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EIOPA Experten-Beirat arbeitet an europäischer privater Altersvorsorge

Der Experten-Beirat der europäischen Versicherungsaufsicht arbeitet ab sofort an einer Europa-Rente. Dabei gibt es zwei Knackpunkte.
Update: 31.07.2019 - 07:23 Uhr Kommentieren
Das EU-Parlament hat im April die sogenannte Europa-Rente verabschiedet. Quelle: dpa
Europa-Rente

Das EU-Parlament hat im April die sogenannte Europa-Rente verabschiedet.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Plan der EU für ein einheitliches Angebot zur privaten Altersvorsorge soll nun konkrete Formen annehmen. Nachdem das EU-Parlament die sogenannte Europa-Rente im April verabschiedet hatte, tagte am Dienstag erstmals in Frankfurt ein Expertenbeirat, der die konkrete Gestaltung von Produkten unterstützen soll.

Dafür hat die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa 21 Fachleute aus Wissenschaft, Verbraucherschutz sowie Fonds- und Versicherungsindustrie einberufen. Dort wird diskutiert, wie solche europaweit anzubietenden Kapitalanlageprodukte aussehen können. Mit den ersten Angeboten rechnen Experten in rund zwei Jahren.

Die EU setzt mit ihrer Verordnung, die im kommenden Frühjahr in Kraft tritt, einen Rahmen für die neue Europa-Rente mit Namen Pepp (Pan-European Personal Pension Product). Private Anbieter sollen Pepps in ganz Europa auf den Markt bringen. Die Produkte dürfen unterschiedlich sein.

Die EU verlangt allerdings ein einfaches und kostengünstiges Basisprodukt mit einem Kostendeckel von einem Prozent und einer Kapitalgarantie – oder wahlweise mit einem geeigneten System zum Abfedern von Anlagerisiken. Die Förderung wird nach dem Willen der Politiker allerdings national geregelt. Zugelassen werden die Produkte durch die jeweils nationale Finanzaufsicht, in Deutschland ist das die Bafin.

Zu den wichtigsten Themen gehört für Beiratsmitglied Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des verbrauchernahen Bunds der Versicherten (BdV), die Frage, wie eine Kapitalgarantie und die Auszahlphase gestaltet werden sollten. Spannend findet Beiratsmitglied Til Klein, Chef des Fintechs Vantik, dass die Eiopa offen sei für Alternativen zur Kapitalgarantie. Vantik bietet eine solche digitale Altersvorsorge an.

Die EU schreibt zudem für die Auszahlphase nicht unbedingt eine in der geförderten Vorsorge vorherrschende Versicherungslösung vor. Kleinlein gefällt das: „Wer sagt denn, dass man mit 67 komplett auf Versicherungen gehen und den Chancen des Kapitalmarktes entsagen muss?“

Knackpunkt ist die Förderung

Die Idee der Europa-Rente kommt unterschiedlich gut an. Aus der Politik kommt Lob. Die Bundesregierung unterstütze generell die Pepp-Initiative, heißt es im Bundesfinanzministerium (BMF). Der Finanzexperte der Grünen im EU-Parlament, Sven Giegold, findet vor allem den Kostendeckel positiv, erkennt daher in Pepp einen „Durchbruch“ für den Verbraucherschutz. Damit kämen auch in Deutschland die oft „unverschämten“ Gebühren bei Lebensversicherungen und Fonds unter stärkeren Druck des europäischen Wettbewerbs, sagt er.

Kleinlein vom BdV hätte sich allerdings noch schärfere Kostenvorgaben gewünscht. Dagegen hält die Versicherungsindustrie die Grundidee zwar für gut, aber die Umsetzung für schwierig. Ein Kostendeckel von einem Prozent rechne sich selbst bei einem Onlineprodukt nicht, zumal die EU eine Beratungspflicht vorschreibe, heißt es beim Verband GDV. Außerdem seien Produkte ohne standardmäßige Verrentung keine Altersvorsorge, sondern reine Sparprodukte.

Der Knackpunkt sollte allerdings das Thema Förderung werden. Ohne Steuer- oder Sozialabgabenvorteile wie etwa bei der Riester-Rente dürften sich viele Menschen vermutlich eher für ein subventioniertes Produkt entscheiden. Die Bundesregierung will Pepps laut BMF nur fördern, wenn sie denselben Vorgaben genügten wie bestehende nationale Produkte.

Optimisten wie Kleinlein hoffen mit der Europa-Rente auf einen Schritt zur EU-Harmonisierung der Steuersysteme und bessere grenzüberschreitende Anlagemöglichkeiten für jedermann am Kapitalmarkt. Pessimisten fürchten noch größeres Durcheinander bei den Vorsorgeangeboten, für die schon auf nationaler Ebene wie in Deutschland um einfache Lösungen gerungen wird.

Mehr: Frauen erhalten im Schnitt nur halb so viel Rente wie Männer. Zudem rutschen sie häufiger in die Altersarmut ab. Tipps für eine solide Altersvorsorge.

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