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Ermittlungen Ehemalige Sberbank-Mitarbeiter unter Verdacht

Ein ehemals hoher Manager und mehrere Mitarbeiter der russischen Bank werden des Betrugs verdächtigt – sogar Morddrohungen soll es gegeben haben.
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Ehemalige Sberbank-Mitarbeiter unter Verdacht Quelle: mauritius images / FrimuFilms / Alamy
Sberbank Europe in Wien

Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen einen ehemaligen Manager der russischen Sberbank sowie Unbekannte und Personen in ihrem Umfeld.

(Foto: mauritius images / FrimuFilms / Alamy)

Zürich Im Nachhinein wussten es alle besser. Anwälte, Bankiers, Berater. Als Karsten Monheim (Name geändert) am Boden lag, als sein Traum vom Milliardengeschäft geplatzt war und er von seinem Geschäftspartner nicht mehr hofiert, sondern bedroht wurde, schüttelten alle, die er um Hilfe bat, erst einmal mit dem Kopf. Nie, aber auch niemals hätte er sich mit den Russen einlassen sollen.

„Was glaubst du, mit wem du es hier zu tun hast? Wir wissen, wo deine Kinder wohnen.“ Der Mann, der Monheim am 25. Oktober 2018 anrief, klang bedrohlich. Neun Monate zuvor hatte Monheim mit Erkan Ilgay (Name geändert) einen Vermittlungsvertrag für die russische Sberbank geschlossen. Jetzt hörten Monheim und seine Mitarbeiterin wie Ilgay am Telefon mit „russischen Methoden“ drohte. „Lautlos, unauffällig und ohne Spuren“ könne man ihn aus dem Weg schaffen, versprach Ilgay. „Wir finden dich, überall.“

Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen einen ehemaligen Manager der russischen Sberbank sowie Unbekannte und Personen in ihrem Umfeld. Schwerer gewerbsmäßiger Betrug, gefährliche Drohung und Täuschung lauten die Vorwürfe. Betroffen ist die Gesellschaft Sberbank Europe AG mit Sitz in Wien.

Bank sieht sich frei von Schuld

Mit einer Bilanzsumme von 435 Milliarden Euro, 137 Millionen Kunden und 250.000 Mitarbeitern ist die Sberbank Russlands größtes Finanzinstitut. Eine Sprecherin der Sberbank Europe AG lehnte eine Stellungnahme ab. Ein Anwalt teilte mit, der Bank seien keine Ermittlungen bekannt, sie habe sich „keinerlei Fehlverhalten vorzuwerfen“.

Monheim hat es anders erlebt. 18 Jahre lang forschte der heute 53-jährige Kunsthistoriker an einem Projekt, das nach dem Dafürhalten von Experten den internationalen Kunstmarkt aufwirbeln kann. Monheim will über die Details nicht öffentlich sprechen. Bekannt ist nur, dass er einen Sberbank-Manager davon überzeugte, mehr als eine halbe Milliarde Euro aufzubringen, um damit ein Projekt über das Leben eines der bekanntesten Maler der Weltgeschichte zu finanzieren. Die Geschäftspartner versprachen sich eine Verdreifachung des eingesetzten Kapitals.

40 Prozent davon sollten an die Sberbank Europe AG fließen, die europäische Zentrale des russischen Finanzriesen. Monheim war Anfang 2018 über zwei Finanzvermittler an das Geldhaus gekommen. Die Interessen der Russen vertrat ihm gegenüber Paul T. (Name geändert), laut Visitenkarte Head of Global Markets & Investmentbanking der Sberbank Europe AG.

Im Zuge der Verhandlungen traf Monheim auch Stefan Zapotocky, den damaligen Vorstandsvorsitzenden der Bank. Die erste Version eines Vertrags trug am 13. Februar 2018 die Unterschrift von Zapotocky, T. und Monheim. Eine geänderte Fassung unterschrieb – angeblich für die Sberbank – nur Paul T..

Im Juni hatte Monheim den Eindruck, das Kapital für sein Lebenswerk sei zum Greifen nahe. Der Sberbank schien es gelungen, einen südamerikanischen Milliardär für das Projekt zu gewinnen. „Wir haben schon gefeiert“, sagt Monheim. „T. sagte mir, alles sei nun klar.“ Für den Kunstsammler bedeutete die Zusage eine gewaltige Erleichterung.

Fast 20 Millionen Euro eigenes Geld hatte er in das Projekt investiert. Unter dem Siegel der absoluten Geheimhaltung präsentierte er der Sberbank seine Forschungsergebnisse, Versicherungspolicen für Gemälde des berühmten Malers, seine Businesspläne mit Manuskripten für Buchprojekte und Drehbücher zur Verfilmung der Kunstsensation. „Die Sberbank hatte einen eigenen renommierten Kunstexperten eingeschaltet, um alles zu prüfen“, sagt Monheim. „Damals fand ich das nicht verdächtig.“

Partner verschwunden

Dann änderte sich sein Eindruck. Die Überweisung des Milliardärs sei an einer Geldwäsche-Prüfung gescheitert, hörte er im Juli 2018 von seinen Partnern. Dann meldeten sie sich nicht mehr. Monheim, der mit dem Projekt laufende Kosten hatte, versuchte vergeblich, den Kontakt wiederherzustellen. Als er im Oktober schließlich Sberbank-Manager T. Schadensersatzforderungen ankündigte, erhielt er wenige Tage später den Drohanruf von Ilgay – seinem ersten Kontakt zur russischen Bank.

