Deutsche Pfandbriefbank Wenn selbst die „gute Bank“ zur „Bad Bank“ wird

Der Österreich-Schock frisst sich in die Bücher von Geldhäusern wie der Deutschen Pfandbriefbank. Eine aufgekündigte Bürgschaft Kärntens schockt vor allem das deutsche Geldwesen. Viele Banken sehen nur einen Ausweg.
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Die Heta-Anleihen galten als sehr sicher, dann kam der Schreck – Kärnten steht nicht zur Bürgschaft für die Bad Bank der Hypo Alpe Adria. Quelle: Getty Images
Vertrag mit dem Teufel

Die Heta-Anleihen galten als sehr sicher, dann kam der Schreck – Kärnten steht nicht zur Bürgschaft für die Bad Bank der Hypo Alpe Adria.

(Foto: Getty Images)

MünchenEigentlich sollte die Deutsche Pfandbriefbank (pbb) die „gute Bank“ sein. Das Münchener Institut ist die Nachfolgerin der Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE), die in der Finanzkrise vor dem Aus gestanden hatte. Die HRE wurde damals aufgespalten, die guten Teile der Bank wurden auf die pbb übertragen, die schlechten HRE-Wertpapiere landeten in der FMS Wertmanagement.

Doch es zeigt sich: Auch die pbb hat Papiere in ihren Büchern, die einst als solide galten und sich jetzt als Ausfälle entpuppen. Forderungen von insgesamt 395 Millionen Euro gegenüber der österreichischen Heta sind das Problem.

Die Heta ist die „Bad Bank" der Hypo Alpe Adria. Auch das Kärntner Institut hatte sich verspekuliert, musste vom österreichischen Staat aufgefangen werden und wird nun unter dem Namen Heta Asset Resolution abgewickelt.

Welche deutschen Institute zittern müssen
L-Bank - zweistelliger Millionenbetrag
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Die staatliche Förderbank für das Land Baden-Württemberg soll bei der Heta, dem Nachfolgeinstitut der Hypo Alpe Adria, mit einem zweistelligen Millionenbetrag engagiert sein.

DZ Bank - mittlerer zweistelliger Millionenbetrag
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Auch auf das Zentralinstitut der Genossen könnte durch den Schuldenschnitt ein Millionenverlust zukommen.

DWS Investment - 275 Millionen Euro
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Die Deutsche Asset & Wealth Management Investment gehört zur Deutsche Bank Gruppe und könnte ebenfalls Millionen bei der Hypo Alpe Adria verlieren.

NRW-Bank - 276 Millionen Euro
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Die Förderbank des Landes NRW ist ebenfalls in Österreich engagiert gewesen.

Pimco - 292 Millionen Euro
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Die Allianz-Tochter Pimco ist im sonnigen Kalifornien zuhause. In Österreich droht Pimco nun durch den Schuldenschnitt ein Millionenverlust.

FMS Wertmanagement - 295 Millionen Euro
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Die FMS – die Bad Bank der Hypo Real Estate in München – macht ihrem Namen alle Ehre, und muss um das Geld fürchten, das in der Hypo Alpe Adria steckt.

Düsselhyp - 348 Millionen Euro (Stand: Ende 2013)
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Die Düsseldorfer Hypothekenbank hat noch Altlasten der Hypo Alpe Adria in den Büchern. Für die Bank könnte das sogar zu einer Schieflage führen.

Zahlreiche Banken und Versicherungen haben in der Vergangenheit Papiere der Hypo Alpe Adria gekauft, weil sie mit einer Ausfallbürgschaft des österreichischen Bundeslandes Kärnten versehen waren und daher als besonders sicher galten. Doch Anfang März verhängte die österreichische Finanzmarktaufsicht ein Moratorium über die Heta. Die Bürgschaften für Heta-Verbindlichkeiten waren damit außer Kraft gesetzt und eine Schockwelle verbreitete sich durch das Finanzsystem. Die Gläubiger müssen nun ihre Bilanzen bereinigen.

