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Digitale Deals Digitalisierung treibt Fusionen und Übernahmen voran

Bei einem Viertel der Fusionen und Übernahmen sind neue Technologien entscheidend. Begehrt sind etwa Fintechs und Internet-der-Dinge-Geschäftsmodelle.
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BMW hat das US-Unternehmen im Jahr 2018 übernommen. Quelle: ParkMobile, LLC
Parkplatz-App Parkmobile

BMW hat das US-Unternehmen im Jahr 2018 übernommen.

(Foto: ParkMobile, LLC)

FrankfurtDie Digitalisierung befeuert auch die Königsdisziplin des Investmentbankings – das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A). Während in den vergangenen Jahrzehnten vor allem der Zukauf von Marktanteilen und die geografische Expansion die M&A-Transaktionen bestimmt haben, geht es mittlerweile mehr und mehr um den Erwerb von digitalem Know-how.

Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) lag der Wert „digitaler Deals“ 2017 bei 658 Milliarden Dollar, 2012 waren es nur 278 Milliarden Dollar gewesen. „Der Anteil von M&A-Transaktionen mit einem digitalen Bezug liegt mittlerweile weltweit bei rund 25 Prozent mit steigender Tendenz“, sagt Jens Kengelbach, Senior Partner bei BCG.

Ungefähr zwei Drittel der Käufer solcher Technologiefirmen kämen aus traditionellen Branchen. Besonders im Fokus stünden Finanz-Start-ups, Internet-der-Dinge-Geschäftsmodelle, Robotertechnik und Mobilitätslösungen.

Auch die Unternehmensberatung Bain sieht einen dramatischen Wandel im M&A-Geschäft. Der weltweite Anteil von Unternehmenskäufen zum Erwerb neuer Fähigkeiten kletterte 2018 auf 15 Prozent, drei Jahre zuvor waren es nur zwei Prozent gewesen. Erstmals habe es mehr Scope- als Scale-Deals gegeben, das heißt mehr Deals, die das Geschäftsmodell erweitern und bei denen es nicht vor allem um Kostenvorteile geht, erklärt Bain-Partner Wilhelm Schmundt: „Wir erleben gerade einen Umbruch.“

Firmenkäufe würden vorrangig genutzt, um Wachstum zu beschleunigen und zusätzliches Know-how ins Unternehmen zu holen. Bei Übernahmen mit einem digitalen Bezug reichten die Themen vom autonomen Fahren und E-Commerce bis hin zur Cybersicherheit.

Beispielsweise haben sich die weltweiten Investitionen in Start-ups aus dem Finanzdienstleistungsbereich 2018 mit 111,8 Milliarden Dollar im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt, wie aus einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG hervorgeht. Der Hauptgrund waren zahlreiche große Deals in Milliardenhöhe – etwa das Blackstone-Investment in die Finanzmarktdatenfirma Refinitiv.

Für die Investmentbanker kommt der Trend zur rechten Zeit, weil das globale M&A-Geschäft derzeit abkühlt. Zwar nahmen die Transaktionen laut Refinitiv weltweit 2018 um 19 Prozent auf über vier Billionen Dollar zu. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres kam es allerdings zu einer rückläufigen Entwicklung.

M&A-Geschäft belebt

Auch das erste Quartal 2019 verspricht kaum Besserung. Die geopolitischen Unsicherheiten wie der Brexit, ein konjunktureller Abschwung und längere Kartellprüfungen sorgen für weniger Megadeals – einer der letzten war die Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto durch den Chemiekonzern Bayer.

Die digitalen Zukäufe sind zwar nicht so spektakulär, was die Preise angeht, allerdings haben sie strategische Bedeutung. 2018 übernahm beispielsweise BMW den digitalen Parkplatzmanager Parkmobile USA, Daimler stieg bei der Onlineplattform Heycar ein, und die Deutsche Bank übernahm den Softwarespezialisten Quantiguous Solutions. Auch Eon, SAP, Siemens und Volkswagen kauften digitale Herausforderer auf, etwa App-Entwickler für die digitale Suche nach Ladestationen für E-Autos.

Dass es nicht noch mehr solcher Transaktionen gibt, dürfte an den hohen Bewertungen liegen. Es werde immer schwerer, die hohen Preise gegenüber den Aufsichtsräten und Aktionären zu rechtfertigen, heißt es in der BCG-Studie „Cracking the Code of Digital M&A“.

Allerdings würden mittlerweile aber auch deshalb hohe Preise gezahlt, weil die Geschäftsmodelle ausgereifter seien im Vergleich zu den Jahren vor der Finanzkrise 2008. „Das schlägt sich in den extremen Kaufmultiplikatoren nieder“, weiß M&A-Experte Kengelbach.

Wachstum dürfte sich fortsetzen

Laut BCG-Studie wurde 2017 für digitale Übernahmeziele im Schnitt das 26-Fache des operativen Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) gezahlt, 2012 hatte der Multiplikator einen Wert von nur 17 erreicht. Zum Vergleich: Bei der Übernahme von traditionellen Mittelständlern ohne besonderes Digitalthema zahlten die Investoren zuletzt das Neun- bis Zehnfache des operativen Ergebnisses, was auch schon als teuer gilt.

Trotzdem glaubt Armin von Falkenhayn, Chef der Bank of America im deutschsprachigen Raum, dass sich der Wachstumstrend bei den digitalen Deals fortsetzen wird. „Im M&A-Geschäft wird das Thema ‚Scope statt Scale‘ immer wichtiger. Etablierte Unternehmen gestehen sich ein, dass sie bestimmte, spezialisierte Technologien nicht immer schnell genug aus eigener Kraft entwickeln können“, erläutert der Investmentbanker.

Deshalb kauften die etablierten Unternehmen dieses Know-how zu. Das könnten Firmen aus dem Bereich Künstliche Intelligenz in den USA oder Asien sein. Und die großen Pharmaunternehmen schauten – wie zuletzt wieder Roche – auf die Biotech-Branche.

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