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Digitalisierung Kooperation mit Signalwirkung: Deutsche Börse setzt auf Microsoft-Cloud

Die Deutsche Börse verlagert Geschäfte auf die IT-Plattform von Microsoft. Mit der Partnerschaft wollen beide die Cloud-Nutzung im Finanzsektor vorantreiben.
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Der IT-Vorstand der Deutschen Börse, Christoph Böhm, setzt auf die Cloud-Nutzung. Quelle: dpa
Zentrale der Deutschen Börse

Der IT-Vorstand der Deutschen Börse, Christoph Böhm, setzt auf die Cloud-Nutzung.

(Foto: dpa)

Frankfurt Es ist eines seiner wichtigsten Projekte beim neuen Arbeitgeber. Nachdem Christoph Böhm vor einem halben Jahr vom Softwarekonzern SAP zur Deutsche Börse gewechselt war, hatte er als IT-Vorstand zunächst viele Gespräche geführt und eine Bestandsaufnahme vorgenommen. Nun sei die Analyse abgeschlossen, sagte Böhm im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Jetzt geht es an die Umsetzung. Wir sind dabei, mit den Pferden in den Galopp zu gehen.“

Priorität hat für ihn dabei die verstärkte Nutzung von Cloud-Lösungen. Dabei geht es um externe IT-Leistungen wie Speicherplatz, Prozessorleistung und Programme aller Art. Zudem können Firmen Daten mithilfe von Clouds besser auswerten und neue Produkte schneller entwickeln.

Am Montag hat die Deutsche Börse deshalb eine umfangreiche Kooperation mit dem Cloud-Anbieter Microsoft verkündet. „Es geht um einen grundlegenden Umbau unserer IT“, sagte Böhm. Bislang basieren die Systeme der Börse auf den eigenen Rechenzentren. „Perspektivisch wird die Mehrheit der Anwendungen in Clouds laufen.“

Microsoft und die Deutsche Börse hoffen, dass sie durch ihre Partnerschaft die Cloud-Nutzung in der europäischen Finanzbranche vorantreiben. „Im Vergleich zu anderen Sektoren zählt die Finanzbranche bisher nicht zu den stärksten Nutzern von Cloud-Lösungen“, sagte Microsoft-Deutschlandchefin Sabine Bendiek dem Handelsblatt. Das liege auch an den hohen regulatorischen Anforderungen.

Doch das Abkommen mit der Deutschen Börse stimmt Bendiek zuversichtlich. „Die Vereinbarung ist ein Präzedenzfall, der dem Finanzsektor zeigt, welche Lösungen möglich sind.“ Modellcharakter hat die Zusammenarbeit aus Sicht beider Unternehmen vor allem deshalb, weil sich der Dax-Konzern mit dem amerikanischen IT-Giganten auf eine neue Form der Kontrollen verständigt hat.

Deutschlands größter Börsenbetreiber überprüft die Microsoft-Cloud nicht allein, sondern in einem Team mit Mitgliedern von anderen europäischen Finanzkonzernen.

Niedrigere Eintrittshürde

Bisher musste jeder Nutzer der Microsoft-Cloud solche Prüfungen selbst anstoßen und die Ergebnisse dann mit den zuständigen Aufsichtsbehörden besprechen. „Das war sehr aufwendig und teuer“, erklärte Böhm. „Durch das gemeinsame Vorgehen senken wir den Aufwand für jedes einzelne Unternehmen.“ Zudem sinke die Eintrittshürde für andere Finanzkonzerne, die Clouds nutzen wollten.

Die Deutsche Börse hat die sogenannte „Collaborative Cloud Audit Group“ 2017 initiiert. Sie besteht aktuell aus acht Unternehmen, ist jedoch offen für weitere Mitglieder. Finanzkreisen zufolge ist unter anderem die Commerzbank dabei, die Deutsche Bank dagegen bisher nicht.

Die beiden größten deutschen Privatbanken wollen künftig verstärkt auf öffentliche Clouds setzen. „Cloud ist für uns ein strategisches Thema, und wir sehen hier großes Potenzial“, erklärte Commerzbank-Bereichsvorstand Kerem Tomak. „Cloud-Technologien helfen uns, wettbewerbsfähig zu bleiben, indem wir Angebote und Dienstleistungen schneller zu den Kunden bringen und einfacher mit anderen Unternehmen kooperieren können.“

Darüber hinaus könne man durch die Nutzung von Clouds auch Kosten sparen, betonte Deutsche-Bank-Vorstand Frank Kuhnke kürzlich bei einer Finanzkonferenz in London. „Unser Ziel ist es, die Mehrheit unserer Anwendungen in die Cloud zu verlagern – und weg von unflexiblen, physischen Servern.“

Es geht um einen grundlegenden Umbau unserer IT. Christoph Böhm – IT-Vorstand der Deutschen Börse

Die Deutsche Bank nutzt wie viele Institute bislang vor allem private Clouds, also unternehmensinterne Netzwerke. 2019 brachte sie aber erstmals eine Anwendung heraus, die über eine öffentliche Cloud läuft. Bei der Commerzbank ist dies etwa bei der App „CashRadar“ der Fall, mit der Firmen ihre Liquiditätslage kontrollieren können.

Insgesamt nutzen deutsche Finanzkonzerne Clouds Experten zufolge aber seltener als ihre internationalen Konkurrenten. „Deutschland ist ein sehr konservativer Markt, in dem Unternehmen neue Entwicklungen sehr genau prüfen und alle Risiken abwägen“, betont Microsoft-Managerin Bendiek.

In der Industrie gebe es bei dem Thema mittlerweile aber viel Bewegung – Microsoft hat unter anderem Kooperationen mit BMW, Eon und Volkswagen geschlossen. Und Bendiek ist zuversichtlich, dass es früher oder später auch im Finanzsektor zu größeren Veränderungen kommen wird.

Bauchschmerzen bereitet einigen deutschen Managern aber, dass die größten Cloud-Anbieter aus den USA und China stammen. „Wir als Industrie in Europa sollten darauf achten, dass es auch europäische Cloud-Angebote gibt“, mahnt etwa Commerzbank-Chef Martin Zielke. Sonst würden die Regeln in dem wichtigen Markt „von Rechtsräumen diktiert, auf die wir relativ wenig Einfluss haben“.

Andere Manager fürchten, dass Cloud-Anbieter sensible Daten an die Geheimdienste ihrer Heimatstaaten weitergeben könnten. Microsoft-Managerin Bendiek weiß, dass das Thema in Deutschland intensiv diskutiert wird. Ihr Konzern baue in der Bundesrepublik gerade neue Rechenzentren auf und halte sich dort selbstverständlich an sämtliche deutsche Gesetze, sagt sie.

Grundsätzlich tue Microsoft alles, um die Daten seiner Kunden zu schützen. „Wenn US-Behörden Informationen von uns anfragen, gibt es keinen kurzen Dienstweg“, erklärt Bendiek. „Wenn es notwendig ist, beschreiten wir den Gerichtsweg durch alle Instanzen.“

In der Vereinbarung mit der Deutschen Börse spielt das Thema Datenschutz auch eine wichtige Rolle. Das Unternehmen hat das Recht festzulegen, wenn bestimmte Daten nur in Rechenzentren in Deutschland verarbeitet werden dürfen.

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