Abschreibungen um 79 Millionen Euro aufgestockt

Zahlreiche Institute klagen wegen des österreichischen Vorgehens. So hat die NRW Bank in Frankfurt Klage eingereicht. Die Förderbank des Landes Nordrhein-Westfalen klagt auf die vollständige Rückzahlung ihrer Bonds im Nominalwert von 275,5 Millionen Euro.

Die pbb hatte in einer ersten Reaktion auf die Nachrichten aus Österreich eine Wertberichtigung in Höhe von 120 Millionen Euro vorgenommen. Doch das reichte nicht. Am späten Mittwochabend verschickte sie eine Mitteilung mit der Nachricht, die Abschreibungen um 79 Millionen Euro aufzustocken.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte in der Woche nach Ostern die Branche aufgefordert, Anleihen und Kredite an die Heta um mindestens 50 Prozent abzuschreiben, wie das Handelsblatt zuerst berichtet hatte. Dieser Vorgabe folgt die pbb jetzt.

FMS Wertmanagement und andere reichen Klagen ein
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18 Kommentare zu "Deutsche Pfandbriefbank: Wenn selbst die „gute Bank“ zur „Bad Bank“ wird"

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  • Nun, dann sollte halt gepfändet werden.
    Kärnten hat ein Einkommen, nämlich Steuern, oder?

    Wenn ich eine Bürgschaft unterschreibe, bin ich schliesslich auch dran, warum sollte das bei einem Bundesland anders sein?

  • Das Problem war und ist, dass weltweit Risiken aufgebaut werden und dafür gute Zinsen genommen wurden (derzeit eher nicht). Wenn es dann schief geht, soll wer anderes dafür haften. Privatisierung der Gewinne, Sozialisierung der Verluste. So kann es nicht weitergehen. Chance und Risiko müssen wieder in einer Hand sein. Ich weiß nicht, ob der Staat Österreich für seine Bundesländer haften muß. Wenn es so ist, ist das aber falsch. Wenn jeder sich darauf verlassen kann, dass wertlose Bürgschaften von anderen eingelöst werden müssen, dann ist Moral Hazard doch Tür und Tor geöffnet, siehe Finanzmarktkrise.

  • Interessant was sie so alles schreiben immer davon ausgehen, daß der Staat seine
    Schulden begleicht. Der Staat hat aber nie vor, seine Schulden zu bezahlen
    und hat es auch am Ende nie wertgleich getan. Warum auch. Im Zweifel schöpft er neues Geld. Es gibt mehr Geld als Heu auch wenn sie es nicht glauben.

  • Danke für das rege Interesse an meinem ersten Kommentar. Das Problem ist vielschichtig und der fatale Anstoß könnte aus einer ganz anderen Ecke kommen. Also schön der Reihe nach:

    1- Basel III sagt null Risiko für Staatsanleihen. Aber das Handelsgesetz und die Pflicht des ordentlichen Kaufmanns wird die Banken zwingen, Eigenkapital zur Hinterlegung wackelnder Staatsanleihen bereitzuhalten. Eigenkapital, das sie im erforderlichen Umfang z.Zt. gar nicht haben oder woanders abziehen müssen.

    2- Dies beeinflußt den Zins und damit den Kurs solcher Anleihen. Das zwingt zum Nachdenken in der Anlagepolitik. Ein run, diesen Zündstoff schnell los zu werden, könnte die Folge sein.

    3- Andere Anleger - die institutionellen wie Versicherungen und Pensionsfonds - würden sich anschließen und den Druck verstärken. Lange wird es ohnedies nicht mehr dauern, daß die Rebellion von dieser Seite kommt.

    4- Freilich kann die EZB den Markt stützen und die Ware vom Tresen nehmen. Sie müßte aber auch den Zins erhöhen, um glaubhaft zu bleiben. Wie weit da die Politik mitspielt, wissen die Götter, denn auch die Regierungen werden von unten unter Druck kommen, wenn die Altersversorgung auf breiter Front einbricht und die steigenden Zinsen die Haushalte platzen lassen.

    5- Die EZB kann zwar den Zins drücken. Wenn jedoch der Markt höhere Zinsen will, wird er sie bekommen und sie ist machtlos dagegen. Denn am Ende hat jeder genug getankt bei der EZB, braucht aber Rendite, zumal dann auch die Inflation in Fahrt gerät.

    6- Ob es da je eine 'weiche Landung' gibt steht in den Sternen. Ich möchte jedenfalls nicht Draghi heißen.

  • @Bauer: das stimmt, es ist ein Fehler, dass die Staatsanleihen quasi risikolos sein sollen. Das ist politisch so gewollt, damit die Staaten sich günstiger finanzieren können. Ganz korrekt ist es nicht, das stimmt, ich wäre auch dafür dies zu ändern.

    ABER: die Anleihen werden ja nicht wertlos, wir sprechen wir von ein paar Basispunkten (100 BP = 1%). Das heisst nicht, dass z.B. Anleihen für das Land NRW nicht mehr gehandelt werden. Sie wären nur ein bisschen teurer. Und das auch nur: wenn sich diese Praxis in Österreich und dann auch in Deutschland durchsetzen würde und juristisch haltbar wäre. Was ich nicht glaube, denn eine Bürgschaft nachträglich zu ändern, ist doch eine seltsame Auslegung. Hierfür können die Banken aber auch rein gar nichts.

  • Staatsanleihen und Eigenkapital-Unterlegung: Man sollte auf jeden Fall hinterfragen, ob so pauschal Staatsanleihen als so sicher gelten können, dass Banken diese nicht mit Eigenkapital unterlegen müssen. Allerdings sehe ich das eher vor dem Hintergrund von Anleihen von Staaten wie Griechenland oder Portugal. Auch wenn letztlich natürlich generell die Risikolos-Fiktion verschwinden müsste, könnte sie kaum sinnvoll durch irgend eine andere Pauschal-Regelung ersetzt werden. Vielmehr müsste hier auf die jeweilige Risikosituation des Schuldnerlandes abgestellt werden. Staatsanleihen Österreichs dürften auch dann als vergleichsweise sehr sicher eingestuft und damit mit eher wenig EK zu unterlegen sein. Verfiele dann allerdings auf wundersamerweise im Nachhinein die Staatsgarantie für eine Anleihe eines eher fragwürdigen Schuldners, würde so ein Fall auch dann noch die Banken in arge Bedrängnis bringen. Zwar wäre die Anleihe dann zumindest schonmal mit ein "bisschen" Eigenkapital unterlegt. Dennoch wäre auch dann noch eine ganze Menge zusätzlichen EKs erforderlich und könnte zu Unterkapitalisierungen bei Banken führen.

    Fazit: Das Problem hier ist nicht die eine zu optimistische Betrachtung von Staatsanleihen, sondern vielmehr, dass sich auf nicht nachvollziehbare Weise ein Staat einfach aus einem Haftungsversprechen entlässt und damit die Gläuber der Anleihe quasi zwangsläufig in arge Bedrängnis bringt.

    PS: Was man aber schon noch beachten sollte ist, dass die Verpflichtung der Banken, Staatsanleihen mit EK zu unterlegen, grundsätzlich zu höheren Zinsaufwendungen der Staaten führen würde, da (höhere) EK-Kosten in die Kalkulation der Geldgeber einfließen müssten.

  • Zunächst vermute ich mal, dass auch in Österreich in letzter Instanz der Bund für die Verbindlichkeiten seiner Gebietsköperschaften aufkommen müsste. Von daher dürfte sich die Frage nach der Größe Kärtens bei der Beurteilung der Werthaltigkeit so einer Haftung eher nicht stellen. Die Entscheidung darüber war eine politische, vermutlich - wie schon hier angemerkt -, um teurere Zinsen durch Risikoaufschläge zu verhindern. Ich hätte gerne die Diskussion hier erlebt, wenn der Kapitalmarkt - quasi wie jetzt im Nachhinein gefordert - diese Bürgschaft eben nicht als werthaltig eingestuft und somit diesen Kredit verwährt oder zumindest nur zu weit schlechteren Zinsen gewährt hätte! Verständnis oder gar Zustimmung hätte man sicher nicht erwarten dürfen.

