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Deutsche Bank unter Druck Zu wenige Fusionen – M&A-Geschäft in Deutschland bricht ein

Das Geschäft mit Übernahmen im deutschen Markt dümpelt vor sich hin. Investmentbanker hoffen derzeit auf die sogenannten aktivistischen Aktionäre.
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Das Volumen der angekündigten M&A-Transaktionen mit deutscher Beteiligung fiel in den ersten sechs Monaten gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres um 68 Prozent. Quelle: EyeEm/Getty Images
Frankfurt am Main

Das Volumen der angekündigten M&A-Transaktionen mit deutscher Beteiligung fiel in den ersten sechs Monaten gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres um 68 Prozent.

(Foto: EyeEm/Getty Images)

Frankfurt Die Flaute im Investmentbanking hat sich auch im zweiten Vierteljahr fortgesetzt. Die erfolgsverwöhnten Spezialisten in den Geldhäusern hatten nach der Finanzkrise 2008 einen Rekord nach dem anderen aufstellen können, doch jetzt müssen sie einen regelrechten Einbruch verdauen. Besonders in der sogenannten Königsdisziplin, der Beratung bei Fusionen und Übernahmen (M&A-Geschäft), ist es zu einem herben Rückschlag gekommen.

Laut dem Analysehaus Refinitiv fiel das Volumen der angekündigten M&A-Transaktionen mit deutscher Beteiligung in den ersten sechs Monaten gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres um 68 Prozent auf 61,3 Milliarden Dollar.

„Angesichts von Handelsstreitigkeiten, Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Brexit und geopolitischen Spannungen ist es nicht verwunderlich, dass Vorstände vorsichtig sind. Folglich sank die Zahl der Deals in Deutschland“, sagt Lucille Jones, Deals Intelligence Analyst bei Refinitiv.

Transaktionen, bei denen Unternehmen im Ausland im Fokus standen, haben sich halbiert, während Deals mit deutschen Zielunternehmen auf den niedrigsten Stand seit 2013 und innerdeutsche Transaktionen auf ein Neunjahrestief gefallen sind.

Allerdings waren die zurückliegenden Jahre auch von einigen sehr großen Abschlüssen geprägt. „Das vergangene Jahr stand im Zeichen der Monsanto-Übernahme durch Bayer. Bereinigt um diesen Megadeal sieht das laufende Jahr im Vergleich gar nicht so schlecht aus, bei mittelgroßen Transaktionen herrscht rege Aktivität“, sagt Christian Kames, Leiter des deutschen Investmentbankings bei der US-Großbank JP Morgan.

Der größte Deal war im ersten Halbjahr das Gebot von Infineon für Cypress Semiconductor über 10,4 Milliarden Dollar, an zweiter Stelle folgte die gut sieben Milliarden Dollar schwere Übernahmeankündigung von ZF Friedrichshafen für das US-Unternehmen Wabco Holdings.

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Die Deutsche Bank, die derzeit an der künftigen Aufstellung im Investmentbanking feilt, verteidigte bei den Gebühreneinnahmen aus dem gesamten Investmentbanking den Spitzenplatz, wenngleich ihr Marktanteil schrumpfte.

Gemessen am beratenen M&A-Volumen rutschte sie im Heimatmarkt aber im ersten Halbjahr auf den elften Rang, nach Platz zwei im Vorjahr. Bei den Gebühreneinnahmen aus dem Fusionsgeschäft konnte sie sich auf Platz vier halten, nach dem zweiten Rang 2018. „Die Deutsche Bank hat an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Nach wie vor hat sie aber auch Stärken, etwa bei Börsengängen“, sagt ein Investmentbanker.

„Im ersten und zweiten Quartal 2019 sind wir bei M&A nicht dort, wo wir sein wollen – hier sind unsere Erwartungen höher“, sagte Patrick Frowein, der Co-Chef der Deutschen Bank für Corporate Finance für den deutschsprachigen Raum. „Wenn wir uns die Pipeline ansehen, sind wir allerdings positiv gestimmt, dass sich unsere Position bis Jahresende deutlich verändern wird“, sagte der Manager.

Beim geplanten Börsendebüt der VW-Nutzfahrzeugsparte Traton etwa gehört die Deutsche Bank zu den drei globalen Betreuern.

Die größten Hoffnungen auf eine deutliche Erholung des Marktes machen sich die Investmentbanker derzeit aber mit Blick auf die sogenannten aktivistischen Aktionäre. Darunter versteht man in der Regel Hedgefonds, die sich Minderheitsbeteiligungen an Konzernen sichern und die dann auf die Unternehmenspolitik Einfluss nehmen wollen. Besonders Mischkonzerne geraten ins Visier dieser Firmenjäger.

