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Deutsche Bank Oh Schreck, ein Inder!

Der Ex-Chef der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, erklärt die wahre Geschichte über die Ablösung Josef Ackermanns. Und ein Buchautor sieht Paul Achleitner als möglichen Nachfolgekandidaten Ackermanns.
10 Kommentare
Autor Manfred Pohl neben dem ehemaligen Sprecher des Vorstandes der Deutschen Bank, Hilmar Kopper (r). Quelle: dapd

Autor Manfred Pohl neben dem ehemaligen Sprecher des Vorstandes der Deutschen Bank, Hilmar Kopper (r).

(Foto: dapd)

DüsseldorfDer Raum in Stockwerk acht des Zweckbaus in Frankfurt-Sachsenhausen ist kahl: Kein Blumenschmuck, keine Dekoration, Bestuhlung und Stehtische lassen Improvisation erahnen. Kurz vor Mittag tritt Hilmar Kopper, der ehemalige Sprecher und Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, ans Rednerpult. Von da ab wird es bunt.

Kopper soll die Laudatio auf den Ende Mai ausscheidenden Vorstandschef Josef Ackermann halten. Um ihn geht es hier im Haus des „Frankfurter Zukunftsrats“ - genauer gesagt um ein Werk über ihn. „Josef Ackermann — Leistung aus Leidenschaft“ - heißt der etwas anbiedernde Titel einer Biographie, zu deren Ehrung Kopper ansetzt.

Und das geht so: Kopper würdigt den Autor Manfred Pohl als einen, der alles so aufschreibt, „wie es nach außen dargestellt sein sollte.“ Das klingt ein bisschen nach Langeweile und schildert damit genau den Eindruck, der auch beim Leser entsteht. Doch dann gibt Kopper Gas und sagt all das, was der Leser nicht auf den mehr als 200 Seiten findet. Ihn irritiert beispielsweise das „Victory“-Zeichen, das für Ackermann im Mannesmann-Prozess zum medialen Desaster wurde. Unter den Reaktionen habe Ackermann „gelitten“. Diese Aufregung könne nur in Deutschland mit seiner „verrückt spielenden political correctness“ geschehen, sagt Kopper.

Und auch aktuellen Fragen zur Zukunft des größten deutschen Geldhauses mit dem künftigen Duo aus Jürgen Fitschen und Anshu Jain weicht er nicht aus. „Beide können miteinander“, deshalb sei er „ganz gelassen.“

Und weil beide nur drei Jahre parallel arbeiten, sei er ganz sicher, dass es läuft. Doppelspitzen gab es auch früher schon. Wilfried Guth und Wilhelm Christians haben sich in den 70iger Jahren „als zwei Gentlemen wunderbar ergänzt“, das Doppel Christians und Alfred Herrhausen sei dagegen „nicht besonders fruchtbar“ gewesen, erinnert sich Kopper.

Auch Messi verschießt gelegentlich einen Elfmeter

Anshu Jain, einer der neuen Männer an der Deutschen-Bank Spitze. Quelle: Reuters

Anshu Jain, einer der neuen Männer an der Deutschen-Bank Spitze.

(Foto: Reuters)

Früher, und da spricht der Zeitzeuge, seien die Wechsel sowieso viel einfacher gewesen. Da sei der Vorstandssprecher von den Vorstandskollegen gewählt worden und dann wurde der Aufsichtsrat informiert. Basta. Jetzt sei es erstmals Aufgabe des Kontrollgremiums gewesen, „deshalb habe man heute das Getümmel.“ Prompt habe es „gehakt“. Doch sollte die deutsche Befindlichkeit auch einen Inder an der Konzernspitze willkommen heißen. „Oh Schreck, noch schlimmer, ein Inder“ - das sei keine angemessene Reaktion, wenn die Globalisierung Einzug in den Vorstand hält.

Würde Kopper eine Biographie schreiben, sie wäre wohl um einiges spannender als das Buch von Pohl. Der nämlich will sich raushalten. Sein Werk lässt „allen Medienrummel und vor allem die kritische Berichterstattung um die Person Ackermann beiseite“, heißt es im Vorwort. Er wollte „keine weitere journalistische Kritikschrift“, schreibt Pohl, und damit ist der Kern des Problems treffend beschrieben: Das Buch ist eine Lobeshymne, eine Laudatio oder – wie es offiziell eben heißt – eine Würdigung, die mehr als nur einen Kotau vor dem mächtigsten deutschen Bankmanager des vergangenen Jahrzehnts macht.

Manfred Pohl, ehemaliger Haushistoriker der Deutschen Bank und Leiter der Kultur-Aktivitäten des Frankfurter Geldhauses, ist deswegen als Autor der Ackerman-Biographie intern auch nicht unumstritten. Der Verfasser von Firmen-Geschichten wie der "Knorr-Bremse" war mit dem ehemaligen Deutsche-Bank-Kommunikationschef Stefan Baron handelseinig geworden und wollte die Biographie schreiben.

Der holprige Übergang von Ackermann zu seinen Nachfolgern und der offen zu Tage getretene Streit mit Aufsichtsratschef Clemens Börsig ließen in der Kommunikationsabteilung die Lust an dem Projekt allerdings sinken, heißt es. „Wir kochen das ein wenig auf Sparflamme“, sagte ein Beteiligter und begründete damit auch den schmucklosen Mittagstermin in Frankfurt.

Pohl selbst sagte zu seinen Motiven, das Bild Ackermanns entspreche nicht der Wirklichkeit, der Schweizer habe es verdient, eine Würdigung zu bekommen. Ackermann sei der „Lionel Messi der Bankenwelt, aber auch Messi verschießt gelegentlich einen Elfmeter. Dennoch ist er Weltklasse.“

Das Chef-Duo ist nicht Ackermanns Traumkonstellation

Juergen Fitschen, designierter Nachfolger des scheidenden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Quelle: dapd

Juergen Fitschen, designierter Nachfolger des scheidenden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Josef Ackermann.

(Foto: dapd)

Tatsache ist, dass sich Ackermann für seine Regentschaft drei Ziele auf die Fahnen geschrieben hatte: eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent, eine Steigerung des Aktienkurses und gemessen an der Marktkapitalisierung weltweit unter die Top 10 aufzurücken. Keines der drei Ziele konnte er erreichen. Dafür aber hat er in der schlimmsten Finanzkrise seit den 20iger Jahren seine Bank ohne Staatshilfe über Wasser gehalten. Umso tragischer ist sein verpatzter Abgang, das Loslassen von der Macht fiel Ackermann schwer. Sein Wunschkandidat Axel Weber sagte ab, sein Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrats scheiterte und das künftige Duo aus dem Investmentbanker Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen ist nicht Ackermanns Traumkonstellation.

Bei Pohl liest sich das ganz anders. In der Geschichte der Bank habe es immer wieder Nachfolgediskussionen gegeben, „die aber fast ausschließlich auf Spekulationen in der Presse basierten.“ Auch nach der denkwürdigen Aufsichtsratssitzung zur Wahl von Fitschen und Jain sei „alles in bestem Einvernehmen“ gewesen.

Die jetzige Lösung verheiße einen Neustart: Jürgen Fitchen, Anshu Jain und Paul Achleitner versprechen Kompetenz und Zukunftsfestigkeit. „Die Nachfolger – ein starkes Triumvirat“, glaubt der ehemalige Hofhistoriker und schreibt damit immerhin zum ersten Mal auf, dass auch der künftige Aufsichtsratsvorsitzende Achleitner, der vom Versicherer Allianz zur deutschen Bank wechselt, jemand ist, der als legitimer Nachfolger Ackermanns demnächst das Rennen machen könnte.

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10 Kommentare zu "Deutsche Bank: Oh Schreck, ein Inder!"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Achleitner ist ein Goldman Sachs

  • @FlashGordon
    meinen Sie mit der neuen Zeitrechnung die Kursentwicklung der Deutschen Bank Aktie oder was wollen Sie damit sagen.
    Ich hoffe das mit Jünger,huldigen,Godfather war Spaß wenn nicht haben Sie wirklich ein Problem mit der Realität.

  • Guten Tag,... Peanuts. Besten Dank

  • +++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

    (Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion dazu, um über das Thema des Artikels zu diskutieren. Vielen Dank. Die Redaktion)

  • Die SPD ist Curry (= IN DER) Wurst (fakales Ende 3 und 4 derselben) ...

  • Eine neue Zeitrechnung beginnt mit Anshu Superstar und Moneymaker. Deine Jünger huldigen dir, Godfather of Investmentbanking !

  • Wer's nicht kapiert, kapierts halt nicht. Denn infamer kann man Ackermann nicht abohrfeigen unter dem Buchtitel „Josef Ackermann — Leistung aus Leidenschaft“ des Lobhudelbeutels Pohl. Krönung war der Auftritt des würdelosen Greises Kopper in einem ostentativ abgewerteten Ambiente. Wer's nicht kapiert, kapierts halt nicht. Ackermann hat sicher genau verstanden, was Herr Jain ihm damit sagen wollte.

  • Seine Aktionäre hat der Herr Ackermann mehr als schlecht bedient, dafür sich umso mehr! Ich wüsste nicht, warum dazu ein Buch und eine Abschiedsvorstellung gegeben werden muss? An seiner Stelle würde ich mich ins hinterste Engadin verkriechen.

  • vor der Finanzkrise hätte ich als langjähriger Aktionär gejubelt über den Inder als neuen Chef der Deutschen Bank, heute habe ich dabei ein sehr ungutes Gefühl ob das gut geht. Ich erwähne Herrn Fitschen ganz bewußt nicht weil er meiner Menung nach nur die Anstandsdame des Inders ist.
    Herr Ackermann war aus Aktionärssicht die größte Niete mit dem höchsten Gehalt seit Bestehen der Deutschen Bank.

  • „Josef Ackermann — Leistung aus Leidenschaft“

    Da scheint ja wohl ein Tippfehler drinzustecken. Richtig sollte es wohl heißen:
    „Josef Ackermann — Leistung, die Leiden schafft“

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