Devisenmanipulation Das Kartell der Chatter

Das US-Justizministerium bringt drei ehemalige Devisenhändler wegen Manipulationen von Devisenkursen vor Gericht. Ihnen die mutmaßlichen Vergehen nachzuweisen, wird allerdings sehr schwierig werden.
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Devisenhändler sollen zwischen 2007 und 2013 Dollar-Euro-Kurse manipuliert haben – es geht um Handelsgeschäfte mit einem Gesamtvolumen von Hunderten von Milliarden Dollar. Quelle: dpa
Wechselstube in London

Devisenhändler sollen zwischen 2007 und 2013 Dollar-Euro-Kurse manipuliert haben – es geht um Handelsgeschäfte mit einem Gesamtvolumen von Hunderten von Milliarden Dollar.

(Foto: dpa)

LondonSie fühlten sich offenbar als Teil einer verschworenen Gemeinschaft. „Das Kartell“ und „Die Mafia“ nannten sie sich: Devisenhändler internationaler Großbanken, die sich in Online-Chatforen regelmäßig über Entwicklungen auf dem Währungsmarkt besprachen und dabei wohl auch massiv gegen Regeln verstoßen haben sollen. Das bringt jetzt einstige Mitglieder der Chatgruppen vor Gericht.

Das US-Justizministerium hat am Dienstag drei ehemalige Währungshändler von Citigroup, Barclays und JP Morgan angeklagt. Sie hätten sich zwischen Dezember 2007 und Januar 2013 zusammengetan, um Dollar-Euro-Kurse zu manipulieren, teilte die Behörde mit. Das Zusammenwirken habe dazu geführt, dass sie sich auf unfaire Art und Weise Vorteile verschafft hätten – auf Kosten ihrer Kunden, heißt es. Es sei an Handelsgeschäften mit einem Gesamtvolumen von Hunderten von Milliarden Dollar gedreht worden.

Dies sind die ersten Anklagen gegen mutmaßliche Schlüsselfiguren im Skandal um Devisenmanipulationen, der Ermittler und Aufsichtsbehörden bereits seit Jahren beschäftigt. Die Affäre hatte bereits zivilrechtliche Konsequenzen. Internationale Großbanken haben Strafen von insgesamt etwa zehn Milliarden Dollar gezahlt. In Großbritannien hat sich die Behörde für schwere Wirtschaftsverbrechen, das Serious Fraud Office (SFO), im März vergangenen Jahres aber gegen strafrechtliche Schritte entschieden. Man habe nicht genug Beweise gefunden, um dies zu rechtfertigen, hieß es damals. Die Ermittlungen wurden daher beendet.

So viel mussten Banken für ihre Fehler hinblättern
Deutsche Bank – 202 Millionen Dollar
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Mai 2012: Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Deutsche Bank – 725 Millionen Euro
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Dezember 2013: Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Rabobank – 774 Millionen Euro
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Oktober 2013: Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

Britische Banken – 1,3 Milliarden Pfund
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August 2013: Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Commerzbank – 1,45 Milliarden Dollar
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März 2015: Die Commerzbank muss wegen des Streits mit US-Behörden um Sanktionsverstöße und Geldwäsche-Vorwürfe tief in die Tasche greifen. Im Rahmen eines lang erwarteten Vergleichs zahle das zweitgrößte deutsche Geldhaus 1,45 Milliarden Dollar. Die USA warfen der Commerzbank vor, gegen Wirtschafts-Sanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben.

UBS – 1,5 Milliarden Dollar
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Dezember 2012: Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilte, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an amerikanische, britische und Schweizer Behörden.

Deutsche Bank – 2,5 Milliarden Dollar
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April 2015: Die Deutsche Bank muss im Libor-Skandal eine Strafzahlung in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar (2,33 Milliarden Euro) in Großbritannien zahlen.

Die jetzt von der US-Justiz angeklagten Ex-Banker leben außerhalb der USA. Experten zufolge könnte es länger dauern, bis sie an die USA ausgeliefert werden. Die Gerichtsjury von ihrer Schuld zu überzeugen, könnte eine noch größere Hürde darstellen, heißt es aus Kreisen, die mit der Sache vertraut sind, da man ganz klar nachweisen müsste, dass Absprachen in den Chatrooms auch tatsächlich zu den von den Händlern beabsichtigten Reaktionen geführt hätten.

Das könnte angesichts der Größe des Devisenmarktes schwierig werden. Täglich werden dort gut fünf Billionen Dollar bewegt. Ein einzelner Kaufauftrag schlägt daher häufig keine besonders hohen Wellen.

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1 Kommentar zu "Devisenmanipulation: Das Kartell der Chatter"

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  • Herr Mark Hoffmann11.01.2017, 15:09 Uhr
    Es langt schon, wenn wir mit der Grün-Sozialistischen Merkel wieder in einen grün-linken"Nazi-Deutschland" wieder angekommen sind.

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