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Einmal und nie wieder Aus dem Leben der Finanzaufsicht

Die Stresstests waren nicht nur für die getesteten Institute stressig, auch die Finanzaufsicht brachten sie bisweilen um den Schlaf. Und so war die Bekanntgabe der Ergebnisse auch für die Bundesbank und die Bafin eine besondere Art der Erlösung. Wie die Kontrolleure den Freitagnachmittag erlebten.
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Die Ergebnisse der Stresstests sind auch für Bundesbank und Bafin eine Erlösung. Quelle: Reuters

Die Ergebnisse der Stresstests sind auch für Bundesbank und Bafin eine Erlösung.

(Foto: Reuters)

Freitagnachmittag, 16.30 Uhr, Gästehaus der Bundesbank in Frankfurt. Eigentlich ist um diese Uhrzeit nichts mehr los in der Bundesbank. Feierabend. Aber eben nur eigentlich, denn heute ist ein besonderer Tag, kein normaler. Nach fünf Wochen, in denen der europaweite Stresstest nicht nur die vielen Mitarbeiter in der Bundesbank um den Schlaf brachte und sie zeitweise mit zwei Stunden Nickerchen auskommen mussten, sollte die Erlösung kommen. Ergebnisse vorstellen und dann nichts wie ab ins Wochende. Es war verdient. Den Journalisten wollten Jochen Sanio als Chef der Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin und sein Partner bei der Bundesbank, Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler aber noch etwas Aufkärung mitgeben - quasi Interpretationshilfe mit Sperrfrist, bevor gegen 18 Uhr die Ergebnisse in der breiten Öffentlichkeit verteilt wurden.

Nach der Aufregung über den ersten Stresstest für Banken in Europa in den vergangenen Tagen war der Auflauf groß. Allein zehn Kameras waren auf die Hauptdarsteller gerichtet, ungefähr so viele wie bei einer Siegerehrung in der Formel-1. ZDF, der Hessische Rundfunk und N24 parkten ihre Übertragungswagen im Halbkreis vor dem Gebäude in der Wilhelm-Epstein-Str. 14. Dann war es soweit. 16.32 Uhr, Showtime. Sanio und Zeitler betreten den Raum, die Kameras klicken, Laptops werden aufgeklappt, Bleistift und Blöcke gezückt. Die beiden Hauptdarsteller setzen sich, die Krawatte zurechtgerückt und los geht es. Bundsbanker Zeitler will die Journalisten einstimmen. Im bayerischem Dialekt, mit gewinnendem Lächeln spricht er von Vertrauen schaffen, von Transparenz erhöhen und die Arbeit der Journalisten erleichtern. All das und noch viel mehr ist das Ziel der beiden Herren. Doch meinen Sie es wirklich so? Sind sie nicht genervt? Hat Ihnen nicht die Europa-Politik das alles eingebrockt, was sie in Form Abertausender Excel-Dateien mit Mllionen Daten jetzt auslöffeln müssen? Und der zusätzliche Erkenntnisgewinn ist gleich null.

Noch kommt es nicht durch, wenn Zeitler mit seiner schockfarbenen orangen Krawatte, die von blauen Streifen durchzogen ist, von einem Abdeckungsgrad von 60,7 Prozent der Banken in Europa spricht und das Modell des Stresstests mit seinen drei Szenarien durchkaut. Er kann auch ganz stolz sein, denn nur den ohnehin staatlichen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate hat es erwischt. Der einzige Durchfaller in Deutschland, der die Quote von sechs Prozent Kernkapital beim Stresstest gerissen hat. Keine Überraschung. Und Sanio spricht von einer termingerechten Ablieferung der Daten an den europäischen Datensammler, die Koordinationsbehörde CEBS, das Sammelbecken der Aufseher in Europa. Nicht spricht er davon, dass es wirklich eng zuging und die Informationen erst auf dem letzten Drücker am Mittag geschickt wurden.

Um die Märkte zu beruhigen, lassen sich Sanio und Zeitler sogar dazu bewegen, Fragen noch einmal für den amerikanischen Fernsehsender CNBC in Englisch zu beantworten. "Confidence is building". Selbst der Ifo-Stresstest, Entschuldigung, Ifo-Geschäftsklimaindex wurde als Beweis herangezogen, um zu zeigen, alles wird gut. Oder nicht. Bei der Frage eines Kollegen musste sich Zeitler doch hinter das Ohr greifen. Frage nícht verstanden, bitte wiederholen... Manchmal hilft eben alle Erfahrung nichts, die sich Zeitler aus seiner Zeit als Staatssekretär von Finanzminister Theo Waigel mit in die heutigen Tage rettete. Deswegen ein schneller Abgang, nichts wie weg. Die Zeiten können nur besser werden. Es ist Freitag, 17.45 Uhr.

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