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Elektronische Geldbörse Was Googles Lizenz für E-Geld in Europa bedeutet

Von der Bankaufsicht in Litauen hat Google eine E-Geld-Lizenz erhalten. Was das für Banken und Verbraucher bedeuten könnte.
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Der Tech-Konzern erweitert seine Möglichkeiten in Europa. Quelle: Reuters
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Der Tech-Konzern erweitert seine Möglichkeiten in Europa.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Gute Nachricht für Google, schlechte Nachricht für die Banken: Die Bankaufsicht in Litauen hat Google eine E-Geld-Lizenz erteilt. Damit kann der Technologie-Konzern nun in der gesamten Europäischen Union (EU) elektronisches Geld ausgeben und Zahlungsdienste anbieten.

Weitere Bankdienstleistungen wie Kredite oder Zinsprodukte sind von der Lizenz nicht umfasst. Dennoch: Damit wird Google gegenüber traditionellen Banken immer bedrohlicher und Verbraucher können sich womöglich auf neue Angebote einstellen.

Google ist bereits mit seinem Bezahlsystem Google Pay im Zahlungsverkehr aktiv. Seit Juni vergangenen Jahres ist die Funktion auch in Deutschland verfügbar. Wie bei Apple Pay hinterlegen Nutzer dabei ihre Kreditkartendaten in einer digitalen Geldbörse und können dann an der Ladenkasse oder auch in Apps und im Online-Handel mit dem Smartphone über Google Pay bezahlen. Bislang vermittelt Google dabei nur zwischen Händlern und Kunden. Dank der E-Geld-Lizenz könnte der Konzern seinen Kunden jedoch anbieten, Geld in eine elektronische Geldbörse einzuzahlen.

Google, Amazon, Facebook und Apple – kurz „GAFA“ – und die asiatischen Anbieter wie Ant Financial und Tencent haben etliche Berater und Banker längst als ernstzunehmende Konkurrenten für die Finanzbranche ausgemacht.

Dass sie eigene Bankhäuser eröffnen gilt dabei als unwahrscheinlich. Doch die Konzerne picken sich einzelne Bankdienstleistungen wie den Zahlungsverkehr heraus und verknüpfen sie mit ihren Produkten. Das stärkt die ohnehin schon enge Kundenbindung und birgt für Banken die Gefahr, selbst den Kontakt zu den Kunden zu verlieren.

Im vergangenen Jahr äußerte etwa Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des privaten Bankenverbands (BdB) die Sorge: „Vermutlich sind es die Datenriesen wie Google oder Facebook, die in wenigen Jahren die härtesten Konkurrenten von Banken sind.“ Und die Unternehmensberatung Bain & Company wartete mit einer Studie auf, laut der sich mehr als die Hälfte von rund 10.000 befragten deutschen Bankkunden vorstellen können, Finanzprodukte bei den GAFAs zu erwerben.

Eine E-Geld-Lizenz wie jetzt Google haben auch schon Facebook und Amazon. Der Handelsriese betreibt auf dieser Grundlage seinen Bezahldienst Amazon Pay. Damit können Kunden auch bei Online-Händlern abseits der Amazon-Plattform die Zahlungsweise nutzen, die sie bei Amazon hinterlegt haben.

Was mit der Lizenz machbar ist, zeigt seit mehr als zehn Jahren schon Paypal. Mit dem Bezahldienst können sowohl Verbraucher als auch Unternehmen Zahlungen senden und empfangen, ohne dem Gegenüber ihre Kreditkarten- oder Kontodaten zu vermitteln.

Möglicher Einsatz: P2P-Payment

Google nannte keine Details zum Einsatz seiner neuen Lizenz. Auf Anfrage des Handelsblatts teilte ein Google-Sprecher lediglich mit, dass der Konzern ständig an seinen bestehenden Produkten im Bereich Zahlungsverkehr und Marktplatz arbeite.

Die Lizenz sei Teil dieser Bestrebungen in Europa. In Bezug auf Google Pay äußerte der Sprecher weiter, die Lizenz befähige Google Pay zu nichts, das nicht auch schon vorher möglich gewesen sei. Was genau Google also mit der neuen Lizenz vorhat, bleibt abzuwarten. In Bezug auf zukünftige Produkte gibt sich der Konzern traditionell bedeckt.

Eine Funktion von Google Pay, die bisher nur Nutzern in den USA zur Verfügung steht, ist das Geldsenden an Freunde. Mit einer E-Geld-Lizenz wäre dieses sogenannte P2P-Payment zumindest aufsichtsrechtlich auch in Europa möglich.

In Deutschland bieten das bereits Paypal, Klarna sowie die Sparkassen und Volksbanken mit „Kwitt“ und die Smartphone-Bank N26 mit „Moneybeam“ an.

Die P2P-Funktion oder eine elektronische Geldbörse allein mögen für die Banken noch harmlos erscheinen. Doch sie drohen durch das Engagement von Google nicht nur den Kontakt zu ihren Kunden, sondern auch wertvolle Daten zu verlieren.

Wenn ihre Kunden bislang elektronisch per Kreditkarte oder Girocard bezahlen, erhalten Banken die Transaktionsdaten – auch dann, wenn die Kreditkartenzahlung über Google Pay läuft. Daraus können die Institute detaillierte Verhaltensprofile ihrer Kunden erstellen.

In der Praxis ist das zwar noch nicht weit verbreitet, birgt für Banken aber ein großes Potenzial. Wenn jedoch Google die Zahlungen direkt abwickelt, könnte der Konzern den Banken diese wertvollen Transaktionsdaten womöglich vorenthalten.

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