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Frankfurter Bankenviertel

Commerzbank und Deutsche Bank spüren den Wettbewerb der neuen Finanzdienstleister nicht nur im Kerngeschäft.

(Foto: imago/Ralph Peters)

Deutsche Bankenlandschaft Warum der drohende Abstieg der Commerzbank aus dem Dax Symbolcharakter hat

Einst waren Commerzbank und Deutsche Bank feste Größen in wichtigen Aktienindizes. Nun sind sie Wackelkandidaten. Grund ist der Umbruch in der Branche.
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Frankfurt Es ist ein zartes Pflänzchen der Hoffnung: Seit Juli steigen die arg gebeutelten Aktienkurse der Commerzbank und der Deutschen Bank wieder. Die Commerzbank hat im vergangenen Monat fast ein Zehntel zugelegt, die Deutsche Bank sogar etwa doppelt so stark. Der Kursverlauf der Anteilsscheine in diesem Monat wird darüber entscheiden, ob die beiden Großbanken in zwei prestigeträchtigen Aktienindizes bleiben – oder absteigen.

Am Freitag hat die Deutsche Börse die jüngste Rangliste der Unternehmen veröffentlicht, die in den bekanntesten deutschen Aktienindizes vertreten sind. Sollte sich an den Kräfteverhältnissen nichts ändern, dann wird im September das Finanztechnologieunternehmen Wirecard die Commerzbank im wichtigsten deutschen Börsenbarometer Dax ersetzen.

Ähnlich geht es der Deutschen Bank. Ihr Platz im Dax ist ungefährdet. Dafür droht ihr im Herbst nach zwanzigjähriger Mitgliedschaft der Rauswurf aus dem wichtigsten europäischen Index Euro Stoxx 50. Die Frage der Index-Mitgliedschaft ist nicht allein eine Frage des Prestiges. Vor allem passive Fonds orientieren sich bei ihrer Anlage eng an der Zusammensetzung wichtiger Indizes.

17 solcher Exchange Traded Funds mit einer Anlagesumme von insgesamt 17,8 Milliarden Euro folgen dem hiesigen Leitindex. Sie müssten Commerzbank-Aktien verkaufen, falls das Institut aus dem Dax fliegt. Es geht um knapp 17 Millionen Aktien. Auf den Euro Stoxx 50 haben sich sogar 33 Indexfonds spezialisiert und mehr als 35 Milliarden Euro angelegt. Im Fall eines Rauswurfs würden sie sich von mehr als 24 Millionen Deutsche-Bank-Aktien trennen.

Ernsthaft in Gefahr, aus dem Dax zu fallen, ist die Commerzbank. Zum Verhängnis werden könnte der zweitgrößten deutschen Privatbank die stark geschrumpfte Marktkapitalisierung ihrer frei handelbaren Anteilsscheine („Free Float“): Sie brach auf 7,7 Milliarden Euro ein – gemessen daran ist das Geldhaus jetzt kleinster Dax-Wert.

Beim Prüftermin am 5. September hat Verfolger Wirecard zwei Bedingungen zu erfüllen, um auf dem Weg eines sogenannten „Fast Entry“ an die Stelle des Geldhauses zu treten: Der Zahlungsabwickler muss bei der Marktkapitalisierung und beim Handelsumsatz mindestens Platz 25 erreichen.

Wirecard belegt bereits Platz 24 beim ersten und Platz 25 beim zweiten Kriterium. Kein Wunder: Die Wirecard-Aktie legte seit Jahresbeginn um rund drei Viertel zu, die Commerzbank verlor in dieser Zeit 30 Prozent.

Für die Deutsche Bank haben sich dank des kräftigen Kursanstiegs im Juli die Chancen für einen Verbleib im Euro Stoxx 50 verbessert. Dennoch: Die Bank bleibt wegen ihres schwindenden Börsenwerts ein Wackelkandidat.

Denn gemessen an der Marktkapitalisierung ihrer frei handelbaren Aktien ist das größte deutsche Geldhaus, das seit Jahresbeginn rund ein Drittel an Wert verlor, der drittkleinste Wert unter den besten 60 Aktien, die es auf die Auswahlliste für den 50 Werte umfassenden Index schaffen. Ein geringeres Börsengewicht bringen nur der Versorger Eon und der französische Baustoffkonzern Saint-Gobain auf die Waage.

Das könnte bei der nächsten Indexprüfung zum Problem werden. Denn vier Aktien, die bislang noch nicht im Euro Stoxx 50 vertreten sind, hätten aktuell Anspruch auf eine Mitgliedschaft in dem exklusiven Klub: Luxusgüterhersteller Kering, Gasekonzern Linde, die italienische Großbank Unicredit sowie die spanische Amadeus IT Group. Bleibt es dabei, müssten die schwächsten vier Indexmitglieder weichen.

Vor allem der sich abzeichnende Wechsel von der Commerzbank auf Wirecard im Dax hat Symbolcharakter. „Der mögliche Aufstieg von Wirecard in den Dax steht symbolhaft dafür, dass die tradierten Geschäftsmodelle im Bankenbereich in Teilen infrage gestellt werden“, sagt Michael Hünseler, Portfoliomanager bei Assenagon. Wirecard sei technologisch viel weiter vorn und erreiche mit weniger Personal den gleichen Ertrag.

Dax-Struktur verändert sich

Der Dax sei ein Spiegel der deutschen Unternehmenslandschaft, ergänzt Benjardin Gärtner, Leiter Portfoliomanagement Aktien bei Union Investment. „Einstmals eminent wichtige Sektoren wie Banken und Versorger haben in der Struktur des Dax stark an Bedeutung verloren. Daran sieht man: Die Erfolge von gestern zählen an der Börse nicht“, sagt er. Gefragt seien Adressen mit schlüssigen und vor allem mit zukunftsfähigen Geschäftsmodellen.

Genau daran müssen die deutschen Großbanken arbeiten. Laut Hünseler haben sie auf den technologischen Fortschritt erst spät reagiert. „Die alten Dinosaurier müssen sich erheblich anpassen und in IT investieren – oder sie werden weiter unter sinkenden Margen und schwindenden Erträgen leiden“, sagt er. Bei skandinavischen Banken seien viele Prozesse viel stärker automatisiert.

Bei aller Kritik, in Stein gemeißelt ist noch nichts: Seit Anfang Juli hat die Deutsche Bank in dem europäischen Ranking acht Plätze gutgemacht.

„Es gibt viel Schatten und wenig Licht bei der Deutschen Bank“

Falls Euro-Stoxx-Kandidat Unicredit in diesem Monat schwächelt und seinen Anspruch verliert, hätte die Bank eine halbwegs realistische Chance: „Dann müsste die Deutsche Bank nur noch das aktuell viertkleinste Unternehmen Vivendi hinter sich lassen und kann im Euro Stoxx bleiben“, sagt LBBW-Analyst Uwe Streich. Aktuell betrage der Kursabstand auf den französischen Medienwert sieben Prozent.

Auch die Commerzbank könnte Glück haben: Falls sie im Börsenwert noch an dem Konsumgüterhersteller Beiersdorf vorbeizieht oder falls Anleger Aktien des Dax-Aspiranten Wirecard deutlich weniger häufig handeln, dann bliebe alles beim Alten.

Einen kleinen Lichtblick hielt der Freitag für die beiden Großbanken bereit: Die Ratingagentur Moody’s hat wegen einer Gesetzesänderung in Deutschland die Bonität bestimmter Anleihen deutscher Banken herabgestuft. Davon war zwar auch die Deutsche Bank betroffen.

Doch das für die Bank wichtige Rating für Einlagen und Derivate blieb stabil, das Rating für die Gesamtbank stieg sogar, auch wenn der Ausblick negativ blieb. Vor allem vom hochgestuften Emittenten-Rating erhoffen sich die Investmentbanker positive Impulse, ist zu hören, da die Bank dort wieder auf Augenhöhe mit wichtigen Wettbewerbern ist. Besser noch lief es für die Commerzbank: Moody’s verzichtete auf Herabstufungen und hob zwei Ratings an.

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1 Kommentar zu "Deutsche Bankenlandschaft: Warum der drohende Abstieg der Commerzbank aus dem Dax Symbolcharakter hat"

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  • Das Vegetieren deutscher Banken
    Die großen Privatbanken Deutschlands haben in der Vergangenheit sicher sehr viel falsch gemacht und sich ihren einstigen Ruf verdorben. Die Aktionäre fingen die fallenden Institute mit etlichen Kapitalerhöhungen auf und trotzdem blieben die Kurse und Werte dieser Banken kümmerlich, im Vergleich zu Großbanken anderer Länder.
    Dass diese Situation eigentlich nur in Deutschland so daneben liegt, hat für mich vornehmlich mit der politischen und medialen Grundhaltung gegenüber den Banken zu tun. In Deutschland herrscht eben ein anderes Klima oder unnützer klimatischer Wandel.

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