    Aber der Punkt ist ja garnicht, dass Kärnten dafür nicht aufkommen kann sondern vielmehr, dass ein Gericht die Bürgschaft quasi hat untergehen lassen. Damit steigt das Ausfallrisiko bei diesem Kredit natürlich imens und seine Werthaltigkeit sinkt im Gegenzug und sorgt für unangenehmen Abschreibungsbedarf. Aber wie bitte schön kann so eine Bürgschaft einfach nachträglich weggezaubert werden?

    Die Landesbanken haben eine ganze Menge dummes Zeug gebaut. Ihnen aber vorzuwerfen, dass es doch klar vorherzusehen war, dass hier eine Staatsbürgschaft gleichsam im Nachhinein verschwindet, zeugt davon, wie wenig Ahnung die Absender von dieser Materie haben und außerdem von enormer Hochnäsigkeit und Schwarz-Weiß-Denken. Fünf Finger und Grundrechenarten reichen dafür auf jeden Fall nicht aus.

  • @D. H. Bauer
    Ich halte Ihre Analyse durchaus für zutreffend.
    Allerdings wird der Stein erst ins Rollen kommen, wenn die EZB ihre Geldschwemme beendet.
    Bei einer Risikoprämie von nahe Null für Anleihen im Euroraum, dürfen alle Geldverleiher noch ein wenig weiter vor sich hin dösen.
    Diese Reaktion Österreichs auf die Forderungen der Gläubiger ist nur ein weiterer Stein auf dem Weg zum großen Crash.

  • @ Ch. Kohl
    Das hat mit nörgeln nichts zu tun. Denn: Staatsanleihen (und diese Anleihe ist durch die Bürgschaft Kärntens eine solche geworden) sind nicht mit Eigenkapital unterlegt, da sie gemäß Definition (Basel III) risikolos sind. Dieser Fall zwingt nun dazu, diese Prämisse zu hinterfragen. Damit wird eine Bank nach der andern wohl erklären müssen, daß sie durch die nun auch handelsgesetzlich gebotene Risikovorsorge unterkapitalisiert sein wird. Diese Anleihen werden dadurch entwertet, da sie niemand mehr anfassen will, der Kurs sinkt, was wiederum den Marktzins treibt. Die Lawine kommt ins Rollen.

    Am Ende werden alle diese Titel bei der EZB landen, um zu retten, was noch zu retten ist.

  • Die Einwohner Kärntens haben politische Vertreter gewählt, die ihre Interessen vertreten. Dafür brauchen diese Geld (Sozialausgaben, Infrastruktur, etc.). In den meisten (Industrie-)Ländern dieser Welt ist es so: Steuereinnahmen reichen meistes nur für 90 bis 95 % der staatlichen Ausgaben, also besorgen sich Staaten, Bundesländer, etc. das Geld am Finanzmarkt (mittels Anleihen).

    Nun zur Geschichte: Eine Bank im Lande Kärnten ging den Bach herunter und die Politiker Kärntens / Österreichs wollten kein Chaos (keine Gehaltszahlungen, keine Renten, generell kein Zahlungsverkehr) riskieren. Dies, also das Chaos weil keine Zahlungen in der Wirtschaft mehr getätigt werden können, wäre sehr wahrscheinlich bei einem Bankenzusammenbruch der Fall gewesen. Also hat man die Hypo Alpe Adria gerettet. Man bekommt das Geld billiger, wenn man dafür einen Bürgen hat. Also hat Kärnten sich entschlossen, zu bürgen.
    Wenn man diese Bürgschaft einseitig aufhebt, ist das ein klarer Rechtsverstoß und gegenüber den gutmeinenden Investoren eine arglistige Täuschung. Wenn das so durchgeht, ist die Bürgschaft für viele Länder, Staaten, etc. wertlos und die Finanzierung z.b. Hessens, Bayerns oder Deutschlands wird teurer. Sie müssen einen Risikoaufschlag zahlen, da die Bürgschaft nichts wert ist. Risikoaufschlag = höhere Steuern!

    P.S. wenn das angebliche Schneeballsystem zusammenbrechen sollte, gibt es einen Währungsschnitt und es geht die nächsten 80 Jahre weiter. Und jetzt? Was ist denn eine realistische Alternative? Habe ich von den Dauernörglern noch keine gehört, deswegen sind und bleiben sie auch eine Randgruppe.

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