Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Apple Pay

Der Bezahldienst von Apple, Apple Pay, ist seit Dezember 2018 auch in Deutschland verfügbar - zumindest für Kunden der Geldhäuser, die sich mit Apple geeinigt haben.

(Foto: obs)

Digitales Ordnungsrecht Deutsche Kreditwirtschaft ruft nach neuen Wettbewerbsregeln im Kampf gegen US-Techkonzerne

Topvertreter von Banken fordern, dass das Wettbewerbsrecht an digitale Geschäftsmodelle angepasst wird. Sie fürchten Konkurrenz durch Apple, Amazon, Google und Paypal.
Kommentieren

FrankfurtDie deutsche Kreditwirtschaft fordert neue Wettbewerbsregeln. Ihrer Ansicht nach sollen auch große Tech-Konzerne als Konkurrenz in Teilen des Bankenmarkts berücksichtigt werden. Spitzenmanager von privaten und genossenschaftlichen Banken sowie Sparkassen hoffen, sich den Plattform-Unternehmen so besser entgegenstellen zu können.

„Wir brauchen ein neues digitales Ordnungsrecht“, sagte Sparkassenpräsident Helmut Schleweis mit Blick auf das Kartellrecht. Laut der aktuellen Regeln würden die Big-Techs nur als kleine Mitspieler betrachtet. „Wenn wir Märkte etwas anders definieren, dann sind sie auch bei uns in bestimmten Segmenten schon große Player“, sagte Schleweis auf einer Konferenz der „Börsen-Zeitung“.

So sei es aus seiner Sicht fraglich, warum die deutsche Kreditwirtschaft für ihren Onlinebezahldienst Paydirekt sieben Verträge mit Händlern abschließen müsse, der US-Bezahldienst Paypal aber nur einen. Paypal hat in Deutschland rund 23 Millionen Kunden und wird laut Umfragen auch stark genutzt. Paydirekt kommt bald vier Jahre nach dem Start auf 2,6 Millionen Nutzer und hat laut Insidern enttäuschende Transaktionszahlen.

Auch Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des privaten Bankenverbandes BdB, plädierte für eine „digitale Ordnungspolitik“. Es müsse nachjustiert werden, nicht nur für die Finanzbranche. „Es gibt Bedarf an neuen Spielregeln.“

Als Gefahr für die Finanzbranche gilt, dass Unternehmen wie Apple, Amazon und Google künftig mit ihren Plattformen die Schnittstelle zum Kunden besetzen und Banken nur noch Produkte liefern. Die Tech-Firmen bieten bereits bestimmte Finanzdienstleistungen an, teils auch in Deutschland. So sind beispielsweise die Smartphone-Bezahldienste von des iPhone-Herstellers Apple und des Internetkonzerns Google, Apple Pay und Google Pay, im vergangenen Jahr hierzulande gestartet. Auch der Onlinehändler Amazon hat mit „Amazon Pay“ einen Bezahldienst.

Grafik

Hinzu kommt, dass Tech-Konzerne künftig auf die Schnittstellen von Banken und damit auf Kundendaten zugreifen könnten. Die Basis dafür legt die EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2. Unter anderem erlaubt sie Dritten – also anderen Banken, Finanz-Start-ups oder eben Big-Techs – mit Erlaubnis der Finanzaufsicht und der jeweiligen Kunden, den Zugriff auf Kontodaten, um weitere Dienstleistungen anzubieten.

„Wir müssen aufpassen, dass wir nicht nur Zulieferer oder Dienstleister sind“, sagte Krautscheid. Dabei müsse die Branche auch darauf achten, dass sie nicht durch unfaire Regeln abhängig werde. „Stichwort Apple und NFC-Schnittstelle“, sagt Krautscheid. „Das ist ein Thema für unsere Wettbewerbshüter, darüber reden wir auch mit ihnen.“

Hintergrund ist, dass Apple, anders als Google, die technische Schnittstelle für die Nutzung von Apple Pay blockiert. Banken müssen mit Apple über eine Freigabe verhandeln, wollen sie sie nutzen. NFC steht steht für „Near Field Communication“. Die Technologie ist in Kassenterminals des Einzelhandels sowie Smartphones und in neuen Giro- und Kreditkarten integriert. Sie überträgt über maximal vier Zentimeter Distanz Daten per Funk und ermöglicht so kontaktloses Bezahlen.

