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Deutsche Bank und Commerzbank „Fusion zweier Sorgenkinder“ – Was Medien von der möglichen Bankenehe halten

Die internationale Presse bewertet die mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank pragmatisch. Das „Wall Street Journal“ erwartet eine „widerwillige Heirat“.
Update: 18.03.2019 - 08:48 Uhr Kommentieren

„Wir werden nur dann fusionieren, wenn es wirtschaftlich sinnvoll ist“

New YorkSeit Monaten wird darüber spekuliert, nun ist es offiziell: Die Deutsche Bank und die Commerzbank loten eine mögliche Fusion aus. Das teilten die beiden Institute am Sonntag in Frankfurt mit. Der Vorstand habe „beschlossen, strategische Optionen zu prüfen“, hieß es von der Deutschen Bank.

Diese Optionen werde der Vorstand daraufhin bewerten, ob sie Wachstum und Profitabilität der Bank stärken. Es gebe keine Gewähr, dass es zu einer Transaktion komme. Bei der Commerzbank war von „ergebnisoffenen Gesprächen über einen eventuellen Zusammenschluss“ die Rede.

Beide Banken stehen nicht gerade gut da – vor allem im internationalen Vergleich. Der Deutschen Bank war 2018 nach drei Verlustjahren in Folge zwar die Rückkehr in die Gewinnzone gelungen, allerdings schwächelt das wichtige Investmentbanking weiterhin. Die Commerzbank schrieb zwar ebenfalls schwarze Zahlen, musste aber ihre mittelfristigen Gewinnziele zuletzt kassieren.

Der erst seit vergangenem April amtierende Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat dem einstigen deutschen Vorzeigeinstitut eine Rosskur verordnet, in deren Rahmen tausende Stellen gestrichen wurden und werden und das Institut seine Investmentbank eindampft, die seit Jahren der Konkurrenz vor allem aus den USA hinterherläuft. In den internationalen Medien wird eine mögliche Fusion der beiden angeschlagenen Geldhäuser eher pragmatisch bewertet.

„Manager Magazin“ – Ein Blutbad namens Deutsche Commerz

„Wer 'nationaler Champion' sagt, muss auch 'Blutbad' sagen“, titelt das Manager Magazin in seinem Kommentar zur Causa. Dort heißt es, ein mit der Fusion einhergehender Stellenabbau wäre kalkuliert. Die Finanzaufseher wollten nicht, dass der neue Branchenriese zu viel Ballast mit sich herumschleppe. Als „hohle Phrase“ bezeichnet das Magazin Finanzminister Scholz' Aussage, es entstünde ein weltweit präsenter Begleiter der deutschen Wirtschaft.

Gerade Hidden Champions bräuchten nicht den einen Global Champion, der sie auf der Finanzseite betreut, sondern viele Partner. Verlierer wären demnach auch Bankkunden, da der reduzierte Wettbewerbsdruck vor allem Sparkassen und Genossen ermöglichen dürfte, höhere Gebühren zu verlangen. Es stelle sich die Frage nach dem wirtschaftlichen Nutzen einer solchen Fusion.

„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ – Hohe Hürden für eine Fusion

„Wer auf die jüngere Geschichte der deutschen Großbanken blickt, kann der Deutschen Bank und der Commerzbank einen Zusammenschluss nicht empfehlen“, schreibt die FAZ. Denn im Unterschied zu Fusionen in anderen europäischen Ländern seien die in Deutschland unternommenen Versuche „oft nicht besonders gut ausgegangen“.

Ein Zusammenschluss, so er betriebswirtschaftlich sinnvoll betrieben würde, besäße laut „FAZ“ aber auch eine Logik. „In Zeiten sehr niedriger Zinsen und einer nachlassenden Konjunktur würden sich die Rahmenbedingungen für die im internationalen Vergleich schwachen deutschen Großbanken verschlechtern.“

Gleichwohl setze Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, die Hürden für eine Fusion hoch. Demnach wolle die Bank einer Fusion nur dann zustimmen, wenn sie aus „wirtschaftlicher Sicht einen Sinn ergibt“. Dies sei eine klare Botschaft an die Regierung: „Wenn Berlin die Banken zu einer Fusion bewegen will, muss das sozialdemokratisch geführte Finanzministerium auch bereit sein, zumindest eine Mitverantwortung für den Stellenabbau zu übernehmen. Die Berliner Bankpolitik besitzt auch für Berlin eine Passivseite“

„Wall Street Journal“ – Widerwillige Hochzeit

Das Wall Street Journal sieht einen Zusammenschluss beider Banken als eine widerwillige Eheschließung. „Eine ganze Reihe von Management-Teams haben versucht, die Deutsche Bank zurecht zu rücken, einst Europas angriffslustigstes und global ambitioniertestes Bankhaus“, schreibt die Zeitung. Aber die Leistung bleibe weiterhin hinter der Konkurrenz zurück und der Aktienkurs sinkt weiter.

Beide Banken hätten zudem Milliarden Dollar für Umstrukturierungen und Entlassungen ausgegeben, um unabhängig zu bleiben. „Doch beide haben es nicht geschafft, die deutsche Regierung davon zu überzeugen, das sie alleine erfolgreich sein können.“

„Handelszeitung“ – In der Schweiz keine Konkurrenz

Eine Fusion der beiden größten Bankinstitute Deutschlands hätte Auswirkungen auf den ganzen europäischen Finanzplatz – und auch auf die Schweiz, schreibt das Züricher Blatt „Handelszeitung“. Hier hätten beide Banken große Niederlassungen.

Während deutsche Gewerkschaften bei einer Fusion den Abbau Zehntausender Jobs befürchteten, da sich beide Banken auf mehreren Gebieten Konkurrenz machten, „herrschen in der Schweiz andere Verhältnisse. Hier kommen sich die beiden Institute wenig in die Quere. Die eine Bank konzentriert sich aufs Firmenkunden-Business, die andere setzt vor allem auf die Vermögensverwaltung.“

„Die Presse“ – Fusion zweiter Sorgenkinder

Die österreichische Tageszeitung „Presse“ sieht die Fusion beider Banken als notwendig an, denn „Europas größter Volkswirtschaft fehlt eine schlagkräftige internationale Großbank“. Während die US-Konkurrenz längst wieder bestens verdienten, würden Deutschlands Großbanken zehn Jahre nach der Finanzkrise vor sich hin dümpeln, kommentieren die Wiener Journalisten.

Der deutsche Bankenmarkt sei traditionell hart umkämpft, die niedrigen Zinsen im Euroraum und hohe Regulierungskosten würden der Branche das Geldverdienen zusätzlich erschweren. Dazu kämen hausgemachte Probleme wie teure juristische Altlasten bei der Deutschen Bank. Hier sieht die Tageszeitung aber einen großen Vorteil der Fusion. Denn so könnten „zweifelsohne auf Dauer die Kosten gesenkt werden“.

Mit Agenturmaterial.

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