Digitalwährung Sparen mit der Krypto-App – Savedroid wagt in Deutschland den Vorstoß

Sparpläne soll es hierzulande nach dem Willen von Savedroid bald auch für Kryptowährungen geben. Das Fintech prüft dafür Optionen im Ausland.
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Savedroid: So erklärt der Gründer seine missglückte PR-Aktion Quelle: Katharina Schneider
Savedroid-Büro in ehemaliger Auto-Werkstatt

Savedroid-Gründer Yassin Hankir (links) mit zwei Kollegen und dem Bürohund Jewa.

(Foto: Katharina Schneider)

FrankfurtWenn Anleger in Kryptowährungen investieren wollen, stehen sie vor einer kniffligen Aufgabe: Sie müssen zwischen einer Vielzahl von Kryptobörsen auswählen, wo sie konkret kaufen. Mehr als 200 gibt es, bei Weitem nicht alle sind vertrauenswürdig. Nach dem Kauf bedarf es einem sicheren Speicher, um die erworbenen Anteile zu lagern – der eigene Computer etwa ist für Hacker attraktiv und daher eher ungeeignet.

Fakt ist: Eine derartige Transaktion erfordert viel Aufwand und Recherche. Eine Frankfurter Firma will diese künftig zentralisieren und erleichtern. Savedroid hat eine App entwickelt, die verspricht, den Nutzern die meisten Unannehmlichkeiten abzunehmen. Kunden müssen dabei nur angeben, wie viel sie in einer Kryptowährung sparen wollen – und der Betrag wird dann einfach von ihrer Kreditkarte abgebucht.

„Wir kaufen die Kryptowährungen auf der Plattform Kraken und kümmern uns zusammen mit Partnern auch um deren Aufbewahrung“, sagt Yassin Hankir, der Gründer und Chef des Fintechs Savedroid, dem Handelsblatt. Der Kunde sehe dann in der App, wie sich die von ihm erworbenen Kryptowährungen entwickeln.

In den nächsten Monaten sollen die Nutzer zudem eine Prepaid-Kreditkarte erhalten, mit der sie die Kryptowährungen in Euro und Dollar zurücktauschen und damit in Onlineshops bezahlen können.

Die App befindet sich laut Hankir seit Ende Juni im Praxistest und wurde bereits von rund 5000 Nutzern heruntergeladen. Bisher allerdings sei sie in fast allen Ländern außerhalb von Deutschland verfügbar – mit Ausnahme der USA sowie Staaten, die auf Sanktionslisten stehen. „Wir wollen das Angebot perspektivisch auch in Deutschland einführen“, kündigt Hankir an.

Das werde wegen der deutschen Finanzaufsicht Bafin jedoch aus regulatorischen Gründen noch etwas dauern. „Die Bafin reguliert Kryptowährungen härter als die Aufsichtsbehörden in den meisten anderen Ländern auf der Welt“, sagt der Savedroid-Chef. „Sie sieht Kryptowährungen als Finanzinstrumente an. Deshalb benötigt jeder Anbieter hierzulande eine Banklizenz, wenn er Kryptowährungen im Kundenauftrag kaufen, halten und verkaufen will.“

Hankir will deshalb lieber auf eine Finanzdienstleistungslizenz aus einem anderen Land setzen. Eine solche Lizenz ist mit einer Banklizenz vergleichbar, aber nicht gleichzusetzen. „Wir brauchen perspektivisch eine eigene Lizenz, um weiter zu wachsen und unser Geschäftsmodell auszubauen“, sagt der Vorstandschef. „Das muss jedoch nicht zwangsläufig in Deutschland sein. Wir könnten auch in einem anderen EU-Land eine Lizenz erwerben, mit der man im Rahmen des europäischen Binnenmarktes dann grenzüberschreitend Angebote unterbreiten kann – auch in Deutschland.“

Von Land zu Land sind die Anforderungen unterschiedlich – und anderswo eben einfacher zu erfüllen. Das Frankfurter Unternehmen prüfe daher momentan, welche Länder sich „beim Thema Kryptowährungen strategisch geschickt positionieren“, wie es Hankir nennt. „Dazu zählen Malta, Zypern, Lichtenstein, Luxemburg, Estland und Litauen.“ In den meisten dieser Länder dauere die Beantragung und Erteilung einer entsprechenden Lizenz nur rund neun Monate.

Die Bafin wollte sich zu den Plänen von Savedroid nicht äußern. Doch ihr Handlungsspielraum ist grundsätzlich begrenzt. Denn dass Aufsichtsbehörden in verschiedenen Ländern europäische Regeln unterschiedlich auslegen, ist nicht ungewöhnlich und in aller Regel legal.

Auch Börse Stuttgart startet entsprechendes Angebot

Bislang fungierte Savedroid wie ein digitales Sparschwein: Kunden konnten nur Geld auf einem unverzinsten Euro-Konto sparen. „Es gibt eine große Nachfrage, in Kryptowährungen zu investieren, was natürlich deutlich riskanter ist als in Euro“, berichtet Hankir.

Der Kurs der bekanntesten Kryptowährung Bitcoin hat sich seit seinem Rekordhoch von rund 20.000 Dollar Ende vergangenen Jahres mehr als halbiert. Und viele Anbieter von Kryptowährungen sind wegen Systemabstürzen, Hacker-Einbrüchen und Mauscheleivorwürfen in Verruf geraten.

Auf der anderen Seite bescheinigen Finanzexperten der Blockchain-Technologie, auf der viele Kryptowährungen basieren, großes Potenzial. Und das Interesse von professionellen und privaten Anlegern an Krypto-Asset ist hoch.

In Deutschland arbeitet neben Savedroid auch die Börse Stuttgart an einem Angebot für Kryptowährungen. Ihre Handelsplattform Bison soll im Herbst an den Start gehen. Der Vorstoß eines so etablierten Anbieters werde dazu beitragen, dass das Vertrauen in Kryptowährungen steige, glaubt Hankir.

Die Stuttgarter hätten allerdings eine andere Zielgruppe als Savedroid. „Bei der Börse Stuttgart geht es vor allem um den Handel mit Kryptowährungen, bei uns eher um längerfristige Investments in Form von Sparplänen“, sagt Hankir. „Zudem geht es bei uns vor allem um Kunden, die schrittweise immer mal wieder geringe Beträge investieren wollen.“

Savedroid hatte im April für einen Eklat gesorgt. Hankir und seine Kollegen täuschten damals vor, sich mit rund 40 Millionen Euro, die das Unternehmen bei einem virtuellen Börsengang eingesammelt hatte, aus dem Staub gemacht zu haben. 24 Stunden später erklärten sie, es habe sich um eine Kampagne gehandelt, um höhere Standards bei virtuellen Börsengängen anzumahnen.

Inzwischen hat sich Hankir bei allen Beteiligten entschuldigt. „Es war der falsche Weg, eine Nachricht zu kommunizieren, die uns immer noch wichtig ist“, räumt er ein. Anzeichen, dass Kunden Savedroid wegen der missglückten PR-Aktion misstrauen, gebe es jedoch nicht. Auch für die neue Krypto-App erwartet Hankir wegen des Vorfalls keinen Gegenwind. „Am Ende wird die Qualität unserer Produkte über unseren Erfolg entscheiden und nicht eine Aktion, die schon vier Monate zurückliegt.“

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