Die Aktivisten fordern eine Konzentration auf das Kerngeschäft, um den Wert des Unternehmens und den Aktienkurs zu steigern. Im vergangenen Jahr wurden in Europa laut einer Analyse der Bank of America schon 161 Unternehmen Ziel aktivistischer Kampagnen – Tendenz steigend. 2015 waren es erst 125 gewesen.

Beispiele waren Thyssen-Krupp, der Maschinenbauer Gea und der Chemiekonzern Akzo Nobel. Spätestens seit dem Einstieg von Elliott beim Softwareunternehmen SAP hätten die meisten Vorstände und Aufsichtsräte erkannt, dass es de facto jedes Unternehmen treffen könne, sagt JP-Morgan-Manager Kames.

Man werde weitere Abspaltungen und Portfoliobereinigungen sehen, weil Vorstände aktiv würden, bevor Hedgefonds anklopften. Investmentbanker verweisen dabei vor allem auf Siemens als Vorbild, das beispielsweise die Medizintechnik separat an die Börse gebracht und weitere Ausgliederungen angekündigt hat.

Fast jeder dritte Konzernlenker denkt mittlerweile über Verkäufe oder Abspaltungen nach. „Aktivistische Investoren haben scheinbar eine Verhaltensveränderung bei den Vorstandsteams erreicht“, sagt Birger Berendes, Leiter M&A für den deutschsprachigen Raum bei der Bank of America.

Während im April 2018 nur ein kleiner Bruchteil aller großen Unternehmen jedes Quartal geprüft habe, ob ihr Portfolio an Geschäftsbereichen oder Tochterfirmen noch sinnvoll zusammengestellt ist, führten inzwischen mehr als 40 Prozent der Unternehmen diese Überprüfungen quartalsweise durch.

Kampagnen sind oft gut für die kurzfristige Kursentwicklung

Für die Investmentbanker ist das Vordringen der Aktivisten ein Segen, schließlich stoßen diese meist große Transaktionen an. „In den meisten Fällen, in denen ein Aktivist eine M&A-Agenda verfolgt, drängt er auf den Verkauf des gesamten Unternehmens beziehungsweise von Teilbereichen oder auf die Abspaltung von Unternehmensbereichen“, sagt Jens Kengelbach, Senior Partner bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG).

Er glaubt, dass die Aktivisten oft auch den Aktionären Freude bereiten. „Die Kampagnen der Aktivisten sind in der Regel gut für die kurzfristige Kursentwicklung. Die Überrendite bei Ankündigung der Kampagne liegt im Mittel bei 0,7 Prozent. Wenn allerdings eine M&A-Agenda verfolgt wird, dann beträgt die Überrendite sogar 1,9 Prozent“, sagt er.

Langfristig zeige sich, dass insbesondere der von Aktivisten oft geforderte Verkauf oder die Abspaltungen von Aktivitäten eine positive Performance für das verbleibende Unternehmen bedeuteten.

Neben den Aktivisten werden auch die Finanzinvestoren für eine höhere Schlagzahl im Markt sorgen. Die Private-Equity-Fonds sitzen nach wie vor auf einem billionenschweren Berg an nicht investiertem Kapital.

Zunehmend rücken dabei sogenannte Delistings ins Blickfeld, bei denen Unternehmen von der Börse genommen werden. Vor wenigen Tagen hatte etwa KKR angekündigt, das Medienhaus Springer zu „reprivatisieren“. „Die Privatisierung börsennotierter Firmen wird deutlich ansteigen. In den nächsten zwei Jahren wird es mehr Fälle geben, als wir je zuvor gesehen haben“, prognostiziert Rainer Langel, Europachef der Investmentbank Macquarie.

Selbst schwierige Fälle wie der des Pharmaherstellers Stada im Jahr 2017 schreckten nicht mehr ab, zumal das Ergebnis für die Finanzinvestoren sehr gut ausgefallen sei.

Laut einer Studie der Bank of America ging in den USA die Zahl der börsengehandelten Unternehmen von 7200 im Jahr 1999 auf 4400 im vergangenen Jahr zurück. „Wenn Firmen von Private-Equity-Häusern gekauft werden, kommen sie häufig nicht mehr an die Börse zurück, sondern gehen meist direkt an einen strategischen Käufer oder eine andere Private-Equity-Gesellschaft“, erläutert Investmentbanker Berendes.

Allen Beteiligten ist aber auch klar, dass Sondersituationen allein nicht ausreichen. Für eine echte Erholung im M&A-Markt sind klassische Unternehmenskäufe unverzichtbar.

Mehr: Der Deutschland-Chef von Barclays, Peter Kimpel, geht davon aus, dass die Zahl der Attacken aktivistischer Investoren auf Großunternehmen weiter zunehmen wird.

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