Digitalisierung Versicherer entdecken die Blockchain-Technik und wollen Kosten sparen

Die traditionell diskrete Branche gibt ihre Zurückhaltung auf. 13 Konzerne wollen gemeinsam die neue Technik nutzen, um Kosten zu senken.
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Versicherer entdecken die Blockchain-Technik Quelle: Getty Images
Gemeinschaftsprojekt Blockchain

Ein Konsortium aus gut einem Dutzend Versicherern soll zeigen, dass die Blockchain-Technologie großflächig eingesetzt werden kann.

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New YorkDie Versicherungsindustrie hat eigentlich nicht den Ruf, bei der Digitalisierung mit zur absoluten Avantgarde zu gehören. Immer noch müssen viele Unternehmen in der Branche Daten händisch eingeben und von Mitarbeitern überprüfen lassen. Das ist nicht nur teuer sondern auch anfällig für Fehler.

Abhilfe könnte die Blockchain-Technologie verschaffen. Die Basis für dezentrale Datenbanken und Kryptowährungen wie den Bitcoin lockt nicht nur Zocker und abenteuerlustige Start-up-Gründer an, sondern bietet auch der Assekuranzbranche die Möglichkeit zur notwendigen Modernisierung.

Allianz, Munich Re und Co. experimentieren bereits auf verschiedenen Ebenen mit den Möglichkeiten der Blockchain-Technik und der breiter gefassten Distributed Ledger Technologie (DLT). Ein Konsortium aus gut einem Dutzend Versicherern soll nun zeigen, dass die Blockchain-Technologie auch tatsächlich großflächig eingesetzt werden kann.

Blockchain Insurance Industry Initiative oder kurz B3i heißt das Konsortium, das zwar schon 2016 gegründet wurde, aber nun von Zürich aus endgültig mit Leben erfüllt werden soll, wenn auch mit reduzierter Mitgliederzahl. Ursprünglich hatte die Initiative einmal 38 Teilnehmer, von denen jetzt 13 den gemeinsamen Weg weitergehen wollen.

Die Idee hinter dem ungewöhnlichen Zusammenschluss der Versicherungskonzerne, die sonst erbittert um Marktanteile konkurrieren: In sogenannten Smart Contracts werden bestimmte Vertragsbedingungen einprogrammiert. „Bei großen Naturkatastrophen etwa kann sofort ermittelt werden, wer von einem Schadensfall betroffen ist und auf welchen Versicherer und Rückversicherer welche Summen zukommen“, erklärt der Technologie-Chef von B3i Markus Tradt.

Smart Contracts sind Software-Programme, die Vertragsbedingungen in einer dezentral organisierten Datenbank festhalten und deren Abwicklung unterstützen. Die Daten gehören also nicht einem Unternehmen allein.Zu dem Konsortium gehören neben dem Versicherungskonzern Allianz und dem Rückversicherer Munich Re auch die Tokio Marine Holdings, die Swiss Re und der US-Versicherer Liberty Mutual.

Alle Unternehmen sind gleichberechtigte Teilhaber an B3i und haben ihrerseits Experten entsandt, um mit den Programmierern des Konsortiums zusammenzuarbeiten. Seit vergangenen Herbst gibt es einen funktionsfähigen Prototypen, der nun produktionsreif gemacht wird. Anfang 2019 sollen die Blockchain-Systeme an den Markt gehen.

13 internationale Versicherungskonzerne zu koordinieren ist dabei keine einfache Aufgabe. „Wir müssen die neuen Blockchain-Systeme mit den bestenden Systemen der Versicherer integrieren und dabei sicherstellen, dass der Datenschutz gewahrt bleibt und wettbewerbsrelevante Informationen der Versicherer nicht geteilt werden “, erklärt Tradt.

Doch der Aufwand könnte sich lohnen, glauben auch Analysten. „Mit Daten, die Rückversicherer in einer nachträglich nicht veränderbaren Datenbank teilen, sind sie besser ausgerüstet, um Kapital für Schadensfälle bereit zu stellen“, heißt es in einer Studie des Analysehauses CB Insights. B3i hat ermittelt, dass die teilnehmenden Versicherer rund 30 Prozent der Verwaltungskosten sparen könnten.

200 Millarden Sparpotenzial

Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group hat in einer aktuellen Studie errechnet, dass die Blockchain allein bei der Unfall- und Schadensversicherung Einsparungen in Höhe von 200 Milliarden Dollar bringen könnte. Zwar hätten die Versicherer einen Anreiz, neue Technologien einzusetzen, um die Kosten zu drücken.

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„Doch gleichzeitig ist die Branche sehr eifrig darin, ihre Daten zu schützen“, heißt es in der BCG-Studie. „Wenn ein Austausch von Informationen nötig ist, dann versuchen die meisten Versicherer, so wenige Informationen wie nötig zu teilen.“ Meist nutzten sie manuelle und papier-basierte Prozesse, um Daten-Leaks zu vermeiden. Die Branche hofft, dass die Blockchain-Technologie, die aufwendige Verschlüsselungstechniken nutzt, Abhilfe schafft.

Je mehr Versicherer mitmachen, desto besser: „Die Technologie ist besonders effektiv, wenn sie von möglichst vielen Teilnehmern genutzt wird“, sagt Tradt. Weitere Unternehmen könnten sich anschließen. Am Ende soll B3i einer Plattform ausgebaut werden, mit der sich Versicherer und Dritte selbst Smart Contracts erstellen können. Bis es soweit ist, wird es jedoch noch einige Monate dauern.

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