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Digitalwährung Facebook hält an Libra-Plänen fest

Libra-Vorstand David Marcus will das umstrittene Projekt der globalen Kryptowährung weiter vorantreiben. Doch die Regulierungsbehörden haben zahlreiche Bedenken.
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Der Facebook-Manager glaubt an Libra. Quelle: AFP
David Marcus

Der Facebook-Manager glaubt an Libra.

(Foto: AFP)

Düsseldorf/New York/Zürich Obwohl wichtige Partner abgesprungen sind, gibt David Marcus nicht auf: Der Facebook-Manager und Libra-Vorstand glaubt weiter an den Erfolg der Onlinewährung. Ziel sei es, Libra im kommenden Jahr zu starten, sagte Marcus im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Ich glaube, dass ambitionierte Zeitpläne hilfreich sind. Sie mobilisieren Leute im Projekt und außerhalb.“

Vor dem Start von Libra gelte es aber, die Bedenken von Aufsehern auszuräumen. „Wir müssen auf alle Sorgen eingehen, bevor das Projekt voranschreiten kann.“

Die Macher von Libra versprechen nicht weniger als eine „globale Währung und Finanzinfrastruktur, die Milliarden von Menschen neue Chancen bietet“. Am Montag hatten 21 Mitglieder in Genf die „Libra Association“ gegründet, die die Entwicklung der Internetwährung vorantreiben soll. Doch die Kritik an den Plänen reißt nicht ab.

Erst kurz vor dem offiziellen Starttermin waren sieben Mitglieder des Konsortiums abgesprungen, darunter globale Finanzdienstleister wie Visa, Mastercard und Paypal, aber auch das Hotelportal Booking.

Trotz der prominenten Abgänge gibt sich Facebook-Manager Marcus aber gelassen. „Man muss wirklich zu dem Projekt stehen und es angesichts der Turbulenzen verteidigen wollen.“ Die Unternehmen stünden angesichts ihrer bestehenden Finanzgeschäfte in Verantwortung gegenüber Aktionären, Beschäftigten und Kunden.

Ungeachtet der jüngsten Abgänge peilt Marcus für den Start von Libra weiter die Marke von 100 Mitgliedern an. Die Rede ist von mehr als 1 500 potenziellen Interessenten, von denen 180 die vorgegebenen Kriterien erfüllen sollen.

Zu den bestehenden Mitgliedern gehören Risikokapitalgesellschaften wie Andreessen Horowitz und Union Square Ventures, aber auch die Fahrdienste Uber und Lyft, der Musikanbieter Spotify und Vodafone. Die Führung der Libra Association soll übergangsmäßig der ehemalige Paypal-Manager Bertrand Perez übernehmen.

Facebook sei in der Stiftung nur ein Partner unter Gleichen, so Marcus: „Wir als Facebook wollen nicht, dass die Organisation praktisch Facebook ist.“ Es sei nun die Aufgabe des neu gewählten Vorstands und des Besetzungsausschusses, eine dauerhafte Führung für die Organisation zu bestimmen.

Risiken im Fokus

Die Libra-Macher versprechen, dass Zahlungen mit der Onlinewährung in Zukunft leichter abgewickelt werden können. Davon sollen auch Menschen profitieren, die über kein eigenes Bankkonto verfügen. Kritiker fürchten jedoch, dass Facebook die Daten auch für andere Zwecke nutzen könnte – und verweisen auf diverse Datenschutzskandale in der Vergangenheit. Auch Finanzaufseher warnen vor Risiken.

Denn als sogenannter „Stablecoin“ soll Libra mit einem Korb aus realen Währungen wie dem Euro oder dem Dollar unterlegt werden – und das kommt bei Aufsehern und Notenbankern nicht sonderlich gut an. Sie fürchten negative Auswirkungen auf die Finanzstabilität.

So meldete sich pünktlich zum Libra-Treffen in Genf auch der Finanzstabilitätsrats FSB zu Wort. In einem Brief an die Finanzminister der G20-Staaten und -Zentralbanker warnte FSB-Chef Randal Quarles noch einmal vor den Risiken von digitalen Währungen wie Libra.

Globale Stablecoins „könnten die Stabilität des Finanzsystems gefährden“, so Quarles, der auch Vizepräsident der US-Notenbank ist. Ähnlich hatten sich in der Vergangenheit auch die Bank of England und US-Finanzminister Steven Mnuchin geäußert. Der Finanzstabilitätsrat will im Frühjahr einen umfassenden Bericht zu dem Thema vorlegen.

Auch bei der Tagung des Internationalen Währungsfonds, die in dieser Woche in Washington stattfindet, gilt das Thema Libra als gesetzt. Und kommende Woche muss Facebook-Gründer Mark Zuckerberg dem Finanzdienstleistungsausschuss des US-Repräsentantenhauses zu dem Projekt Rede und Antwort stehen.

Die Pläne von Facebook werden aber auch in Deutschland aufmerksam verfolgt. Bundesfinanzminister Olaf Scholz ließ bereits durchblicken, dass er das Projekt „sehr, sehr kritisch“ sieht. Entsprechend erfreut zeigt sich der SPD-Politiker über den Rückzug einiger Konzerne aus dem Digitalgeld-Vorhaben: „Es ist ein gutes Zeichen, dass sich wichtige Firmen aus dem Projekt zurückgezogen haben“, sagte Scholz an diesem Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Finanzaufsicht Bafin hat einen umfangreichen Fragenkatalog nach Genf geschickt. Bafin-Chef Felix Hufeld sieht „erhebliche Kontrollfragen“.

Facebook-Manager Marcus wertet die Bedenken der Aufseher als konstruktive Kritik. Er berichtet von „guten Diskussionen“ mit der G7-Gruppe und den Zentralbanken. Die Umsetzung des Projekts werde dadurch aber nicht komplizierter: „Statt viele, viele Jahre mit allen möglichen Beteiligten und Betroffenen zu sprechen, können wir jetzt alle Gespräche in kurzer Zeit führen“, sagte Marcus.

Diese Gespräche könnten allerdings noch eine Weile dauern: Ein Sprecher der Libra-Stiftung hatte bereits am Montag eingeräumt, dass der angepeilte Starttermin angesichts der Kritik der Regulierungsbehörden nicht garantiert werden könne.

Mehr: Libra wird scheitern, hat aber die internationalen Regulierer aufgerüttelt.

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