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Deutsche Bank und Commerzbank Arbeitnehmer: Großbankenfusion könnte bis zu 50.000 Stellen kosten

Mitarbeiter der Deutschen Bank und Commerzbank fürchten drastische Einschnitte beim Personal – und haben Zweifel am Geschäftsmodell einer Megabank.
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Commerzbank-Mitarbeiter machen bei Warnstreiks deutlich, dass sie gegen eine Fusion mit der Deutschen Bank sind. Quelle: Andreas Kröner / Handelsblatt
Protestmarsch in Wiesbaden

Commerzbank-Mitarbeiter machen bei Warnstreiks deutlich, dass sie gegen eine Fusion mit der Deutschen Bank sind.

(Foto: Andreas Kröner / Handelsblatt)

Frankfurt Die Botschaften auf den Plakaten sind eindeutig: „Fusion – Nein danke!“, „Kein Blutbad unter der Belegschaft“ und „Wir lassen uns nicht verscholzen!“. Rund 700 Bank-Beschäftigte aus Hessen haben ihrem Unmut über eine mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank am Freitag bei Warnstreiks in Wiesbaden Luft gemacht.

Die Mitarbeiter zogen mit Plakaten, Trillerpfeifen und Gelben Westen der Dienstleistungsgesellschaft Verdi vom Wiesbadener Hauptbahnhof zum Kurhaus. Dort warnte Commerzbank-Betriebsrat Markus Zittlau bei der Abschlusskundgebung vor einem drastischen Stellenabbau bei einer deutschen Großbankenhochzeit. „Es sind mindestens 30.000 Arbeitsplätze, die durch diese Fusion wegfallen werden, wenn nicht sogar 50.000.“

In Wiesbaden und vielen anderen Städten befänden sich Filialen von Deutscher Bank und Commerzbank nahe beieinander, erklärte Zittlau. Bei einem Zusammenschluss würde eine der beiden Niederlassungen dichtgemacht.

Auch in den Zentralen der Banken in Frankfurt seien harte Einschnitte zu erwarten. „Die Zentralen wird es ganz schwer treffen, wenn es zu dieser Fusion kommen sollte.“ Zittlau fordert deshalb, die Gespräche mit der Deutschen Bank abzubrechen. „Diese blödsinnige Fusion muss einfach vom Tisch.“

Aktuell hat die Deutsche Bank gut 90.000 Beschäftigte, die Commerzbank knapp 50.000. Arbeitnehmervertreter und Banker hatten bisher die Erwartung geäußert, dass bei einem Zusammenschluss rund 30.000 Arbeitsplätze wegfallen könnten.

Die Arbeitnehmervertreter von Deutscher Bank und Commerzbank haben sich im März darauf verständigt, gemeinsam gegen die Fusion zu kämpfen. Sie nutzen dafür die Warnstreiks im Rahmen der laufenden Tarifrunde.

In Wiesbaden waren neben zahlreichen Mitarbeitern der Nassauischen Sparkasse jedoch vor allem Beschäftigte der Commerzbank unterwegs. Von der Deutschen Bank, wo Verdi traditionell weniger Einfluss hat, hatten sich nur relativ wenige Mitarbeiter von Frankfurt aus auf den Weg in die hessische Landeshauptstadt gemacht. Auf einem Plakat forderten die bei Verdi organsierten Deutsche-Bank-Beschäftigten eine „Kapitalerhöhung für alle Mitarbeiter von 6 Prozent.“

„Blaues Blut tut mir nicht gut.“

Mitarbeiter der Commerzbank machten in Wiesbaden deutlich, dass sie nicht nur wegen der drohenden Stellenstreichungen gegen eine Fusion sind. Sie haben auch Zweifel, dass eine fusionierte Megabank ein funktionierendes Geschäftsmodell hätte, das den Mitarbeitern langfristig eine gute Perspektive bietet.

„Bis jetzt konnte uns der Vorstand nicht darlegen, warum eine Fusion sinnvoll sein soll“, sagte Heike Anscheit, die als Arbeitnehmervertreterin im Commerzbank-Aufsichtsrat sitzt und mit dem Schild „Blaues Blut tut uns nicht gut“ durch Wiesbaden lief. „Die Stimmung in der Bank ist geladen.“  

Viele Commerzbank-Mitarbeiter hätten nach dem Kauf der Dresdner Bank 2008 miterlebt, dass es zweieinhalb Jahre gedauert habe, bis man das übernommene Institut in die eigenen IT-Systeme integriert habe, sagte Anscheit im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Und das war eine andere Zeit.“

Heute setzten Fintechs den Banken zu, und die Institute müssten immer schneller reagieren. Eine Fusion mit der Deutschen Bank wäre aus Sicht von Anscheit deshalb doppelt gefährlich. „Das würde uns über Jahre lähmen, weil wir dann nur mit uns selbst beschäftigt wären.“

Thomas Como, der seit 34 Jahren für die Commerzbank arbeitet, hat das Gefühl, dass wegen der Fusion im Rahmen der Warnstreiks so viele Commerzbanker auf die Straße gehen wie seit langem nicht. „Der Großteil der Belegschaft ist gegen die Fusion“, sagt er.

Como ist der Ansicht, dass eine fusionierte Mega-Bank so groß wäre, dass sie der Steuerzahler in einer Schieflage retten müsste. „Eigentlich müsste deshalb ganz Deutschland gegen diese Fusion sein.“

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1 Kommentar zu "Deutsche Bank und Commerzbank: Arbeitnehmer: Großbankenfusion könnte bis zu 50.000 Stellen kosten"

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  • HB: Auf einem Plakat forderten die bei Verdi organsierten Deutsche-Bank-Beschäftigten eine „Kapitalerhöhung für alle Mitarbeiter von 6 Prozent.“ .. Wahrscheinlich ein Schreibfehler, aber
    das Unternehmen bediente sich tatsächlich mit Anstandslosigkeit wiederholt über Kapitalerhöhungen bei den Aktionären um über Wasser zu bleiben und schafft es nicht, als unangefochten größtes Institut Deutschlands anständig zu wirtschaften. 643 Einkommensmillionäre im Jahr 2018, davon 55 Millionen für den Vorstand und seit vielen Jahren Zukunftsprognosen, die bisher nur Schall und Rauch ergaben. Welche wirtschaftliche Kompetenz hat denn eine Bank, die ihr eigenes Haus nicht im Griff hat? Und für was gab es die Aufsichtsräte?