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Deutschlands Banker rechnen mit weiterer Konzentration in der Finanzbranche – Diskussion mit Ulrich Brixner, Alexander Dibelius, Thomas Fischer und Jürgen Fitschen Der Traum von nationalen Champions ist ausgeträumt

Die deutsche Kreditwirtschaft glaubt nicht mehr an „nationale Bankenchampions“: Anders als Politik und Industrie hat die Finanzwelt selbst die Schaffung eines zweiten, international bedeutenden Bankkonzerns neben der Deutschen Bank abgehakt.
  • Christian Potthoff (Handelsblatt)

HB FRANKFURT/M. Dies wurde bei einem Handelsblatt-Forum deutlich, an dem DZ-Bank-Chef Ulrich Brixner, Goldman-Sachs-Deutschland-Chef Alexander Dibelius, WestLB-Chef Thomas Fischer und Jürgen Fitschen von der Deutschen Bank teilnahmen. „Global Player oder nationaler Champion zu sein ist kein Wert an sich“, sagte Dibelius.

Das Thema „nationaler Champion“ nach französischem Vorbild kam in letzter Zeit in Mode, weil der Rückstand der deutschen Finanzinstitute gegenüber den internationalen Konkurrenten allzu offensichtlich wurde. Nur noch die Deutsche Bank liegt beim Börsenwert unter den zehn größten Häusern Europas, der Rest rangiert unter „ferner liefen“. Als dann vor Jahresfrist auch noch die Citigroup Interesse an der Deutschen Bank zeigte, bedrängte die heimische Wirtschaft Bundeskanzler Gerhard Schröder, den Verkauf des einzigen nationalen Champions zu verhindern. Die Industrie fürchtet ohne starkes Heimatinstitut Nachteile gegenüber ausländischen Konkurrenten, die womöglich auf Hilfe von Banken aus dem eigenen Land bauen können.

Die von Ertragsproblemen geplagten Banker haben ganz andere Sorgen. „Wichtiger als die Schaffung eines großen nationalen Champions ist die Wiederherstellung der Ertragskraft des gesamten Bankensektors“, meint Jürgen Fitschen, Deutschland-Chef der Deutschen Bank. WestLB-Chef Fischer assistiert: „Ein nationaler Champion ist eine politische Kategorie, keine betriebswirtschaftliche.“

In anderen Ländern geht dies Hand in Hand. Quer durch Europa entstanden durch Fusionen schlagkräftige Finanzriesen, die nicht nur auf Basis hoher Marktanteile in der Heimat vermehrt ins Ausland drängen, sondern auch extrem profitabel sind. In Großbritannien etwa sitzen mit HSBC und der Royal Bank of Scotland gleich zwei der fünf nach Börsenwert weltgrößten Banken. Auch Länder wie die Schweiz mit UBS und Credit Suisse oder Spanien mit Santander und BBVA können wenigstens mit zwei international respektierten Häusern aufwarten.

Die Schuld am Rückstand der heimischen Institute weisen die privaten Großbanken der Dreiteilung der heimischen Kreditwirtschaft in private Institute, öffentlich-rechtliche Landesbanken und Sparkassen sowie die Genossenschaften zu. Das starre „Drei-Säulen-Modell“ verhindere dringend notwendige Zusammenschlüsse, lautet ihr Mantra. „Der deutsche Bankensektor ist in seiner Wettbewerbsfähigkeit eingeschränkt“, sagt Fitschen.

WestLB-Chef Fischer sieht das anders. Der Banker, der vor seiner öffentlichen-rechtlichen Zeit auch bei der Deutschen Bank arbeitete, verweist darauf, dass die deutschen Institute vor 20 Jahren international vorne lagen – und schon damals gab es das Drei-Säulen-Modell. „Bei der Diskussion über die Schwierigkeiten der privaten Banken sollte man die hausgemachten Fehler sehen.“ DZ-Chef Brixner schiebt der Industrie den Schwarzen Peter zu. Die Vorstände der Industrieunternehmen riefen zwar nach nationalen Champions, würden aber ihre Kapitalmarktgeschäfte bevorzugt mit Hilfe ausländischer Banken machen.

