Deutsche-Bank-Prozess Das lange Warten auf ein Urteil

Das Mammutverfahren gegen ehemalige Topmanager der Deutschen Bank findet am Dienstag noch kein Ende. Trotzdem können die Angeklagten auf einen Freispruch hoffen. Der könnte schon am kommenden Montag fallen.
Update: 19.04.2016 - 13:48 Uhr
Richter Peter Noll (2.v.r.) muss auf eine Entscheidung des Oberlandesgerichts München warten, bevor er seine Urteile sprechen kann. Quelle: dpa
Strafprozess gegen Manager der Deutschen Bank

Richter Peter Noll (2.v.r.) muss auf eine Entscheidung des Oberlandesgerichts München warten, bevor er seine Urteile sprechen kann.

(Foto: dpa)

MünchenDoch kein Urteil: Der Kirch-Prozess am Münchener Landgericht geht in die Verlängerung – und die Verteidigung sieht die Schuld dafür bei der Staatsanwaltschaft: Selbst der FC Bayern habe schon Heimspiele verloren, sagte der Anwalt Klaus Volk, der den ehemaligen Deutsche-Bank-Manager Tessen von Heydebreck verteidigt. „Aber er hat nie verlangt, dass so lange weitergespielt wird, bis er gewonnen hat.“

Auch am 34. Verhandlungstag wird kein Urteil fallen, stellte der zuständige Richter Peter Noll am Dienstag zu Beginn des Prozesstages fest. Er wolle eine Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) abwarten.

Diese werde mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum nächsten Verhandlungstag am kommenden Montag (25. April) erfolgen, sagte eine Gerichtssprecherin. Dann könnte das Urteil in einem der spektakulärsten Wirtschaftsprozesse der vergangenen Jahre fast genau ein Jahr nach Prozessbeginn am 28. April 2015 verkündet werden.


In der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft überraschend einen weiteren Antrag gestellt: Sie wollte vom Richter die Erlaubnis für eine Razzia bei der Deutschen Bank, um Unterlagen über den Vergleich zwischen Ex-Bankchef Rolf-E. Breuer und dem Institut zu erhalten. Der damalige Vorstandssprecher der Bank hatte 2002 in einem Interview die Kreditwürdigkeit des Kirch-Konzerns angezweifelt. Kurz darauf ging der Konzern von Medienmogul Leo Kirch tatsächlich pleite und klagte. Ein jahrelanger Prozessmarathon folgte.

Die Bank lenkte nach zwölf Jahren ein und zahlte in einem Vergleich 928 Millionen Euro. Einen Teil der Kosten wollte sich die Bank zurückholen und einigte sich mit Breuer darauf, dass dieser 3,2 Millionen Euro an die Bank zahlt. Aus den dafür angefertigten Gutachten erhoffte sich die Anklage neue Erkenntnisse und will sie bei einer Razzia beschlagnahmen. Doch den Antrag schmetterte der Richter ab, woraufhin die Staatsanwaltschaft Beschwerde einlegte. Bis zur kommenden Woche werde das dafür zuständige OLG eine Entscheidung treffen, hieß es von Seiten des Landgerichts.

Die Angeklagten waren aber nicht umsonst in den Gerichtssaal gekommen: Richter Noll setzte die Verhandlung wie geplant mit den Plädoyers der Angeklagten Clemens Börsig – ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender der Bank – und Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck fort. Ein Risiko: Sollte das OLG anders als Richter Noll entscheiden, müsste das Gericht die Gutachten wohl für das Verfahren berücksichtigen – und alle Plädoyers nochmal halten lassen.

Cryan ist der neue starke Mann
Die Vorstandschefs der Deutschen Bank
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Hermann Josef Abs (1957-1967, oben links): Der gelernte Banker handelt in den 50er Jahren das Londoner Abkommen über deutsche Auslandsschulden aus. Ministerangebote von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) schlägt er aus. Als Aufsichtsratsvorsitzender von zeitweise bis zu 30 Aktiengesellschaften erlangt Abs später enormen wirtschaftlichen Einfluss in der Bundesrepublik.

Franz Heinrich Ulrich (1967-1976) und Karl Klasen (1967-1969): Die erste Doppelsitze besteht, bis Klasen 1970 Präsident der Bundesbank wird. Ulrich setzt sich gegen den „Ausverkauf“ der deutschen Wirtschaft ins Ausland ein. Die Deutsche Bank übernimmt etwa 29 Prozent des Grundkapitals der Daimler-Benz AG von der Familie Flick.

