Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Drohender Abschwung Banken werden bei Krediten für die Autoindustrie vorsichtiger

Die schwierige Lage in der Automobilbranche macht die Banken nervös. Am gefährlichsten ist der Abschwung für die LBBW. Die will vorsichtig umsteuern.
Kommentieren
LBBW, Hypovereinsbank und andere Banken halten sich mit Krediten für die Autobranche zurück. Quelle: Getty Images/Cultura RF
Automobilindustrie

LBBW, Hypovereinsbank und andere Banken halten sich mit Krediten für die Autobranche zurück.

(Foto: Getty Images/Cultura RF)

Frankfurt, München Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zählt traditionell zu den wichtigsten Geldgebern der deutschen Automobilbranche: Mehr als zwölf Milliarden Euro hat das Institut an Autobauer, Zulieferer und Autobanken verliehen. Insgesamt haben Darlehen an die Branche einen Anteil von 15,5 Prozent an allen Firmenkundenkrediten des Stuttgarter Instituts – eine ungewöhnlich hohe Konzentration. Bei Wettbewerbern wie der Commerzbank oder der Hypo-Vereinsbank ist der Anteil nur halb so hoch.

Nun will die LBBW umsteuern. Der hohe Autoanteil soll sinken – durch stärkeres Wachstum in stabileren Branchen, aber auch durch mehr Zurückhaltung bei Darlehen an die Problembranche. „Die Bank will ihr Portfolio im Automobilbereich vorsichtig reduzieren“, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen.

Das lässt sich mittlerweile auch an den Zahlen ablesen: Seit zwei Jahren sinkt der Anteil der Autokredite am gesamten Firmenkundengeschäft. Und im ersten Halbjahr ist das Volumen der Kredite an den Sektor auch in absoluten Zahlen erstmals seit Jahren etwas geschrumpft. Die LBBW wollte dies nicht kommentieren.

Die Stuttgarter Landesbank ist nicht das einzige Institut, das derzeit einen genauen Blick auf die Automobilbranche wirft: Auch bei der Hypo-Vereinsbank, der Deutschland-Tochter der italienischen Unicredit, ist die Bedeutung der Autobranche in Relation zu anderen Branchen im Firmenkundengeschäft gesunken.

Und auch die BayernLB ist im Neugeschäft wählerischer geworden. Die Münchener würden ihren Anteil an der Branche gerne leicht reduzieren, heißt es in Finanzkreisen. Die BayernLB will das nicht kommentieren.

Konjunkturempfindliche Branche

Die Vorsicht der LBBW und anderer Banken kommt nicht von ungefähr: Die Automobilbranche ist konjunktursensibel, der Abschwung ist in den Auftragsbüchern der Zulieferindustrie bereits deutlich sichtbar.

Die durchschnittliche Marge vor Zinsen und Steuern (Ebit) der Zulieferer dürfte von 7,2 Prozent im vergangenen Jahr auf im schlimmsten Fall nur noch 6,0 Prozent im Jahr 2019 sinken, prognostizieren die Investmentbank Lazard und die Unternehmensberatung Roland Berger in einer gemeinsamen Studie. Damit würde die Umsatzrendite der Zulieferer auf den niedrigsten Wert seit 2012 fallen.

Grafik

„Auf den ersten Blick sehen die rund sechs Prozent noch nach einer üppigen Marge aus. Doch der Schein trügt: Mit 6,0 Prozent nähern sich die Zulieferer einer Grenze, bei der sowohl die Eigenfinanzierung als auch die Refinanzierung am Kapitalmarkt schwieriger wird“, schreiben die Studienautoren.

Hinzu kommen die strukturellen Umbrüche wie der sich abzeichnende Abschied vom Verbrennungsmotor. „Die Gefahr von Kreditausfällen ist gegeben“, sagt Elmar Kades, Autoexperte der Beratungsfirma Alixpartners. Erstens sei der Autoabsatz rückläufig, zweitens stelle sich die Frage, ob Autozulieferer Bauteile herstellten, die noch zukunftsfähig seien.