Dennoch sind alle vier Banker davon überzeugt, dass die Konsolidierung voranschreitet – wenn auch nur innerhalb der Säulen. Beispiel Genossenschaften: Unter den Volksbanken rollt langsam aber sicher die Fusionswelle. Auch die Zahl der regionalen Spitzeninstitute ist von 17 auf zwei geschrumpft: die WGZ als Spitzeninstitut der Volksbanken in Nordrhein-Westfalen und die fünfmal größere DZ-Bank für alle anderen deutschen Volks- und Raiffeisenbanken. Selbst dieses Duo hat bereits über eine Fusion verhandelt. Derzeit liegen die Gespräche zwar wegen eines Streits über die Form des Zusammenschlusses auf Eis, aber Brixner gibt sich zuversichtlich: „Die Fusion wird wahrscheinlich kommen.“

Besonders akut ist der Handlungsdruck bei den Landesbanken. Ab morgen müssen die öffentlich-rechtlichen Institute ohne Staatsgarantien auskommen. Damit bricht den Landesbanken ihr traditionelles Geschäftsmodell weg, das darin bestand, mit Hilfe des – dank der Staatsgarantien – günstigen Ratings billig Geld aufzunehmen und weiterzureichen. Künftig werden die Ratings schlechter, und das Spiel funktioniert nicht mehr. Weitere Zusammenschlüsse, darin sind sich die Fachleute einig, sind nur noch eine Frage der Zeit. Heute gibt es elf Landesbanken in Deutschland. Nur acht von ihnen sind selbstständige Konzerne. Die Landesbank Rheinland-Pfalz gehört mittlerweile zur Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die SaarLB zur Bayerischen Landesbank und die Bremer Landesbank zur NordLB. Nach Meinung Fischers werden von den acht nur vier übrig bleiben. „Meiner Einschätzung nach wird es die BayernLB und etwa drei weitere Landesbank-Gruppen geben.“

Gerade Fischers eigenes Institut könnte überdies ein Testfall für die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Sektors werden. Das Land Nordrhein-Westfalen will seinen Anteil an der WestLB versilbern – und schließt den Verkauf an private Investoren nicht aus. Sollte das Paket in private Hände übergehen und nicht von den Sparkassen in Nordrhein-Westfalen gekauft werden, wäre dies ein Präzedenzfall für weitere Landesbanken. Nicht nur Fischer glaubt, dass andere Bundesländer aus finanziellen Nöten dem Beispiel Düsseldorfs folgen könnten.

Bestechend einfach wäre auf den ersten Blick allerdings ein ganz anderer Weg, um einen nationalen Champion zu schaffen: Der Zusammenschluss aller Sparkassen und Landesbanken unter einem Dach. „Die Sparkassenorganisation wäre nach Bilanzsumme weltweit die Nummer eins, wenn sie denn ein Konzern wäre“, sagt Dibelius. Vom Geschäftsmix wären Fusionen der auf das Filialgeschäft spezialisierten Sparkassen und der auf Großkunden ausgerichteten Landesbanken sicherlich sinnvoll. Viele auf Selbstständigkeit bedachte Sparkassen fürchten jedoch eine „vertikale Integration“ wie der Teufel das Weihwasser. Zwar entstand die LBBW aus dem Zusammenschluss von Sparkassen und einer Landesbank. Anderswo sind die Hemmschwellen aber noch hoch. Auch Fischer muss damit leben, dass „unsere Eigentümer für Nordrhein-Westfalen eine vertikale Fusion von WestLB und Sparkassen sogar vertraglich ausgeschlossen haben“. Ähnlich sieht es bei den Genossen aus. Brixner hält eine vertikale Fusion zwischen Spitzeninstituten und Volksbanken für eine „Todsünde“.

Bleiben die privaten Banken: Nachdem diverse Anläufe zu „deutschen Fusionen“ gescheitert sind, geht die Hypo-Vereinsbank (HVB) jetzt vermutlich in die Hände der italienischen Unicredito über. Der letzte Versuch einer innerdeutschen Konsolidierung platzte im vergangenen Sommer. Damals hatte die Bundesregierung mit einem Verkauf der Postbank an die Deutsche geliebäugelt. Doch scheiterte der Deal schon im Ansatz. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann erneuerte kürzlich im Handelsblatt sein Kaufinteresse, holte sich aber postwendend eine Absage von Post-Chef Klaus Zumwinkel.

Stattdessen bereitet sich die Postbank selbst auf eine Übernahme vor: Das Institut gilt als Favorit für den Kauf der Bausparkasse BHW. Diese gilt als eine der letzten großen Akquisitionsmöglichkeiten im Inland. Als nationaler Champion würde das Duo allerdings mangels Größe nicht durchgehen. Diese Rolle bleibt in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt bis auf weiteres der Deutschen Bank vorbehalten.

Und weil das so ist, loben selbst „säulenfremde“ Banker gelegentlich den in der breiten Öffentlichkeit viel gescholtenen Rivalen. Auf die Deutsche Bank, so meint DZ-Bank-Chef Brixner, „kann man stolz sein“.

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