Nach dem ersten Schock berichtete Monheim der Bank schriftlich von dem Anruf. Laut Monheim meldete sich dann T. telefonisch. „Er sagte, es habe wohl ein Missverständnis gegeben, ich solle mir keine Sorgen mehr machen.“ T. habe einen neuen Investor gefunden.

In der Zigarren-Bar im Hotel Ritz Carlton in Wien kam es zu einem Treffen mit dem vermeintlichen Investor – einem ehemaligen Telekomminister aus Osteuropa. Anschließend hörte Monheim wieder nichts. Auf Nachfragen teilte ihm T. per SMS mit, er könne wegen einer Lungenentzündung nicht sprechen und werde sich melden, sobald möglich.

Monheim hat seither mit T. kein Wort mehr gesprochen. Im Dezember 2018 fuhr er in die Europazentrale der Sberbank, um sich zu beschweren. Statt Zapotocky, den Monheim eigentlich sprechen wollte, kam ein Mitarbeiter der Rechtsabteilung zum Empfang, um eine kurze Nachricht zu überbringen: Zapotocky sei in einer Aufsichtsratssitzung, T. und der andere Mitarbeiter, der das Kunstprojekt von Monheim betreute, arbeiteten schon seit Monaten nicht mehr für die Sberbank.

Was hatte das zu bedeuten? Monheims Anwälte ringen seit Monaten um Erklärungen. Die jüngste Version der Sberbank: Das Geschäft, das Monheim mit T. aushandelte, gibt es gar nicht. Es sei unerheblich, ob Verträge auf dem Briefpapier der Sberbank ausgefertigt wurden oder ob T. seinen Geschäftspartner in den Geschäftsräumen der Sberbank empfing.

Monheim hätte im öffentlich zugänglichen Firmenbuch nachschauen können, ob T. für die Sberbank vertretungsberechtigt war – und dann gesehen, dass er es nicht war. Ein Anwalt der Bank: „Zwischen unserer Mandantin und Ihrer Klientin bestehen daher keine wie auch immer gearteten rechtsgeschäftlichen Vereinbarungen.“

Monheim nimmt das nicht hin. Nachdem die erste Version seines Vertrags mit der Sberbank zwei Unterschriften trug, die zweite aber nur eine, fragte er explizit nach. Die Antwort eines zweiten Sberbank-Managers: „Ich habe die Angelegenheit mit unserer Rechtsabteilung besprochen. Eine zweite Unterschrift ist nicht nötig. Die Verträge sind final.“

Hätte Monheim trotzdem nicht annehmen dürfen, dass er einen Vertrag mit der Sberbank hatte? Doch, sagt sein Anwalt. „Unseres Erachtens ist es offensichtlich, dass Herr T. im Namen der Sberbank handelte. Selbst wenn die Bank davon nichts gewusst hätte, hätte Herr T. zusammen mit dem anderen Bankdirektoren eine Anscheinsvollmacht erweckt und die Bank verpflichtet.“

Die Bank droht

Nachfragen des Handelsblatts lehnte die Sberbank ab. Nicht einmal die Funktion oder den Zeitpunkt des Ausscheidens von T. wollte eine Sprecherin verraten. Stattdessen: „Ich erlaube mir, noch einmal darauf hinzuweisen, dass jede Art von veröffentlichter Falschinformation rechtliche Schritte zur Folge haben wird.“

Monheim hat solche Schritte bereits eingeleitet, vor allem aus Selbstschutz, wie er sagt. Für ihn ist sein Kunstprojekt zu einem Krimi verkommen – mit ihm in der Rolle des Opfers. Der Kunstsammler hofft nun auf die Strafverfolgungsbehörden. Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen den ehemaligen Sberbank-Direktor T. und andere.

Stefan Zapotocky trat Ende Mai als Vorstandsvorsitzender der Sberbank Europa AG zurück – ein halbes Jahr vor Vertragsende. Die Bank gab dazu keine Meldung heraus. Zapotocky hinterlegte im Firmenregister seine Abschiedserklärung rückwirkend zum Ende April. Die Bank und er trennten sich demnach „im besten Einvernehmen“. Es ist ein Ende, von dem Monheim nur träumen kann.

Mehr: Die Verhaftung des Fondsmanagers Michael Calvey hat Russlands Investmentklima beschädigt. Anleger ziehen in einer Woche rund 130 Millionen Dollar ab.

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