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Ertragslage der deutschen Banken Banken und Sparkassen zahlen einen hohen Preis für die Minizinsen

Deutsche Banken haben den Niedrigzinsen mit einem scharfen Wachstumskurs getrotzt. Doch das könnte sich rächen – besonders für eine Institutsgruppe.
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Banken und Sparkassen zahlen einen hohen Preis für die Minizinsen Quelle: imago images / Jan Eifert
Skyline Frankfurt

Die Frankfurter Skyline ragt vor Sonnenaufgang am Morgen aus einer Nebeldecke, im Vordergrund Kronberg im Taunus.

(Foto: imago images / Jan Eifert)

Frankfurt Wer den vor Kurzem veröffentlichten Bundesbank-Bericht zur Ertragslage der deutschen Banken durchblättert, kommt aus dem Staunen nicht heraus: Im vergangenen Jahr ist der Zinsüberschuss der deutschen Kreditinstitute leicht gestiegen – und das, obwohl kaum ein Tag vergeht, ohne dass deutsche Bankenvertreter die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und ihre schlimmen Folgen für die Kreditinstitute geißeln.

Ein Blick in die Details zeigt aber, welchen Preis die Banken und Sparkassen dafür zahlen – und welche Institutsgruppen zu den größten Verlierern zählen.

Denn die Bundesbank weist nicht nur einzelne Ertragspositionen aus, sie setzt die Kennziffern auch in Relation zur Bilanzsumme der Institute. So lässt sich erkennen, ob bestimmte Geschäfte noch immer so ertragreich sind wie vorher oder ob die Institute sinkende Gewinnspannen durch mehr Geschäftsvolumen ausgebügelt haben.

Das Resultat: Nimmt man das gesamte Bankensystem, ist die Gewinnspanne im Zinsgeschäft in den vergangenen Jahren zwar leicht gestiegen. Profiteure waren aber in erster Linie die Großbanken und Hypothekenbanken, die sich von einem geringen Niveau aus gesteigert haben.

Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken schnurrten die Gewinnspannen im Zinsgeschäft dagegen um etwa ein Fünftel zusammen.

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„Eine geringere Marge bedeutet, dass die Banken weniger rentabel arbeiten, auch wenn die absoluten Zahlen kaum verändert aussehen“, sagt Hans-Peter Burghof, Bankenprofessor an der Universität Hohenheim.
Gewinnspannen schrumpfen

Bislang können die Institute das verkraften. Zwar ist der Zinsüberschuss für sie eine besonders wichtige Ertragssäule, die für gut 70 Prozent der Roherträge steht. Aber trotz des Rückgangs liegen ihre Margen mit 1,7 beziehungsweise 1,8 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme noch immer deutlich über denen der Großbanken, bei denen der Wert gerade einmal 0,86 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme erreicht.

Härter als die Regionalbanken traf es nur die Bausparkassen, bei denen die Zinsmargen um mehr als ein Viertel einbrachen.

Die heftigste Gegenwehr gegen diesen negativen Zins-Trend kam ebenfalls aus der Ecke der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Die Institute haben mit einem strammen Wachstumskurs reagiert.

Die Bilanzsummen – und damit das Geschäftsvolumen – schwollen in den vergangenen fünf Jahren um 15 beziehungsweise 21 Prozent an. Damit ließen sich nicht alle wegbrechenden Erträge aus dem Zinsgeschäft ausbügeln.

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Doch mit einem Minus von fünf beziehungsweise drei Prozent kamen Sparkassen und Genossenschaftsbanken glimpflich davon. Die regionalen Institute waren damit aber noch erfolgreicher als die Bausparkassen, die ihre Bilanzsummen zwar seit 2014 um 14 Prozent ausgedehnt haben. Ihr Zinsüberschuss ist aber um 16 Prozent gesunken.

Angesichts des harten Wettbewerbs sind die Banken zuletzt auch größere Risiken eingegangen. Eine Untersuchung der Finanzaufsicht Bafin und der Bundesbank unter 105 kleinen Banken und Sparkassen hat vor Kurzem gezeigt, dass die Banken zuletzt auch größere Risiken eingegangen sind.

So ist der Anteil unbesicherter Kredite jenseits der gewerblichen Immobilienfinanzierung in den vergangenen drei Jahren deutlich gewachsen.

Auch bei kleineren Unternehmen seien mittlerweile mehr als drei Viertel des Kreditvolumens unbesichert, merkten die Aufseher an. Das entspreche einem Anstieg von beinahe 50 Prozent. Der Anteil von Krediten, die nicht in Raten zurückgezahlt werden, sondern erst am Ende der Laufzeit, legte ebenfalls zu.

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Mit Blick auf die sich abschwächende Wirtschaftslage in Deutschland stellt sich aber zunehmend die Frage, welche Risiken die Banken mit einem Expansionskurs im Kreditgeschäft eingehen. Denn je stärker die Konjunktur schwächelt, desto größer ist die Gefahr, dass Kunden ihre Kredite nicht mehr bedienen können. Die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite – auch das eine Nebenwirkung der losen Geldpolitik – verharrt seit Jahren auf einem untypisch niedrigen Niveau.