Die Gewinnmargen würden längst sinken. „Viele Autozulieferer werden nicht überleben, wenn sie sich nicht umstellen“, prognostiziert der Experte.

Die Folge des Bankenrückzugs: Die Finanzierungsbedingungen gerade für die Zulieferbranche dürften härter werden – nicht nur bei Darlehen. „Viele Equity-Investoren bevorzugen andere Sektoren als die zyklische Automobilindustrie“, sagt Christof Söndermann, Managing Director bei der Investmentbank Lazard.

Gleichzeitig seien Banken restriktiver mit der Vergabe von Kreditfinanzierung – dies treffe insbesondere kleinere Zulieferer in Produktbereichen, die künftig strukturell unter Druck kommen werden, so der Experte. Schon jetzt beobachten Banken, dass die Unternehmen ihre Kreditlinien bei den Banken stärker ausnutzen als früher.

Das ist häufig ein früher Indikator dafür, dass es schwerer wird, neue Darlehen zu erhalten. Denn für die Banken stellt sich die Frage, welchen Unternehmen sie weiter Kredite geben sollen – und wenn ja, unter welchen Umständen.

Schlüsselindustrie im Süden

Schon eine höhere Wahrscheinlichkeit für Kreditausfälle zwingt die Institute dazu, ihre Risikovorsorge zu erhöhen. Die LBBW hat dies vorsorglich bereits 2018 auf Portfolioebene getan. Die Landesbank steht unter einem besonders großen Druck, ihr Autoportfolio zu überprüfen.

Immerhin hat ihr Engagement in dem konjunkturanfälligen Sektor fast denselben Umfang wie ihr gesamtes Eigenkapital – bei der Commerzbank ist es „nur“ etwa ein Drittel. Und knapp die Hälfte der Autokredite hat die LBBW an Zulieferunternehmen vergeben, die stärker unter Druck stehen als die etablierten Autokonzerne. Doch der Automobil- und Maschinenbau ist eine Schlüsselindustrie in Baden-Württemberg.

Deshalb will die LBBW nach Handelsblatt-Informationen trotz ihrer größeren Vorsicht auch künftig ein im Vergleich zu ihren Wettbewerbern überproportionales Engagement in der Kernbranche des „Ländle“ aufrechterhalten. Die LBBW will sich dazu nicht äußern.

Grafik

Wie deutlich der Rückbau insgesamt ausfallen soll, ist deshalb noch unklar. Das Ausmaß hänge von Gesprächen der Bank mit der Zulieferindustrie ab, heißt es. Das Institut will sich Insidern zufolge erst ein genaues Bild darüber verschaffen, wie gut die Autozulieferer auf strukturelle Veränderungen wie die mögliche Ablösung des Verbrennungsmotors durch die Elektromobilität gerüstet sind.

Dabei beschäftigt sich die Bank Insidern zufolge intensiv mit Einzelfällen. Dort, wo die Bank mit den Antworten nicht zufrieden ist, hält sie sich dem Vernehmen nach auch beim Neugeschäft zurück.

Im Fall des Böblinger Lackieranlagenherstellers Eisenmann etwa, der Ende Juli Insolvenz anmelden musste, soll die LBBW nach Handelsblatt-Informationen Konsequenzen gezogen haben. Das Geldhaus hatte für Eisenmann einen syndizierten Kredit, also einen Gruppenkredit mehrerer Banken, in dreistelliger Millionenhöhe organisiert.

Der Kredit war an bestimmte Bedingungen, sogenannte Covenants, geknüpft. Hält ein Unternehmen die vereinbarten Finanzkennziffern nicht ein, können die Banken den Kredit restrukturieren – dürfen ihn aber auch kündigen. Die LBBW soll von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch gemacht haben. Das Institut will sich dazu nicht äußern.

Finance Briefing
Konsequenz der LBBW macht andere Banken nervös
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Drohender Abschwung - Banken werden bei Krediten für die Autoindustrie vorsichtiger

0 Kommentare zu "Drohender Abschwung: Banken werden bei Krediten für die Autoindustrie vorsichtiger"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote