Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

E-ID-Funktion So hilft der Online-Personalausweis beim Banking

Bei der Comdirect können sich Kunden ab sofort mit der E-ID-Funktion ihres Ausweises identifizieren. Eine Technologie mit Potenzial.
Kommentieren
Identifizierung per Smartphone. Quelle: picture alliance / dpa Themendienst
Personalausweis mit E-Ident-Funktion

Identifizierung per Smartphone.

(Foto: picture alliance / dpa Themendienst)

FrankfurtWer ein Konto oder ein Wertpapierdepot eröffnen will, kann das längst bequem per Internet erledigen. Nur eines ist immer noch etwas lästig: die Identitätsfeststellung. Schon das Wort verheißt Bürokratie. Die Bank muss prüfen, ob es beispielsweise wirklich Beate Müller ist, die Kundin werden möchte, und ob sie ihr vertrauen kann. Lange Zeit musste Frau Müller für diesen Schritt entweder in einer Filiale ihrer künftigen Bank oder bei der Post ihren Ausweis vorzeigen.

Mit dem Video-Ident-Verfahren ist es schon einfacher geworden: Frau Müller kann vom Sofa aus ein kurzes Videotelefonat mit einem Ident-Dienstleister führen und hält dabei ihren Ausweis vor die Kamera ihres Smartphones. Die nächste Entwicklungsstufe heißt E-Ident. Dieses Verfahren bietet die Comdirect ab sofort als erste deutsche Bank bei der Depoteröffnung an.

Für E-Ident braucht die angehende Anlegerin einen neuen Personalausweis im Scheckkartenformat. Der wird seit acht Jahren ausgestellt, und rund 48 Millionen Deutsche haben einen. Das sind etwa 80 Prozent der Bürger ab 16 Jahren. Die übrigen werden in den kommenden zwei Jahren mit dem neuen Ausweis ausgestattet.

Die Online-Ausweisfunktion, auf die es beim E-Ident-Verfahren ankommt, ist allerdings erst seit Juli 2017 automatisch aktiviert. Zuvor konnte jeder selbst entscheiden, ob er die Funktion haben wollte oder nicht. Anfangs waren viele skeptisch. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums (BMI) ist die Funktion aber immerhin bei rund 23 Millionen Menschen aktiviert. Die übrigen 25 Millionen können sie jederzeit bei ihrem Bürgeramt einschalten lassen.

Beate Müller hat einen Personalausweis mit der Onlinefunktion, die auch E-ID genannt wird. Sobald die angehende Kundin bei der Comdirect das Antragsformular ausgefüllt hat, erhält sie den Antrag per E-Mail, und es folgt die „Identitätsfeststellung“. Für E-Ident benötigt sie neben dem Ausweis auch die dazugehörige PIN und ein Android-Smartphone oder -Tablet mit NFC-Funktion.

NFC steht für „Near Field Communication“ und ermöglicht Datenübertragungen aus bis zu vier Zentimeter Distanz. Auch beim Bezahlen per Smartphone kommt diese Technologie zum Einsatz.

Nicht für iPhone-Nutzer

Für Kunden mit iPhone ist E-Ident nicht verfügbar, da Apple die NFC-Schnittstelle bislang nicht für Apps anderer Unternehmen freigibt. Frau Müller hat Glück: Wie zwei Drittel der deutschen Smartphone-Nutzer hat sie ein Android-Gerät. Damit lädt sie die „Comdirect“-App – Achtung, nicht die parallel verfügbare „Comdirect mobile App“ – herunter.

Sie startet E-Ident und scannt den QR-Code auf ihrem Depotantrag. In der App gibt sie dann ihre sechsstellige Ausweis-PIN ein und hält ihr Personaldokument hochkant an die Rückseite ihres Smartphones. Innerhalb von drei bis vier Sekunden wird die PIN überprüft, und die Ausweisdaten werden zur Bank übertragen.

Dass die Comdirect jetzt E-Ident anbietet, erklärt Matthias Hach, Vorstandsmitglied der Commerzbank-Tochter, mit der Zeitersparnis für die Kunden: „Insbesondere Trader wollen schnell loslegen. Da ist es vorteilhaft, wenn wir ihre Identität bei der Kontoeröffnung umgehend überprüfen können – unabhängig davon, wo sich die Kunden gerade befinden oder wie spät es ist.“

Es sei geplant, das E-Ident-Verfahren auch bei der Girokontoeröffnung einzusetzen. „Viele unserer Kunden nutzen aktuell das Video-Ident-Verfahren, wir rechnen damit, dass auch E-Ident schnell angenommen wird“, sagt Hach.

Die E-ID-Technologie in der Comdirect-App stammt vom Darmstädter Finanz-Start-up Authada. Anfang des Jahres hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die mobile Identifizierungslösung des Fintechs zertifiziert. Damit hat das BSI bestätigt, dass Authada die höchsten sicherheitstechnischen Anforderungen erfüllt. „Für die Comdirect haben wir unsere Technologie zum ersten Mal in die App eines Kunden integriert“, sagt Authada-Geschäftsführer Jörg Jessen.

Auch die Social-Trading-Plattform Ayondo und der Geldkarten-Anbieter Paysafecard arbeiten mit Authada zusammen. Bei ihnen ist die Lösung aber nicht in die eigene App integriert. Stattdessen nutzen die Kunden für die Identifizierung mit E-ID die Authada-App. Jessen erwartet eine große Nachfrage für seine Produkte: „Wir setzen unsere Lösung aktuell auch für einen Onlineversicherer und eine Landesbank um“, sagt der Gründer.

Zudem bietet das Fintech die Funktion „Vor-Ort-Identifizieren“ an. Diese werde aktuell mit dem Sparkassen-IT-Dienstleister Finanzinformatik (FI) getestet. „Statt die Ausweisdaten der Neukunden abzutippen und eine Kopie der Ausweise anzufertigen, können die Sparkassen die Daten künftig einfach mit unserer Technologie auslesen“, erklärt Jessen. Auch mit Firmen aus anderen Branchen sei er im Gespräch, etwa mit Onlinehändlern und Firmen aus dem Gesundheitsbereich.

Signatur als Erweiterung

Nach Ansicht von Mario Thaten, Partner der Unternehmensberatung McKinsey, hängt der Erfolg der E-ID davon ab, dass Bürger die Ausweisfunktion an möglichst vielen Stellen einsetzen können. „Das ist ein typischer Netzwerkeffekt: Nur wenn sehr viele Verbraucher das System nutzen, weil es für sie einfacher ist, wird es sich durchsetzen.“ Bisher ist E-ID vor allem in Onlinebürgerdiensten einzelner Behörden im Einsatz.

Als wichtige Erweiterung sieht Thaten zudem die qualifizierte elektronische Signatur (QES), die ebenso rechtsgültig ist wie die Unterschrift auf Papier: „Das brächte den Kunden mehr Komfort als die reine E-ID.“

Auch daran arbeitet Authada bereits, und Banker Hach sagt: „Wenn die Kunden Formulare ausdrucken und unterschreiben müssen, ist das jedes Mal ein unangenehmer Medienbruch. Deshalb schauen wir uns auch die Einsatzmöglichkeiten der qualifizierten elektronischen Signatur an.“ Vielleicht kann Frau Müller also bald auch elektronisch unterschreiben.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

0 Kommentare zu "E-ID-Funktion: So hilft der Online-Personalausweis beim Banking"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.