Deutsche Bank So sieht Moody's die Postbank-Integration

Die US-Ratingagentur Moody's hat nach der Deutschen Bank auch den Ausblick für die Postbank verbessert. Durch die beschlossene Wiedereingliederung in das größte deutsche Geldhaus habe sich vor allem ein Punkt verbessert.
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Die Eingliederung der Postbank in den Konzern stärkt den Rating-Ausblick. Quelle: dpa
Flaggen von Post- und Deutscher Bank

Die Eingliederung der Postbank in den Konzern stärkt den Rating-Ausblick.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie geplante Eingliederung der Deutschen Postbank in die Deutsche Bank stärkt nach Ansicht der Ratingagentur die Stabilität der Bank. Das langfristige Einlagen-Rating beließ Moody's bei „A3“ und stufte den Ausblick auf stabil hoch – bisher lag er bei negativ. Das langfristige Kreditrating ließ Moody's mit der Bewertung „Baa2“ unverändert, andere Ratingnoten bleiben ebenfalls stabil.

In der Begründung verweist Moody's auf die Ankündigung der Deutschen Bank vom Sonntag, unter anderem eine Kapitalerhöhung von acht Milliarden Euro anzupeilen. Auch die strategischen Pläne von Deutsche-Bank-Chef John Cryan führt Moody's an, sieht in ihnen eine „grundlegende Kurskorrektur“ im Vergleich zur bisher gültigen „Strategie 2020“. Die Ratingagentur honoriert damit den Plan, die Postbank nun doch zu behalten und voll in den Konzern zu integrieren, – anstatt sie wie zuvor geplant abzustoßen. Die „strategische Bedeutung“ der Postbank für die Deutsche Bank sei damit angestiegen.

So lief der Immobilienskandal der Deutschen Bank ab
Welche Rolle die Deutsche Bank spielte
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Die Vorwürfe des US-Justizministeriums richten sich nicht gegen die Deutsche Bank als originären Kreditgeber. Das Institut vergab in den USA nämlich selbst gar keine Darlehen an Immobilienkäufer mit zu geringer Bonität. Das taten andere. Dennoch verdiente die Deutsche Bank daran.

Wie aus einer bunten Kreditmischung ein Wertpapier wird
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Eine Bank kauft Immobilienkredite, die ein anderes Institute an seine Kunden – private Hauskäufer – vergeben hat. Diese Darlehen werden dann zu einem Wertpapier gebündelt und an Investoren verkauft. Diese treten damit in die Rolle des Kreditgläubigers und tragen das Kreditausfallrisiko. Der Ertrag des Investments speist sich aus den Zinszahlungen der Kreditnehmer. Die Deutsche Bank baute dieses Geschäftsfeld konsequent aus und war 2007 vom neunt- zum weltweit drittgrößten Emittenten solcher hypothekenbesicherten Wertpapiere geworden, schreibt das US-Justizministerium in seinem Bericht.

Vorwurf 1: Lasche Prüfung
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Angeblich hatten die US-Institute, denen die Deutsche Bank ganze Kreditpakete abkaufte, genau geprüft, ob ihre Kunden die Darlehen fürs Haus überhaupt zurückzahlen könnten. Die Deutsche Bank wusste, dass dies ein leeres Versprechen war.

Vorwurf 2: Fehlende Vorbeugung
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Die Wertpapierstrukturierer der Deutschen Bank prüften die zum Kauf anstehenden Kreditpakete durchaus: Sie machten Stichproben und schätzten auf dieser Basis grob ein, wie viele ausfallgefährdete – faule – Kredite es beinhaltete. Die Crux: Fanden sie viel faules Material, verzichteten sie auf eine tiefergehende Prüfung, sagen die US-Aufseher.

Vorwurf 3: Laxe Kontrollen
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Nicht genug, dass die Deutsche Bank offenbar die Qualität der angekauften und dann zu Wertpapieren verpackten Kredite nicht ausreichend prüfte. Sie ließ es offenbar auch zu, dass der Verkäufer der Hypotheken zum Teil selbstständig und nachträglich ungeprüfte Kredite in die Pools einlagerte.