Das dürfte sich im Abschwung ändern. Im ersten Halbjahr 2019 ist die Risikovorsorge bei vielen Banken spürbar gestiegen. „Die Risikovorsorge ist derzeit ungewöhnlich niedrig. Wenn diese Risikokosten wieder steigen, geraten die Gewinne umso stärker unter Druck“, sagt der Finanzwissenschaftler Burghof.

Wie viel auf dem Spiel steht, zeigen historische Durchschnittswerte des sogenannten Bewertungsergebnisses der Institute. In dieser Kennziffer sind neben der Risikovorsorge für faule Kredite auch Wertveränderungen des Wertpapierbestands der Liquiditätsreserve enthalten.

Im vergangenen Jahr belastete das Bewertungsergebnis die Erträge der deutschen Banken gerade einmal mit 0,08 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme. Der langfristige Durchschnittswert beträgt aber 0,19 Prozent der Bilanzsumme. Zum Vergleich: Der Vorsteuergewinn pendelte in den vergangenen Jahren zwischen 0,15 und 0,24 Prozent der Bilanzsumme.

Mehr Vorsicht im Neugeschäft

Ein „normales“ Bewertungsergebnis würde also die Vorsteuergewinne der deutschen Finanzinstitute zu einem großen Teil ausradieren. Das gilt zwar nicht für alle Bankengruppen gleichermaßen – die Großbanken würde es etwa härter treffen als Sparkassen oder Genossenschaftsbanken, doch eine Bürde wäre es wohl für alle Institute.

Kein Wunder, dass die wirtschaftliche Verfassung die Kreditinstitute allmählich unruhig werden lässt. „Ich mache mir Sorgen um die deutsche Konjunktur“, sagte der Chef der Hamburg Commercial Bank, Stefan Ermisch, vor Kurzem vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Die deutsche Industrie befinde sich seit Ende 2018 in einer Rezession. Ermisch will sich deshalb im Neugeschäft bei besonders konjunktursensiblen Branchen stärker zurückhalten.

Befinden sich Regionalinstitute wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken also auf einem Irrweg? Der Bundesverband deutscher Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) verteidigt die Strategie seiner Mitgliedsinstitute. „Erträge lassen sich in der aktuellen Zinslage nur noch aus dem Kreditgeschäft, nicht mehr aus dem Einlagengeschäft generieren“, sagte BVR-Vorstandsmitglied Andreas Martin dem Handelsblatt.

„Deshalb sehen wir die Ausweitung unseres Kreditgeschäfts ohne Abstriche als Erfolg an. Wir sind gewachsen, ohne übermäßig ins Risiko zu gehen – und ohne teure Kundenfangaktionen“, betonte Martin.

Volksbanken bilden Reserven

Bislang spüren die Volksbanken noch wenig von Einschränkungen in ihrem Geschäft. „Unsere Geschäftsdaten bis Juni zeigen, dass sich das Kreditgeschäft nicht abgeschwächt hat“, betont Martin. Zum einen dürften seiner Meinung nach die jüngste Entscheidung der EZB und der langfristige Zinsausblick den Immobilienmarkt weiter stützen.

„Zum anderen spüren wir in unserer Kundschaft noch nichts von einer Rezession“, so Martin. Dazu mag beitragen, dass die Kernkundschaft der Genossenschaftsbanken aus dem Mittelstand und dem Handwerk „stark von der nach wie vor guten Binnenkonjunktur lebt“.

Das bedeutet nicht, dass die Volks- und Raiffeisenbanken ihre Augen vor dem besonderen Umfeld verschließen, das sie umgibt. Dass die Volks- und Raiffeisenbanken von den ungewöhnlich niedrigen Risikokosten der letzten Jahre profitiert haben, streitet Martin gar nicht ab.

„Das ist für die einzelnen Institute auch transparent“, sagt er, denn intern rechnen die Institute ihm zufolge mit Standardrisikokosten, also Durchschnittswerten – und nicht mit den aktuell sehr niedrigen Risikokosten.

Puffer helfen nicht auf Dauer

Er verweist darauf, dass seine Institute sich seit Jahren für härtere Zeiten rüsten. „Unsere Institute haben die guten Jahre genutzt, um die Vorsorgereserven kräftig zu dotieren“, sagt Martin.

In den stillen Reserven, die sich nicht in den Bankbilanzen erkennen lassen – im Fachjargon 340f-Reserven genannt – schlummern Martin zufolge bei den Genossenschaftsbanken mehr als 13 Milliarden Euro. „Auch die Profitabilität der Gruppe könnte eine Verschlechterung abfedern. Selbst Risikokosten auf historischem Niveau würden derzeit unseren Jahresüberschuss nicht aufzehren“, betont Martin.

Bankenprofessor Burghof bestätigt diese Einschätzung für die regionalen Sparkassen und Volksbanken. „Gerade Sparkassen und Volksbanken haben in den vergangenen Jahren einen großen Teil ihrer Gewinne in die Reserven gesteckt und damit ihre Eigenkapitalpuffer aufgebaut“, sagt er. „Diese Institute können einen wirtschaftlichen Abschwung und auch die Fortsetzung der Minuszinspolitik der EZB für einige Jahre verkraften, aber eben auch nicht auf Dauer.“

Mehr: Bankkunden müssen mit höheren Gebühren rechnen

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