John Cryan (Seit Juli 2015)
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Anfang Juli löste der Brite John Cryan zunächst Anshu Jain in der Doppelspitze mit Jürgen Fitschen ab. Seit Mai 2016 führte er die Deutsche Bank allein. John Cryan war von 2012bis 2014 Präsident Europa von Temasek, dem Staatsfonds Singapurs. Von 2008 bis 2011 war er Finanzvorstand der UBS. Er hatte die Bank als Finanzchef durch die Krise nach der Lehman-Pleite geführt. Als klar war, dass der damalige Chef Oswald Grübel den heutigen CEO Sergio Ermotti befördern würde, trat Cryan bei der Schweizer Großbank „aus persönlichen Gründen“ zurück. Seit 1987 hatte Cryan verschiedene Funktionen im Corporate Finance-Geschäft und in der Kundenberatung von UBS und SG Warburg inne. Er verfügt über einen Abschluss der Universität Cambridge.

Anshu Jain und Jürgen Fitschen (2012-2015/16)
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Jain (l.) verdiente jahrelang als oberster Investmentbanker Milliarden für die Deutsche Bank. Viele Probleme des Hauses haben ihre Wurzeln in der von ihm geführten Sparte. Fitschen musste sich im Strafprozess vor dem Landgericht München gegen den Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs im Schadenersatz-Verfahren um die Kirch-Pleite wehren. Mittlerweile ist er Senior Advisor der Bank, Aufsichtsratsvorsitzender des Handelsunternehmens Ceconomy und sitzt im Verwaltungsrat von Kühne & Nagel in der Schweiz. Fitschen leitet außerdem ab dem Frühjahr 2018 den Aufsichtsrat des Dax-Konzerns Vonovia.

Josef Ackermann (2002-2012)
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Der Schweizer polarisiert wie kaum ein anderer Bankmanager. Im Mannesmann-Prozess zeigt er 2004 im Gerichtssaal das Victory-Zeichen, 2005 streicht er tausende Stellen und verkündet zugleich ein Renditeziel von 25 Prozent. Die Deutsche Bank wird unter Ackermann eine weltweit führende Investmentbank, er steuert sie ohne Staatshilfen durch die Finanzkrise.

Rolf-Ernst Breuer (1997-2002)
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Als „Mister Finanzplatz“ baut er Frankfurt zu einem internationalen Finanzstandort aus. Ein Rückschlag ist 2000 die gescheiterte Fusion mit der Dresdner Bank. Später äußert sich Breuer kritisch zur Kreditwürdigkeit Leo Kirchs. Der Medienkonzern bricht zusammen, der Unternehmer verklagt Breuer und die Deutsche Bank. Eine juristische Dauerfehde beginnt.

Hilmar Kopper (1989-1997)
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Kopper baut das Investmentbanking aus und richtet die Bank zunehmend international aus. Eine der größten Pannen ist der Crash des Immobilien-Imperiums von Jürgen Schneider. Aus Koppers Bemerkung, offene Rechnungen in Höhe von 50 Millionen Euro seien „Peanuts“, wird das Unwort des Jahres 1994.

Alfred Herrhausen (1985-1989)
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Der Politikwissenschaftler will die Deutsche Bank zu einem Institut mit Weltstatus umbauen. Er fädelt große Übernahmen anderer Geldhäuser ein. Das „Allfinanz“-Konzept (Finanzprodukte aus einer Hand) wird zum Vorbild für andere deutsche Banken. Herrhausen kommt 1989 durch ein Attentat der RAF ums Leben.

Die Verteidiger betonten am Dienstag in ihren Vorträgen, dass die Vorwürfe des Prozessbetrugs gegen ihre Mandanten unbegründet seien. Es habe keinen Beschluss in der Vorstandssitzung im Januar 2002 gegeben, auf Leo Kirch zuzugehen, keine Verschwörung und auch keine Falschaussage, erklärten die Anwälte wie schon die Vertreter von Breuer und seinem Nachfolger Josef Ackermann eine Woche zuvor.

Als Fazit verwies Fitschens Verteidiger Hanns Feigen dabei auf das Urteil im Stuttgarter Porsche-Prozess wenige Wochen zuvor: „An den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft ist nichts dran, nichts. Weder vorne, noch hinten, noch in der Mitte“. Im Ergebnis müsse es daher einen Freispruch geben, forderten die Vertreter der Verteidigung übereinstimmend.

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