Deutsche Bank, Sparkassen Bezahldienstleister Concardis vor Verkauf

Über 350 Millionen einzelne Kartenzahlungen liefen 2015 über den Bezahldienstleister Concardis. Eine Gruppe Finanzinvestoren ist nun an einer Übernahme interessiert. Es wäre ein Geldsegen für die Deutsche Bank und Co.
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Der Bezahldienstleister ist für die Abwicklung der Bezahlung mit Karte verantwortlich. Quelle: dpa
Concardis

Der Bezahldienstleister ist für die Abwicklung der Bezahlung mit Karte verantwortlich.

(Foto: dpa)

FrankfurtDen deutschen Banken und Sparkassen winkt zum Jahresbeginn ein unerwartet großer Geldsegen: Der Kartenzahlungs-Dienstleister Concardis steht Finanzkreisen zufolge vor dem Verkauf an die Finanzinvestoren Bain Capital und Advent. Das Konsortium habe mit seinem Gebot die Konkurrenten CVC und Bridgepoint ausgestochen, sagten drei mit dem Verkaufsprozess vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Die mehr als 30 beteiligten Banken und Verbände könnten mit einem Erlös von rund 700 Millionen Euro für das Unternehmen aus Eschborn bei Frankfurt rechnen – deutlich mehr als erhofft, sagten zwei der Insider.

Unterschrieben sei aber noch nichts, weil einige Gremienbeschlüsse der bisherigen Eigentümer ausstehen. Concardis und Advent wollten sich nicht zu den Informationen äußern. Bain war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Concardis sorgt dafür, dass Kunden im Handel mit Visa- und Mastercard-Kreditkarten, aber auch mit Girokarten bezahlen können. Das Unternehmen ist Vertragspartner für die Händler, stellt die Bezahlterminals und wickelt die Zahlungen ab. 2015 liefen über Concardis 360 Millionen Transaktionen mit einem Umsatz von 38,3 Milliarden Euro – neun Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Unternehmen erwirtschaftete 480 (2014: 450) Millionen Euro Umsatz, der Nettogewinn lag bei 24,2 Millionen Euro.

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Europas Banken stecken in der Krise. Doch ein genauer Blick auf die Kennzahlen zeigt: Das gilt nicht für alle Institute. Im Vergleich von Nettogewinn, Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalquote schneiden einige Institute deutlich besser ab als andere.

Besonders interessant ist dabei das Verhältnis zwischen Kurs und Buchwert pro Aktie (KBV). Der Wert offenbart, inwieweit der Börsenwert einer Bank mit den Aktiva, also den Werten in den Büchern der Bank, übereinstimmt. Bis auf drei Banken liegt das KBV bei allen Geldhäusern unter 1, drastisch fällt dieser Wert bei der Deutschen Bank aus. Ein KBV unter 1 bedeutet, dass sich die Aktionäre entweder von einer Zerschlagung der Bank mehr Geld versprechen würden als von der Fortführung des Geschäfts, – oder, dass sie den Qualitäten der Bilanzen, also der verzeichneten Aktiva, nicht vertrauen. Im Folgenden werden die Kennzahlen für die wichtigsten europäischen Banken dargestellt, sortiert nach den Nettogewinnen im 2. Quartal 2017. Aktienkurse vom 3. August 2017

Platz 10: Commerzbank
2 von 12

Nettoverlust: 643 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: –3,1 Prozent

Eigenkapitalquote: 13 Prozent

KBV (Aktienkurs vom Stichtag/Buchwert pro Aktie): 0,50

(Quelle: Bloomberg)

Platz 11: Barclays
3 von 12

Nettoverlust: 1.440 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: –4,6 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,1 Prozent

KBV: 0,63

Platz 7: RBS
4 von 12

Nettogewinn: 791 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 5,6 Prozent

Eigenkapitalquote: 14,8 Prozent

KBV: 0,66

Platz 9: Credit Suisse
5 von 12

Nettogewinn: 280 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 4,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,3 Prozent

KBV: 0,88

Platz 8: Deutsche Bank
6 von 12

Nettogewinn: 447 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 3,2 Prozent

Eigenkapitalquote: 14,1 Prozent

KBV: 0,48

Platz 5: Société Générale
7 von 12

Nettogewinn: 1.058 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 9,5 Prozent

Eigenkapitalquote: 11,7 Prozent

KBV: 0,65

Der Trend zum Bezahlen per Smartphone und der mögliche Markteintritt von Apple Pay in Deutschland beschäftigt die Branche immer stärker. Concardis hofft darauf, sich mit einem neuen, zahlungskräftigen Eigentümer schneller zum Komplettanbieter von Zahlungsverkehrsdienstleistungen weiter zu entwickeln. Vor allem im Internethandel sieht das Unternehmen Nachholbedarf. Advent und Bain haben in der Branche Erfahrung. Sie hatten 2015 den britischen Zahlungsdienstleister Worldpay und im Herbst 2016 die dänische Nets an die Börse gebracht. Beide sind auch an der italienischen ICBPI beteiligt.

Im Verkaufspreis inbegriffen sind 80 Millionen Euro, die Concardis aus dem Verkauf von Visa Europe an die amerikanische Visa Inc auf der hohen Kante hat. Vor allem Privatbanken wie die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Hypo-Vereinsbank hatten auf den Verkauf gedrängt, weil sie das Geschäft nicht mehr als strategisch erachten. Auch die 26 beteiligten Landesbanken und Sparkassenverbände und die mit 19 Prozent beteiligte DZ Bank wollen ihre Anteile angesichts des hohen Preises verkaufen. Privatbanken und Sparkassen halten je 39 Prozent an Concardis.

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