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Dresscode Sparkassen treiben Abschied von der Krawattenpflicht voran

Die US-Investmentbank Goldman Sachs schafft den strikten Dresscode ab. Viele Sparkassen haben ihn längst gelockert. Die Frankfurter Sparkasse befragt dafür ihre Kunden.
2 Kommentare
Die Fraspa-Kunden entscheiden darüber, wie sich die Mitarbeiter künftig kleiden sollen – formell wie bisher oder lockerer bis hin zur Jeans. Quelle: Pressefoto
Die möglichen Outfits

Die Fraspa-Kunden entscheiden darüber, wie sich die Mitarbeiter künftig kleiden sollen – formell wie bisher oder lockerer bis hin zur Jeans.

(Foto: Pressefoto)

FrankfurtDie Filiale der Frankfurter Sparkasse (Fraspa) im Stadtteil Bornheim ist an einem Freitagmorgen, kurz nach der Öffnung, gut besucht. Mal zwei, mal drei Kunden stehen an den Geldautomaten, vor den Beratungstresen bildet sich sogar kurzzeitig eine Schlange.

Nur für eines interessiert sich kaum ein Kunde: die Abstimmung über den künftigen Dresscode in der Sparkasse. Binnen einer Viertelstunde tut nur eine einzige Kundin ihre Ansicht kund.

Die Fraspa, eine der größten Sparkassen in Deutschland, lässt ihre Kunden darüber entscheiden, wie sich die Mitarbeiter künftig kleiden sollen – formell wie bisher oder lockerer bis hin zur Jeans.

Auf einem Touchscreen mitten in der Filiale können sie eines von drei Outfits wählen. „Wie bei vielen andern Themen orientieren wir uns auch an der Meinung unserer Kundinnen und Kunden, wenn es um den Dresscode geht“, sagt Sparkassenchef Robert Restani.

Mit der Überlegung, den Mitarbeitern mehr Freiheiten bei der Kleiderwahl zuzugestehen, ist die Fraspa nicht allein. Dutzende der 385 öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute haben in den vergangenen Monaten den Dresscode gelockert – zum Beispiel die Sparkassen Fulda, Neuss, Essen, Mainz, Bodensee, Würzburg, Saarlouis.

Vorbild Hamburg

Als Vorreiter gilt die Hamburger Sparkasse (Haspa), die zweigrößte deutsche Sparkasse. Sie hat schon vor fast drei Jahren den Stil „Haspa Business Casual“ eingeführt. Ihr geht dabei auch ums Image: „Mit dem Business Casual nutzen wir die Chance, ein neues Erscheinungsbild zu zeichnen und uns an unserer Unternehmensphilosophie des menschlichen Bankings neu auszurichten“, erklärt das Geldhaus.

Kapuzenpulli und Schlabber-Shirt bleiben bei Fraspa dennoch tabu. Sie lässt ihre Kundinnen und Kunden zwischen drei Optionen wählen, als Model posieren jeweils eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter. Die erste Variante sieht so aus: klassisch in blauem Hosenanzug oder Anzug mit weißer Bluse oder weißem Hemd mit Krawatte.

Die zweite: Beide tragen Jeans, sie einen weißen Pullover und rote Pumps, er ein weißes Hemd und sportliche Schuhe. Und Nummer drei: Sie in blauem Kleid und Blazer, aber in sportlichen Schuhen; er in dunklem Sakko über hellem Hemd, dazu eine Stoffhose und an den Füßen Schnürschuhe.

Auch Nachbarsparkassen reagieren. Die Nassauische Sparkasse aus Wiesbaden wird den Dresscode bald lockern, wie Vorstandschef Günter Höger am Freitag ankündigte. „Die Krawatte ist überholt“, findet er. Man habe dafür einen eigenen Stilguide mit Mitarbeitern erstellt. Jeans hält Höger auch künftig nicht für geeignet.

Selbst Vorstandschefs internationaler Großbanken lassen sich immer öfter ohne Krawatte blicken. Und die US-Investmentbank Goldman Sachs hat sich erst diese Woche von ihrem strikten Dresscode verabschiedet. Die Pflicht für Krawatte und Kostüm sei schlicht nicht mehr zeitgemäß, findet die neue Führung mit David Solomon an der Spitze.

Die Abstimmung läuft in zwei Phasen

Es mag ein Detail sein, aber dahinter steckt mehr: Die Finanzwelt folgt einem Trend, der vor allem durch die Technologiefirmen aus dem Silicon Valley angetrieben wurde. Jeans und T-Shirt gilt dort selbst in den obersten Etagen als angemessene Arbeitskluft. Zudem werden in den Banken selbst die IT und die entsprechenden Mitarbeiter immer wichtiger – und die lassen sich besser anheuern, wenn kein Anzug im Büro nötig ist.

Die Fraspa sagt zwar nicht, wie viele Votes es schon eingesammelt hat. Eine Sprecherin meint jedoch, dass an den meisten Standorten die Terminals gerne genutzt würden. Manche Kunden hätten sich sogar schon vor dem Start der Befragung danach erkundigt. Die Abstimmung läuft in zwei Phasen in insgesamt 20 Filialen.

Ganz einfach ist es indes nicht, dass alle Mitarbeiter sich mit den neuen Vorgaben auch wohlfühlen. Denn schon was unter „Business Casual“ und „Smart Casual“ fällt, ist unter Stilexperten umstritten.

Manche Sparkassen geben im Zuge der neuen Stilvorgaben auch eine Orientierung: Die Kreissparkasse Göppingen hat für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den „Kleinen Stilberater“ parat. Kollegen standen Modell und ließen sich für die interne Broschüre ablichten. Sie erklärt, was geht und andererseits welcher Dress am Arbeitsplatz unerwünscht ist: kurze Hosen, T-Shirts mit Aufdruck, Flip-Flops und sehr kurze Röcke.

Nicht nur das legen die neuen Dresscodes in der Finanzwelt fest. Die Sparkasse Hochschwarzwald hat noch etwas klargestellt: Ihre Mitarbeiter dürfen auch kleine Tattoos „ohne politischen oder religiösen Hintergrund“ zeigen. „Sie müssen aber auch für das Gegenüber noch ästhetisch wirken“, sagt ein Sprecher der Sparkasse.

Doch bei weitem nicht alle Sparkassen lockern die Kleidungsregeln. Etliche von ihnen haben erst zuletzt – mit der Vorstellung ihrer Zahlen für 2018 - erklärt, dass sie an der Krawatte festhalten.

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2 Kommentare zu "Dresscode: Sparkassen treiben Abschied von der Krawattenpflicht voran"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Vielleicht wäre auch noch ein vierte Variante denkbar, mit einem Joint in der rechten Hand des Herren und einer ALDI-Tüte in der linken Hand der Dame?

  • Wenn man nicht weiß wie man sich richtig kleidet, ist es manchmal vielleicht besser bei einem "klassischen dresscode" zu bleiben.