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Ein Handelsblatt-Gespräch Dieter Rampl: „Wir leben nicht davon, dass es nur Konsens gibt“

Der Chef der Hypo-Vereinsbank über freundliche Übernahmen, branchenübergreifende Partnerschaften und konstruktiven Streit im Vorstand. Ein Handelsblatt-Gespräch.

Handelsblatt: Herr Rampl, vor einem Jahr verglichen Sie im Handelsblatt-Interview den Weg der Hypo- Vereinsbank mit einem 3 000-Meter- Hindernislauf. Damals sahen Sie sich kurz hinter der 1 000-Meter-Marke. Wo stehen Sie heute?
Rampl: Inzwischen sind wir bei der 2 500-Meter-Marke angelangt. Wir haben seit Anfang 2003 eine beachtliche Agenda abgearbeitet. Wir haben zum Beispiel die Bank Austria an die Börse gebracht, was in einem schwierigen Umfeld ein großer Erfolg war. Gleiches gilt für die Abspaltung der Hypo Real Estate und unsere Kapitalerhöhung in diesem Frühjahr. Unsere Kernkapitalquote liegt heute bei 7,2 Prozent. Das ist ein komfortables Niveau. Jetzt geht es darum, Erträge zu liefern.

Das Ultimatum von Bundeskanzler Gerhard Schröder, der die Branche zu Fusionen aufgefordert hat, verhallte ungehört. Warum passiert nichts?
Rampl: Die Konsolidierung, auch in Europa, wird kommen. Daran führt kein Weg vorbei. Aber es gibt keinen Zeitdruck. Die Banken hier zu Lande haben gezeigt, dass sie mit ihren Geschäftsmodellen nach den Umbauten der letzten Jahre auf dem richtigen Weg sind und sie wieder Erträge liefern können. Mich stört, dass sich die Diskussion in Deutschland leider immer nur um die privaten Banken dreht. Die übrigen 70 Prozent des Marktes – also Sparkassen und genossenschaftliche Institute – werden dabei gerne vergessen.

Einen Zusammenschluss zwischen Hypo-Vereinsbank (HVB) und Commerzbank wird es nicht geben?
Rampl: Commerzbank-Chef Klaus- Peter Müller hat erst kürzlich gesagt, dass die Kapitalmärkte eine Fusion nicht goutieren würden. Ich will meinem Kollegen da nicht widersprechen. Viele schauen immer nur auf die möglichen Synergieeffekte solcher Fusionen, vor allem auf der Kostenseite. Aber das würde nichts anderes als einen massiven Personalabbau bedeuten. Und Sie verlieren Geschäft. Wir haben es ja beim Zusammenschluss von Vereinsbank und Hypobank zur HVB erlebt, was es heißt, zu fusionieren.

Haben Sie Interesse an der zum Verkauf stehenden BHF-Bank, bei der Sie früher tätig waren?
Rampl: Nein. Die BHF-Bank ist eine hervorragende Nischenbank. Von der Kundenstruktur passt sie aber nicht zur HVB.

Aber die Postbank würde doch zu Ihnen passen?
Rampl: Die Postbank ist gut unterwegs. Wir haben unverändert Interesse. Die Mehrheit ist ja auch nach dem Börsengang noch zu haben. Das ist momentan zwar kein Thema. Doch es wird eines, wenn die Post die Mehrheit der Anteile auf den Markt bringt.

Haben Sie sich schon mal eine Sparkasse angeschaut?
Rampl: Ja. Die Kommunen als Eigentümer haben große Haushaltsprobleme. Von dieser Seite kommt sicherlich Druck auf die Sparkassen. Es wird daher in den nächsten drei bis fünf Jahren in diesem Sektor etwas passieren. Ich glaube an den Markt. Wir dürfen übrigens nicht den Fehler machen, immer zu sagen: Private Banken wollen Sparkassen kaufen. Das kann nach dem Zusammenschluss mehrerer Sparkassen untereinander auch einmal anders herum gehen.

Derzeit läuft der Verkauf der Frankfurter Sparkasse. Doch offenbar will die Stadt ihren Anteil nur an das Sparkassenlager verkaufen. Finden Sie das korrekt?
Rampl: Ökonomisch wäre es sicher am vernünftigsten, wenn die Stadt ihre Anteile an denjenigen verkauft, der am meisten bietet. Aber ich glaube nicht, dass es dazu kommt.

Wie steht es um die europäische Konsolidierung? Die spanische Großbank Santander macht mit der geplanten Übernahme der britischen Abbey den Anfang. Ist die HVB das nächste Ziel eines Ausländers?
Rampl: Wenn Sie damit eine unfreundliche Übernahme meinen, dann schließe ich dies für die HVB in der derzeitigen Phase der europäischen Konsolidierung aus.

Und eine freundliche Übernahme?
Rampl: Mit Sicherheit ist die HVB ein attraktiver Partner. Man sollte einen starken Heimatmarkt haben. Den haben wir – zwar nicht in ganz Deutschland, aber doch in Bayern und Norddeutschland – und natürlich in Österreich und Osteuropa.

Könnte die europäische Konsolidierung einen Bogen um Deutschland machen?
Rampl: Das kann passieren, denn der deutsche Markt erscheint vor dem Hintergrund der jüngsten Vergangenheit in unserer Branche zunächst schwierig. Aber er ist nach wie vor auch attraktiv. Schließlich ist Deutschland die größte Volkswirtschaft des Kontinents. Wer in Europa tätig sein will, kann auf Dauer um Deutschland keinen Bogen machen.

Anfang des Jahres haben Sie eine Kapitalerhöhung über drei Milliarden Euro durchgezogen. Kurz danach mussten Sie schwache Zahlen für das erste Quartal vorlegen. Woran lag es?
Rampl: Keine Frage: Wir waren auch enttäuscht, insbesondere über die Entwicklung beim Zinsüberschuss. Wir hatten mit einer höheren Kreditnachfrage der Unternehmen gerechnet. Wir waren aber auch nicht bereit, Kredite um jeden Preis zu vergeben. Dabei bleibe ich auch. Hinzu kam: Die Erwartungen der Anleger an uns waren sehr hoch, nachdem wir in den Vorquartalen positiv überrascht hatten.

Also hatten Sie die Märkte nicht richtig vorbereitet?
Rampl: Wir haben als eines von ganz wenigen Unternehmen für 2004 konkrete Bandbreiten für Ertrag, Kosten und Gewinn kommuniziert. Daran lassen wir uns messen. Aber bitte am 31.12. und nicht nach dem ersten Quartal. Wir haben im zweiten Quartal demonstriert, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Und wie ist das dritte Quartal angelaufen.
Rampl: Gut. Das Handelsergebnis war im Juli sogar sehr gut.

Schwierig ist die Lage vor allem im Geschäftsfeld Deutschland, im abgelaufenen Quartal gab es rote Zahlen. Sind Sie enttäuscht?
Rampl: Ehrlich gesagt, nein. Die Entwicklung sieht ganz anders aus, wenn man bedenkt, woher wir kommen. Eine solch große Bank wie die HVB können wir nicht in zwei oder drei Quartalen drehen. Zudem belastet uns auf der Immobilienseite noch unsere Vergangenheit, die im Kern die einer Immobilienbank ist.

Planen Sie den Verkauf von faulen Immobilienkrediten?
Rampl: Das haben wir bisher nicht getan. Aber wir sind grundsätzlich dazu bereit, wenn der Preis stimmt. Gespräche gibt es immer wieder. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir ein Kredit-Portfolio verkaufen werden. Über das Volumen und den Zeitpunkt kann ich allerdings noch nichts sagen.

Ein Verkauf würde zwar die Bilanz entlasten, aber vermutlich nur unter Verlusten.
Rampl: Das muss man sehr differenziert betrachten. Zwar entsteht unter Umständen ein Buchverlust, aber dem stehen positive Aspekte wie die Entlastung beim Eigenkapital, der Liquiditätszufluss und der wegfallende Aufwand für das Management eines solchen Portefeuilles entgegen. Eine Entscheidung werden wir erst dann treffen, wenn die Sache ausgehandelt ist.

Anders als die HVB macht die Commerzbank mit ihren Privatkunden Gewinne ...
Rampl: Dass wir noch einiges tun müssen, ist klar. Wir müssen Kunden gewinnen und neue Produkte an den Markt bringen. Wir sind da im Neugeschäft auch auf gutem Weg.

Wo sollen die neuen Kunden denn herkommen? Wollen Sie doch eine Bank kaufen?
Rampl: Wir müssen auch in Produkten denken. Es gibt ja nicht nur Banken, die Finanzdienstleistungen anbieten können. Denken Sie auch einmal an Kreditkartenfirmen oder an den Einzelhandel. Wir können uns hier durchaus Partnerschaften vorstellen.

Sie haben in Deutschland vier Millionen Privatkunden. Was ist Ihr nächstes Ziel?
Rampl: Wir denken, wenn es um die gerade angesprochenen Kooperationen geht, an die Größenordnung von einer Million Kunden. Wir führen bereits Gespräche in diese Richtung und wollen so schnell wie möglich Flagge zeigen.

Haben Sie mit Christine Licci, Ex-Chefin der Citibank in Deutschland, über einen Vorstandsposten bei der HVB gesprochen?
Rampl: Wir sind immer auf der Suche nach guten Leuten. Frau Licci ist eine ausgezeichnete und profilierte Bankerin. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Es wird berichtet, dass es Streit zwischen den Vorständen Stefan Jentzsch und Michael Mendel gibt. Stimmt die Chemie im Vorstandsgremium?
Rampl: Ich hoffe sogar, dass es konstruktive Reibereien gibt. Wir leben nicht davon, dass es nur Konsens gibt. Das Problem ist: Wenn wir konstruktiv streiten, wird das negativ in der Öffentlichkeit aufgefasst – gerade bei der HVB.

Wann wird die HVB die Vorstandsbezüge einzeln ausweisen?
Rampl: Ich kenne den Zug der Zeit. Dem werden wir uns sicherlich nicht verschließen. Aber gerade seitens der Politik wäre mir eine sachliche Diskussion über dieses Thema lieber.

Das Gespräch führten Caspar Busse, Robert Landgraf, Christian Potthoff und Bernd Ziesemer.

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