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Ehemalige HRE-Tochter Für den Steuerzahler könnte die Rettung der Depfa ein Happy End haben

Nach langem politischen Streit übernahm die staatseigene Bad Bank FMS Wertmanagement 2014 die angeschlagene Depfa. Das scheint sich nun auszuzahlen.
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Seit der Übernahme hat die FMS die Bilanzsumme der Depfa von 48,5 auf 18,6 Milliarden Euro geschrumpft. Quelle: dapd
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Seit der Übernahme hat die FMS die Bilanzsumme der Depfa von 48,5 auf 18,6 Milliarden Euro geschrumpft.

(Foto: dapd)

FrankfurtEs war die vielleicht spektakulärste Rettungsaktion während der Finanzkrise, ganz sicher aber die teuerste. Am 29. Oktober 2008 musste der schwer angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) als erste Privatbank in Deutschland auf das Rettungsprogramm der Bundesregierung zurückgreifen.

Der Grund für die Probleme lag damals in der irischen Hauptstadt Dublin. Dort hatte die Depfa-Gruppe ihr Hauptquartier, und nur kurz nachdem die HRE das Geldhaus für 5,7 Milliarden Euro übernommen hatte, drohte der gesamte Konzern in Schieflage zu geraten.

In der Finanzkrise funktionierte die kurzfristige Refinanzierung der langfristig von der Depfa vergebenen Kredite nicht mehr, der Zusammenbruch drohte, der Staat musste einspringen. Bis heute stecken nach Angaben der zuständigen Finanzagentur des Bundes 7,6 Milliarden Euro an Steuergeld in der HRE und ihren Überresten, davon allein 1,2 Milliarden in der Depfa.

Doch jetzt, zehn Jahre nach dem Beinahekollaps, könnte es, zumindest was die Depfa angeht, noch zu einem kleinen Happy End für die Steuerzahler kommen. Zumindest verglichen mit dem ursprünglichen Plan, die HRE-Tochter an amerikanische Hedgefonds zu verkaufen. Stattdessen übernahm nach langem politischem Streit 2014 die staatseigene Bad Bank FMS Wertmanagement die Depfa, eine Entscheidung, die sich auszuzahlen scheint.

Zumindest gibt eine komplexe Anleihetransaktion vom vergangenen Montag deutliche Indizien in diese Richtung. Die FMS verkaufte sogenannte Hybridbonds mit einem Nominalwert von 500 Millionen Euro, die einst die Depfa ausgegeben hatte, zurück an die Dubliner Bank. Die Anleihen gehören zu einem Paket aus drei Bonds über insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro, das die FMS 2015 einer Reihe von Hedgefonds abgekauft hatte.

Damals bezahlte die staatliche Bad Bank 741 Millionen Euro für die Anleihen oder rund 61 Cent je Euro des Nennwerts. Jetzt gehen die Hybrid-Anleihen nach Informationen des Handelsblatts für knapp 92 Prozent des Nennwerts an die Depfa. Weil es für die Papiere keinen Marktpreis gibt, wurden die Konditionen für den Rückkauf durch ein Gutachten der Beratungsgesellschaft KPMG ermittelt.

Durch den höheren Verkaufspreis kann die FMS einen Gewinn von rund 155 Millionen Euro aus der Transaktion einstreichen. Auch bei der Depfa fällt ein Buchgewinn an, weil die Bank die Anleihen nicht zum Nennwert zurückkaufen muss, sondern nur für 92 Prozent, dazu kommt ein weiterer positiver Effekt durch die Auflösung von Derivatepositionen.

Im nächsten Schritt will die FMS einen erheblichen Teil des üppigen Eigenkapitals der Depfa zurückholen. Die Bank hatte im ersten Halbjahr 2018 in ihren Büchern 953 Millionen Euro an hartem Eigenkapital (CET1) verbucht, das entspricht einer Eigenkapitalquote von sage und schreibe 96 Prozent, das Minimum würde bei nur 4,5 Prozent liegen. Insgesamt summiert sich das regulatorische Kapital der Bank auf rund zwei Milliarden Euro.

Wichtigster Grund für die hohe Quote: Seit der Übernahme hat die FMS die Bilanzsumme der Depfa von 48,5 auf 18,6 Milliarden Euro geschrumpft. 2017 erzielte die Bank einen Vorsteuergewinn von 93 Millionen Euro. Der Rückholaktion für das Eigenkapital muss noch die irische Finanzaufsicht zustimmen. Entsprechende Verhandlungen liefen bereits, heißt es in Finanzkreisen. Danach wäre der Weg für einen ordentlichen Verkaufsprozess für die Depfa frei.

Noch sei es zu früh, ein endgültiges Ergebnis der Abwicklung zu prognostizieren, heißt es im jüngsten Geschäftsbericht der Bank. Aber FMS-Chef Stephan Winkelmeier und seine Kollegen glauben fest, dass dabei ein besseres Ergebnis herauskommen wird, als wenn die Bank wie ursprünglich geplant vor vier Jahren verkauft worden wäre.

Damals sollte die Depfa für 320 Millionen Euro an den US-Hedgefonds Leucadia gehen. In einem Gutachten hatte die HRE den Abwicklungswert der maroden Tochter auf lediglich 114 Millionen Euro geschätzt, eine Summe, die jetzt allein schon durch den Gewinn aus der Transaktion mit den Depfa-Hybrid-Anleihen übertroffen wird.

Die Gegner des Verkaufs an die Hedgefonds, zu denen auch der Finanzexperte der Grünen im Bundestag, Gerhard Schick, gehörte, hatten bereits damals argumentiert, dass der Bund ein schlechtes Geschäft machen würde, weil die Käufer hohe Gewinne mit den Hybridanleihen heben könnten. Die Befürworter des Verkaufs waren dagegen der Meinung, es wäre besser, die 320 Millionen Euro zu kassieren und sich die langwierige Abwicklung zu ersparen.

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