichern wollen, zahlen dafür derzeit jährlich 232 000 Euro als Prämie. Anfang des Jahres waren es noch rund 100 000 Euro. Die höchsten Prämien wurden allerdings 2011 fällig. Sie lagen damals bei über 300 000 Euro.

In den düsteren Zeiten der Finanzkrise waren diese Papiere eines der wichtigsten Barometer, um den Stress an den Märkten zu messen. Mit diesen Papieren können sich Anleger gegen den Ausfall von Bonds versichern. Mittlerweile sind die sogenannten Credit Default Swaps (CDS) etwas aus dem Blick geraten, aber seit sich Europas Bankaktien im freien Fall befinden, ändert sich das. Der akute Stress an den Aktienbörsen schlägt inzwischen auch auf die Anleihemärkte und die Credit Default Swaps durch.

Reizender Kupon, riskanter Einsatz
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15 Kommentare zu "Deutsche Bank: John Cryans Durchhalteparole"

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  • @Herrn von Horn

    ich kenne einge ehemalige Mitarbeiter der DB, die da gekündigt haben, weil sie nicht mehr mittragen wollten, was in der "grundsoliden Bank" abläuft.

  • @ Herrn Keizer
    Die Gretchenfrage wird wohl sein, ob die überdimensionierte Rechtsabteilung und die total überdimensionierte Derivateabteilung auch so grundsolide sind, wie die "grundsolide Bank".

  • (...)

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die Bank sei „absolut grundsolide.“ Diese Aussage nach den bekannt gewordenen Fehlverhalten auf vielen Gebieten ist doch wohl etwas "merkwürdig". Wenn aber eine Bank den Investoren versichern muß, dass sie Schulden bezahlen kann, ist das normaler tödlich für eine Bank.

  • Wer ordentlich betruegen will der muss die Politiker bei Laune halten. Deshalb sitzt zum Beispiel Madoff im Knast und Joe Corzine, als grosser Obama Spender, laueft frei herum.

  • In der Tat, "tributäre" Leistungen in Form von Wahlkampfspenden sind weder von VW noch der DB in die entsprechenden Kassen geflossen, also sind diese "Leistungen" in anderer Form zu erbringen.

    Wahrscheinlich eine strategische Fehlentscheidung der DB-Verantwortlichen.

  • Was heisst hier Abzocke der amerikanischen Aufsichtsbehörden?
    (...)
    Die Amis lassen sich von diesen Gaunern nicht auf der Nase rumtanzen, das duerfen nur ihre eigenen Schuetzlinge (Goldman, CITI, BoA) die kraeftig fuer den US-Wahlkampf spenden. Hillary Clinton zum Beispiel hat gerade $675000 fuers Labern von Goldman-Sachs bekommen und die Ehefrau von Ted Cruz ist "managing director" bei Goldman-Sachs. Wer unsere US-Politiker so rundum versorgt der darf in den USA auch richtig betruegen ohen Konsequenzen fuerchten zu muessen. Aber was genau hat die Dt. Bank oder VW den US-Politikern geboten? Genau, NICHTS! Deshalb gibts jetzt auch richtig Aerger.
    (...)
    Fazit, wer als nicht-Wahlspender in den USA beim Betruegen erwischt wird der soll sich warm anziehen, das weiss jedes Kind.
     
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • DEUTSCHE BANK AG\ 09/30/2015 46,613,817 7,224,150 18.34 787,307
    CREDIT AGRICOLE S A 09/30/2015 31,438,697 2,249,667 7.71 531,000
    VANGUARD GROUP INC 09/30/2015 28,497,197 2,314,405 8.84 481,318
    DEKABANK DEUTSCHE GIROZENTRALE 12/31/2015 23,682,135 (7,429,461) (23.88) 399,991
    GOLDMAN SACHS GROUP INC 09/30/2015 20,642,741 2,321,550 12.67 348,656
    COMMERZBANK AKTIENGESELLSCHAFT /FI 12/31/2015 15,203,607 (9,314,080) (37.99) 256,789
    HSBC HOLDINGS PLC 09/30/2015 14,829,139 714,523 5.06 250,464
    JPMORGAN CHASE & CO 09/30/2015 14,310,636 11,008,671 333.40 241,707
    BANK OF AMERICA CORP /DE/ 09/30/2015 13,230,322 3,230,502 32.31 223,460
    CREDIT SUISSE AG/ 09/30/2015 12,882,747 (2,263,177) (14.94) 217,590
    BANK OF NEW YORK MELLON CORP 09/30/2015 8,897,167 (1,377,514) (13.41) 150,273
    SCHRODER INVESTMENT MANAGEMENT GROUP 09/30/2015 8,375,995 2,288,070 37.58 141,471
    OPPENHEIMERFUNDS, INC. 12/31/2015 6,707,208 6,707,208 New 113,285
    ALLIANZ ASSET MANAGEMENT AG 09/30/2015 6,177,434 800,377 14.89 104,337
    MEAG MUNICH ERGO KAPITALANLAGEGESELLSCHAFT MBH 12/31/2015 6,150,306 116,179 1.93 103,879

    Der Steuerzahler sollte in Haftung genommen werden, die oben stehenden Eigentümer können kein Geld mehr nachschießen.

  • Die "Rechtsstreitigkeiten" sprich Abzocke der amerikanischen Aufsichtsbehörden kosten der DB Miliarden. Dass diese Milliarden fällig werden, ist ähnlich den Schlampereien bei VW, auch dem Unvermögen der jeweils verantwortlichen DB-Bankern anzulasten, die mehr als fahrlässig agiert haben.

    Mein Vertauen in die DB tendiert gegen Null. John Crayan ist Befürworter der kompletten Bargeldabschaffung innerhalb der nächsten 10 Jahre.

    Eine Bank ohne Bargeld? Nicht für mich. Es gibt Alternativen zur DB

  • Einfach mal in Google "deutsche bank derivatives exposure 2015" eingeben und schauen was man so alles findet. Zum Beispiel: "... Deutsche Bank is reported to have about a $73 trillion derivatives book ..."
    Also US trillion sind auf Deutsch Billion (10^12).
    Mit den derzeitigen Verwerfungen im internationalen Finanzmarkt ist es durchaus moeglich das sich die Dt. Bank verzockt hat. Auch wenn nur ein kleiner Bruchteil der $73 Billionen bei der Dt. Bank haengen bleibt kann es richtig teuer werden. Der Schaueble soll schon mal das ein oder andere Rettungsbilloenchen zur Seite stellen. Vielleicht kann Deutschland dann auch bei Griechenland fuer einen Kredit betteln gehen, Solidaritaet ist ja schliesslich keine Einbahnstrasse, oder?

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