Eigenkapital EZB will Großbanken härtere Zügel anlegen

Europas Großbanken erwarten Post: In den kommenden zwei Wochen will die Europäische Zentralbank sie wohl über neue, härtere Kernkapitalquoten informieren. Welche Folgen das hätte.
Die EZB will den Großbanken in Europa noch einmal strengere Kapitalquoten verordnen. Quelle: Imago
Straffere Zügel?

Die EZB will den Großbanken in Europa noch einmal strengere Kapitalquoten verordnen.

(Foto: Imago)

FrankfurtGroßbanken in Europa müssen sich bald auf härtere Auflagen gefasst machen. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde den von ihr beaufsichtigten Instituten neue Mindestkernkapitalquoten (SREP-Quote) vorgeben, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Briefe würden vermutlich in den kommenden zwei Wochen zugestellt, ergänzte einer der Insider. Die Vorgaben werden von den Banken mit Spannung erwartet. Im Extremfall können sie zur Folge haben, dass sich Geldhäuser von kapitalintensiven Geschäften trennen oder mehr Kapital aufnehmen müssen.

Felix Hufeld, der Präsident der deutschen Finanzaufsicht BaFin, hatte bereits im September im Reuters-Interview härtere Vorgaben angekündigt. Die sogenannte SREP-Prüfung in diesem Jahr sei umfangreicher gewesen als bei der vorigen Festlegung der Quote, sagte er. „Es wird ein breiteres Spektrum an Risiken berücksichtigt, das müssen die Ergebnisse reflektieren.“

Diese Leichen haben Europas Banken noch im Keller
Moody's nimmt Banken unter die Lupe
1 von 12

Die Ratingagentur Moody’s hat die Altlasten der fünf größten Banken Europas unter die Lupe genommen. Konkret hat sie die sogenannten „Legacy Assets“ und die „Risk-weighted Assets“ (RWA) analysiert. Bei Erstem handelt es sich um Kapitalanlagen, die sich bereits seit langer Zeit im Portfolio der Bank befinden und in der Regel wertlos sind beziehungsweise keine Renditen mehr liefern. Die RWAs sind hochriskante, meist derivative Produkte, die ebenfalls nicht mehr zum Kernportfolio einer Bank gehören.

Die Nachteile der Papiere
2 von 12

Ein hoher Anteil an Legacy Assets, die im Volksmund als toxische Papiere bekannt sind, hat den Nachteil, dass Banken im Gegenzug hohe regulatorische Kapitalreserven aufbauen müssen. Bei den RWAs ist es ähnlich. Ein hoher Anteil an RWAs weist in der Regel auf eine riskante Portfoliogewichtung einer Bank hin, welche wiederum mit höheren Liquiditätsreserven beziehungsweise hartem Kernkapital abgesichert werden müssen. Das harte Kernkapital bildet sich unter anderem aus dem einbehaltenen Gewinn, der nicht mehr investiert werden kann.
Es folgt die Entwicklung der Legacy Assets der untersuchten Banken.

Deutsche Bank
3 von 12

Deutschlands größte Bank steht im Kreuzfeuer der Justiz. Für die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten hat die Deutschen Bank bereits Milliarden zurücklegen müssen. Beim Verkauf der toxischen Papiere wiederum ist das Geldhaus auf einem guten Weg. Waren 2012 noch 106 Milliarden Dollar dieser Papiere in den Bilanzen der Deutsche Bank, sank die Summe im Jahr darauf auf 71, 2014 auf 43 und im ersten Halbjahr 2015 auf 39 Milliarden Dollar.

Credit Suisse
4 von 12

Bei der Credit Suisse ist ebenfalls ein negativer Trend bei dem Legacy Assets zu erkennen. 2012 hatte die Schweizer Bank noch toxische Papiere im Wert von 64 Milliarden Dollar. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres waren es nur noch 39 Milliarden Dollar. Hilfreich für den Verkauf dieser Papiere sind vor allem die derzeit niedrigen Zinsen. Insgesamt sank der Wert der toxischen Papiere bei den Banken Barclays, Credit Suisse, Deutsche Bank, RBS und UBS um 30 Prozent von 1,2 Billionen im Jahr 2013 auf 867 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 2015.

UBS
5 von 12

2012 hatte die UBS noch einen riesigen Batzen an Legacy Assets (458 Milliarden Dollar). In den Folgejahren konnte das Schweizer Finanzinstitut diesen aber abarbeiten. Im ersten Halbjahr 2015 blieben noch 121 Milliarden Dollar übrig. Die Reduzierung von toxischen Papieren hilft Banken ihre Gesamtprofitabilität zu erhöhen. Zeitgleich senken sie die Schwankungsanfälligkeit ihrer Einnahmen. Außerdem gilt: je geringer die Aktivität im Markt mit Hebelprodukten, desto besser das Kreditprofil einer Bank.

Barclays
6 von 12

Die britische Investmentbank hat in ihrem Portfolio die meisten toxischen Papiere unter den untersuchten Banken. 2013 lag der Wert bei satten 803 Milliarden Dollar. Ein Jahr später waren noch 741 Milliarden Dollar übrig. Im ersten Halbjahr 2015 betrug der Wert der Legacy Assets 531 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland (RBS)
7 von 12

Während der Finanzkrise 2008/2009 entging die RBS nur haarscharf dem Kollaps. Allerdings nur weil die britische Regierung der Bank rettend unter die Arme griff. Die Reduzierung der toxischen Papiere läuft dennoch schleppend. Waren 2012 noch 90 Milliarden Dollar im Portfolio, stieg der Wert 2014 sogar auf 214 Milliarden Dollar. Im laufenden Jahr sank die Summe der Legacy Assets wieder auf 151 Milliarden Dollar.
Es folgt die Entwicklung der Risk-weighted Assets (RWAs) der untersuchten Banken.

SREP steht für Supervisory Review and Evaluation Process. Dass deutsche Banken wegen der neuen Quoten zu Kapitalerhöhungen gezwungen sind, sei jedoch nicht zu erwarten, sagte eine andere mit dem Prozess vertraute Person. Nichtsdestotrotz machen sich viele Institute schon seit längerem Gedanken darüber, wie sie mit den erwarteten, höheren Kapitalanforderungen umgehen wollen. Auch bei der Entscheidung der Deutschen Bank, Töchter und Beteiligungen zu verkaufen und die Dividende zu kürzen, habe das Thema eine wichtige Rolle gespielt, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person.

Die Maßnahmen führen dazu, dass die Kapitalquote der Deutschen Bank steigen wird - nach Einschätzung von Investoren um rund einen vollen Punkt auf zwölf Prozent. Nach bisherigen EZB-Vorgaben muss Deutschlands größte Bank eine harte Kernkapitalquote von mindestens zehn Prozent aufweisen, wie das Geldhaus im Juli in einem Abwicklungsplan für die US-Behörden preisgab.

Die EZB ist seit knapp einem Jahr für die Kontrolle der größten Banken der Euro-Zone zuständig. In vielen Bereichen geht sie dabei strenger vor als die nationalen Aufseher. Lange sei es in Deutschland die Ausnahme gewesen, dass Institute eine Kapitalquote vorgegeben bekommen, die über den Mindestanforderungen liegt, sagt der Finanzchef einer Großbank. „Jetzt hat man die Ausnahme zur Regel gemacht.“ Insider gehen davon aus, dass 80 Prozent der Großbanken künftig eine Kapitalquote zwischen neun und zwölf Prozent einhalten müssen.

  • rtr
Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%