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Deutsche Familienversicherung Erster deutscher Versicherer bietet Vertragsabschluss per Alexa an

Die Deutsche Familienversicherung verkauft als erste deutsche Assekuranz Policen über die digitale Sprachbox Alexa. Experten sehen durchaus Potenzial.
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Die Familienversicherung begibt sich mit ihrem Vorstoß nicht nur beim Vertrieb, sondern auch juristisch auf Neuland. Quelle: Reuters
Alexa-Präsentation

Die Familienversicherung begibt sich mit ihrem Vorstoß nicht nur beim Vertrieb, sondern auch juristisch auf Neuland.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Es ist eine Premiere der besonderen Art. Monatelang hat die Deutsche Familienversicherung an einer Möglichkeit gearbeitet, Policen direkt über die Sprachbox Alexa zu verkaufen. Seit dieser Woche ist das Vorhaben ein Fakt geworden. 

„Es ist und endlich gelungen den volldigitalen Abschluss über Amazon Echo Realität werden zu lassen“, sagte Vorstandschef Stefan Knoll am Montag in Frankfurt. Der Kunde könne sich nun nicht mehr nur von Alexa beraten lassen, sondern zeitgleich, innerhalb von wenigen Sekunden, eine Versicherung abschließen.

Gestartet werde mit einem Angebot für eine Auslandsreisekrankenversicherung, danach werde eine Haftpflicht-Police freigeschaltet. Anschließend folgten nach und nach weitere Produkte. Die an die Börse strebende Frankfurter Assekuranz erschließt sich damit als erster Versicherer in Deutschland den Sprachassistenten des Online-Händlers Amazon als Vertriebskanal.

Die Kombination aus Sprachassistenten und künstlicher Intelligenz sei die Zukunft, begründete Knoll schon jüngst im Handelsblatt den Vorstoß. „Insbesondere einfache Versicherungen – und die Policen werden einfacher - werden in Zukunft auf eine andere Weise abgeschlossen – und mit anders meine ich über eine Website, über Alexa oder Google Home.“

Die Familienversicherung plant noch im Herbst ihren Börsengang. Im November will das Unternehmen so rund 100 Millionen Euro einsammeln und das frische Geld in Marketing, Vertrieb und eine Expansion ins Ausland stecken. Die Aufmerksamkeit, die der Start auf Alexa beschert, dürfte dem Börsenaspiranten also gelegen kommen.

Bisher waren über die Familienversicherung zwar auch schon der Erwerb von Produkten auf Alexa möglich. Doch der Kunde konnte diese nicht komplett über Alexa abwickeln, da Amazon die Bezahlfunktion Amazon Pay noch nicht in die Sprachbox integriert hatte. Das hat sich inzwischen geändert.

Nach der Auslandsversicherung und einer standardisierte Haftpflicht-Police kann sich der Gründer auch eine Zahnzusatzversicherung vorstellen, die direkt über Alexa abgeschlossen werden kann. Auch andere Versicherer arbeiten schon mit Alexa, darunter Zurich, Generali und Allianz. Sie beschränken sich aber bislang darauf, Kunden mittels der Sprachbox über die Eigenschaften und Preise diverser Policen aufzuklären.

Die Familienversicherung begibt sich mit ihrem Vorstoß nicht nur beim Vertrieb, sondern auch juristisch auf Neuland. Denn die Vermittler beäugen das Vorhaben argwöhnisch. So müssen Internetanbieter klare Auflagen erfüllen, was bereits zu juristischen Scharmützeln zwischen dem Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) und dem Vergleichsportal Check 24 geführt hat.

„Das Recht auf Beratung muss genauso gelten für den Online-Kunden wie für Kunden des stationären Vertriebs durch Versicherungsvermittler“, betonte Michael Heinz, Präsident des BVK bereits im August, als die Pläne der Familienversicherung publik wurden.

Doch nach einer aktuellen Studie des Schweizer Digitalhauses Adcubum, bei der 1014 Teilnehmer in Deutschland befragt wurden, könnte Knolls Vorhaben durchaus Schule machen. Zwölf Prozent der Bundesbürger können sich laut der Studie „Digitale Versicherung 2018“ vorstellen, eine Versicherung komplett über einen digitalen Sprachassistenten wie Alexa oder Siri von Apple abzuschließen. Unter den 18-34-Jährigen liegt der Anteil sogar bei 18 Prozent.

Was den Versicherern zudem zu Denken geben sollte: Eine Mehrheit der Befragten stimmte der Aussage deutlich zu, dass die deutschen Assekuranzen mit Amazon & Co. bei den Punkten Verfügbarkeit, Verständlichkeit, Geschwindigkeit und Transparenz nicht mithalten können.

Familienversicherungs-Vorstandschef Knoll ist überzeugt, dass künstliche Intelligenz und die gesamte Digitalisierung für den größten Umbruch in der Menschheitsgeschichte sorgen werden. „Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Versicherungswirtschaft von diesem massiven Veränderungsprozess verschont bleibt“, betont er.

Seine Prognose für die Branche klingt ebenso deutlich wie hart: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wenn dieser Umbruch erfolgt ist, die Versicherungsbranche in ihrer bisherigen Form nicht mehr existieren wird“. Für die 60-Jährigen in der Branche reiche es noch. Aber alle anderen müssten sich auf gewaltige Veränderungen einstellen. „Kein Stein wird auf dem anderen bleiben.“ Knoll selbst muss sich augenscheinlich keine großen Sorgen machen: Im Dezember wird er 61 Jahre alt.

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