Vorwurf 4: Die Risiken verschwiegen
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Zu guter Letzt monieren die US-Behörden, dass die Deutsche Bank wider besseres Wissen ihren Investoren gegenüber verschwieg, welche Risiken tatsächlich in den Hypothekenverbriefungen lauerten. „Die Deutsche Bank legte ihre eigene Risikotoleranz auf Basis korrekter Bewertungsdaten fest, gewährte Investoren aber nicht die gleiche Aufmerksamkeit“, heißt es im Bericht.

Das stärkt laut den Analysten die Position der institutionellen Anleger der Postbank. Folgt man Moody's, sinkt mit der Integration in den Konzern das Risiko, dass in einer Krise die Einlagen großer Postbank-Kunden herangezogen würden, um entsprechende Verluste zu decken. Stattdessen würde die Deutsche Bank der Postbank mit hoher Wahrscheinlichkeit finanziell unter die Arme greifen. In der Sprache der Ratingagentur steigt die Wahrscheinlichkeit einer gegenseitigen Unterstützung auf sehr hoch. Zuvor war sie nur mit moderat bewertet worden.

Der negative bisherige Ausblick bezog sich noch auf den alten Plan, die Postbank über einen Börsengang abzustoßen. In diesem Fall hätte Moody's größere Zweifel an einem Eingreifen der bisherigen Muttergesellschaft gehabt. Dennoch führt die neue Strategie nicht zu einer Erhöhung des eigentlichen Kreditratings der Postbank. Grund ist laut Moody's das Kreditprofil der Mutter Deutsche Bank. Die größte deutsche Privatbank befindet sich in einer schwierigen Situation, die auch auf die Tochter Postbank durchschlägt.

Bereits am Dienstag hatte Moody's die von Bankchef John Cryan angekündigte milliardenschwere Kapitalerhöhung der Deutschen Bank als grundsätzlich positiv bewertet. Dadurch habe das Institut mehr Zeit und finanziellen Spielraum, seine Ziele zu erreichen. Zudem werde das Vertrauen von Kunden und Geschäftspartnern gestärkt. Durch die angekündigten strategischen Umbaumaßnahmen werde das Geschäft vereinfacht und das Risiko gesenkt.

Die Ratingagentur bestätigte die Bonitätsnoten „Baa2“ und „A3“, veränderte den Ausblick für das Rating aber nicht, sondern beließ ihn bei stabil, – anders als bei der Postbank. Die Deutsche Bank hat in den Augen der Analysten noch einen langen Weg vor sich, um wieder durchgehend profitabel zu werden. Eine nachhaltige Verbesserung der Kreditwürdigkeit hänge davon ab, ob die Bank bei ihrem Konzernumbau Erfolge aufweisen und stabilere Erträge generieren könne, so Moody's. Die Kostenziele im Privat- und Firmenkundengeschäft seien „ambitioniert“, gleichzeitig wichtig für einen nachhaltigen Erfolg.

„Während die Kapitalerhöhung und die strategischen Maßnahmen positiv auf die Kreditwürdigkeit wirken, hängt eine Verbesserung des Ratings von den Fortschritten der Bank ab, ihre Erträge aus stabileren und weniger kapitalintensiven Geschäftsbereichen zu steigern“, gab Moody's zu Bedenken. Die Deutsche Bank müsse investieren, um ihre IT und die internen Kontrollmechanismen zu stärken.

Deutschlands größte Bank will über eine Kapitalerhöhung acht Milliarden Euro bei Investoren einsammeln, weitere zwei Milliarden sollen durch einen Börsengang der Vermögensverwaltung in die Kassen gespült werden. Firmenchef John Cryan will die Postbank nun doch voll in das Privat- und Firmenkundengeschäft integrieren.

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