Ob es dafür Rückendeckung aus der Politik gibt, muss sich noch zeigen. Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet der an der zehnten Novelle zum Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) und untersucht dabei auch die Frage, ob bestimmte Betriebssysteme und Schnittstellen für alle Zahlungsdienstleister geöffnet werden müssten. „Die Bundesregierung prüft im Rahmen der zehnten GWB-Novelle etwaigen Anpassungsbedarf des Wettbewerbsrahmens“, hieß es kürzlich in einer Antwort der Regierung auf eine Kleine Anfrage mehrerer Grünen-Parlamentarier.

Auch Marija Kolak, Präsidentin des Verbandes der Volks- und Raiffeisenbank (BVR) nannte das Thema Apple Pay. Es gehe um faire Rahmenbedingungen: „Da kommt jemand und greift in die Infrastruktur der Banken, umgekehrt ist das nicht möglich“, kritisierte die BVR-Chefin. Das seien Forderungen, die man bereits auch in Brüssel gestellt habe.

Veränderungen im Wettbewerbsrecht könnten Genossenschaftsbanken, privaten Banken und Sparkassen auch bei ihrem neuen Projekt im Zahlungsverkehr helfen: Sie stellen nach Handelsblatt-Informationen derzeit ihre verschiedenen Angebote im Zahlungsverkehr auf den Prüfstand. Dabei loten sie aus, ob sie die Angebote miteinander verknüpfen oder zumindest technisch aufeinander abstimmen können. Es geht um die Girocard (früher EC-Karte genannt), die beiden Onlinebezahlverfahren Paydirekt und Giropay, das Handy-zu-Handy-Zahlverfahren „Kwitt“ sowie um Echtzeitzahlungen. Das Projekt heißt „#DK“ – in Anlehnung an die Deutsche Kreditwirtschaft, kurz DK, die gemeinsame Interessenvertretung mehrerer Lobbyverbände.

Schleweis hatte bereits vergangene Woche auf dem Sparkassentag gesagt, dass Netzwerke und mehr Zusammenarbeit in den einzelnen Branchen nötig seien, um „auf Augenhöhe mit den Big-Techs der Welt agieren zu können“. Das gelte auch für die Kreditwirtschaft – hier müsse es etwa möglich sein, dass Kreditinstitute bei europäischen Bezahlsystemen zusammenarbeiten.

Im Fall des Handy-zu-Handy-Bezahldienstes „Kwitt“ von Sparkassen und Volksbanken hat sich beispielsweise gezeigt, wie schwer sich die hiesigen Geldhäuser – die sich auf dem umkämpften deutschen Bankenmarkt gegenüberstehen – bisher bei Gemeinschaftsprojekten tun. Mit Kwitt wollten Sparkassen und Volksbanken eigentlich gemeinsam loslegen. Sie schreckten aber wegen kartellrechtlicher Bedenken zurück. Zunächst statete jeder für sich.

Mehr: Deutsche Banken stellen ihren Zahlungsverkehr auf den Prüfstand – Die Geldinstitute sondieren, ob sie ihre verschiedenen Bezahlverfahren bündeln können, um sich so gegen die Konkurrenz der Tech-Konzerne zu wehren.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Digitales Ordnungsrecht - Deutsche Kreditwirtschaft ruft nach neuen Wettbewerbsregeln im Kampf gegen US-Techkonzerne

0 Kommentare zu "Digitales Ordnungsrecht: Deutsche Kreditwirtschaft ruft nach neuen Wettbewerbsregeln im Kampf gegen US-Techkonzerne"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote