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Die wichtigsten Fragen und Antworten Wie realistisch ist eine Übernahme der Commerzbank durch die Deutsche Bank?

Fusionsgerüchte haben die Aktien von Commerzbank und Deutscher Bank nach oben getrieben. Doch wie realistisch sind diese Gedankenspiele? Die wichtigsten Fakten.
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Banken: Nur jede dritte Fusion funktioniert Quelle: dpa
Banken-Skyline in Frankfurt

Spekulationen über eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank halten sich hartnäckig. Einig sind sich Experten aber auch, dass ein Zusammenschluss mit neuen Problemen verbunden ist.

(Foto: dpa)

FrankfurtEs war ein kurzes, aber heftiges Strohfeuer. Am Mittwoch schossen die Börsenkurse von Deutscher Bank und Commerzbank in die Höhe. Grund waren Gerüchte, dass die beiden Geldhäuser vielleicht doch schneller fusionieren könnten als bislang erwartet.

Am Donnerstag hatte die Banken allerdings bereits wieder der Börsenalltag eingeholt, beide Aktien lagen im Minus. Bleibt die Frage: Kommt die Fusion wirklich? Und, wenn ja, wann?

Wie wahrscheinlich ist die Fusion?

Es ist nicht das erste Mal, dass Commerzbank und Deutsche Bank einen Zusammenschluss ausloten. Der „Sommerflirt“ 2016 scheiterte allerdings an den unerledigten Problemen beider Geldhäuser, besonders an den damals noch enormen Rechtsrisiken der Deutschen Bank.

Diese Risiken sind inzwischen zum großen Teil abgebaut, und der Sommerflirt zeigt, dass beide Partner einer Ehe grundsätzlich nicht abgeneigt sind. Allerdings gilt eine kurzfristige Übernahme der Commerzbank durch den größeren Frankfurter Nachbarn als unwahrscheinlich.

Die Deutsche Bank betont nach wie vor, dass in den nächsten 18 Monaten keine große strategische Maßnahme geplant sei. Der Vorstandschef wisse, dass er derzeit den Aktionären eine Fusion kaum vermitteln könne, hieß es bereits vor einigen Monaten. Außerdem sei die Integration der Postbank in die Deutsche Bank noch lange nicht abgearbeitet.

Von Commerzbank-Chef Zielke heißt es, dass er sich zwar eine Fusion zeitnäher vorstellen könne, sich in den vergangenen Monaten aber nicht intensiv mit dem Thema beschäftigt habe. Wichtige Bankenaufseher würden es ebenfalls lieber sehen, wenn beide Institute zuerst ihre Hausaufgaben erledigten.

Zwei Szenarien könnten allerdings einen Zusammenschluss beschleunigen: Eines der beiden Geldhäuser rutscht in eine gefährliche Krise, oder einer der Banken droht eine internationale Übernahme. Zwar haben beide Banken 2018 weit über 40 Prozent ihres Börsenwerts verloren, aber trotz des Misstrauens der Anleger sagen die Analysten im Schnitt für beide Institute für dieses und das nächste Jahr schwarze Zahlen voraus.

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Um eine Übernahme aus dem Ausland müsse sich zumindest die Deutsche Bank keine Sorgen machen, meinen Investmentbanker. Zu riesig sei die Bilanz, zu groß seien die Risiken. Bei der Commerzbank könnte das anders aussehen. Der niedrige Börsenkurs könnte theoretisch internationale Bieter anlocken, allerdings sind große Bankenfusionen in Europa durch den zersplitterten Markt noch immer ein riskantes Unterfangen.

Sollte sich trotzdem ein Bieter an die Commerzbank heranwagen, würde das auch die Deutsche Bank in Zugzwang bringen, da ihr auf dem Heimatmarkt ein mächtiger Konkurrent erwachsen würde.

Was spricht für eine Fusion?

Auf den ersten Blick verspricht eine Fusion erhebliche Kosteneinsparungen. Der Barclays-Analyst Amit Goel taxiert die potenziellen Synergien auf 20 bis 30 Prozent der Kosten des Übernahmeziels. Finanzmathematisch würde sich ein Deal also rechnen – zumindest nach hohen Anlaufkosten.

Aus einer Fusion „könnte eine Bank entstehen, die ihre Kapitalkosten verdient“, meint Goel. Mit dem Zusammenschluss würde außerdem eine weitaus größere Bank mit großen Anteilen im Firmenkundengeschäft und mit nennenswerten Marktanteilen im Privatkundengeschäft entstehen.

Ein größerer Kundenstamm würde helfen, die teuren IT-Systeme auszulasten, außerdem würden höhere Marktanteile mehr Preismacht bedeuten. Im Fall von Deutscher Bank und Commerzbank spricht noch ein weiterer Punkt für eine Fusion: Das Investmentbanking der Commerzbank gilt als schwach, dafür ist ihr Wachstum im Privatkundengeschäft stärker. Beide Häuser haben also unterschiedliche Stärken, die sich in Teilen ergänzen.

Was spricht gegen eine Fusion?

Es gibt aber auch genug Gründe, die gegen eine Bankenehe sprechen. Eine so große Übernahme wäre ein finanzieller Kraftakt für die Deutsche Bank. Barclays-Analyst Goel schätzt die einmaligen Restrukturierungskosten auf rund 150 Prozent der erhofften jährlichen Einsparungen.

Dazu kämen weitere Belastungen, weil stille Lasten in den Bilanzen aufgedeckt würden. Die Deutsche Bank dürfte sich im Falle einer Fusion in eine Holding umwandeln wollen. Das würde ihre Struktur vereinfachen, worauf auch Bankenaufseher Wert legen.

Allerdings müsste das Institut dann seine Bilanzpositionen neu bewerten. Daraus dürften hohe Belastungen erwachsen. Auch bei der Commerzbank schlummern stille Lasten, etwa beim milliardenschweren Portfolio italienischer Staatsanleihen. Die Deutsche Bank ist sich bewusst, dass eine Fusion ohne Kapitalerhöhung kaum möglich wäre. Nach dem Absturz an der Börse wäre diese bei den Investoren aber kaum durchzusetzen.

Außerdem droht ein derart großer Zusammenschluss eine Organisation auf Jahre hinaus zu lähmen, und das in einer Zeit, in der die gesamte Branche durch die Digitalisierung umgekrempelt wird. Dazu kämen Jobverluste im fünfstelligen Bereich. Bereits bei der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank gingen mehr als 25.000 Stellen verloren.

Jan Duscheck, in der Gewerkschaft Verdi für Banken zuständig und Aufsichtsrat der Deutschen Bank, schließt eine Fusion daher derzeit aus. Sie löse nicht die Probleme. Schließlich stellt sich die Frage, wie sehr eine fusionierte Bank ihre Marktmacht ausspielen könnte.

Gerade im Firmenkundengeschäft gilt, dass Unternehmen sich nicht gern auf eine einzige Bank verlassen. Viele heimische Firmen arbeiten mit der Deutschen Bank und der Commerzbank zusammen. Einen Teil des Geschäfts dürften sie auf andere Institute verlagern, wenn die beiden gemeinsame Sache machen. „Da macht eins plus eins nicht zwei, sondern vielleicht 1,5 oder 1,7“, heißt es bei einem Wettbewerber.

Das Fazit von Stuart Graham, Analyst bei Autonomous Research: „Im Reich der Excel-Tabellen mag der Zusammenschluss gut für die Aktionäre aussehen, aber wir bfürchten, dass er in der Praxis zu komplex wäre.“

Welche Rolle spielt die Regierung?

Es war auf dem „Banken-Gipfel“ des Handelsblatts Ende August, als Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) klarmachte, dass Deutschland starke Banken braucht; gleichzeitig kündigte er eine Industriepolitik für die Finanzbranche an. Insider gehen davon aus, dass das Ministerium sicherstellen will, dass in Deutschland zumindest eine große, international handlungsfähige private Bank bleibt.

Zuletzt machten sogar Gerüchte die Runde, Scholz und seine Kollegen könnten den Zusammenschluss orchestrieren. Es ist plausibel anzunehmen, dass man sich im Finanzministerium angesichts der Lage beider Banken mit der Frage beschäftigt. Allerdings wird in Berlin der Eindruck zurückgewiesen, dass kurzfristig Entscheidungen fallen könnten.

Vielmehr dürfte es darum gehen, sich für Eventualitäten zu wappnen. Nach der Rettungsaktion in der Finanzkrise hält der Bund noch immer 15 Prozent an der Commerzbank, hat also ein gewichtiges Wort über die Zukunft des Geldhauses mitzureden.

Käme es zu einem Aktientausch, wäre der Bund auch an der fusionierten Bank beteiligt. Eine zusätzliche Kapitalspritze wäre dagegen nicht nur den Wählern schwer zu vermitteln. Außerdem muss der Staat strikt darauf achten, dass auch private Investoren eine solche Geldzufuhr mittragen, denn ohne private Investoren würde er ein EU-Beihilfeverfahren riskieren.

Die Regierung könnte aber versuchen, die Rahmenbedingungen für eine Fusion zu verbessern, zum Beispiel, indem sie die steuerlichen Bedingungen für die Umwandlung in eine Holding erleichtert.

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