Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

EU-Austritt Brexit-Chaos lässt britische Clearinghäuser in die Zeitfalle laufen

Der Brexit-Vertrag könnte erst im Januar ratifiziert werden – ein Dilemma für die Londoner Clearinghäuser, wenn es zu keiner Übergangsregelung kommt.
Kommentieren
Brexit lässt britische Clearinghäuser in die Zeitfalle laufen Quelle: dpa
Das Londoner Bankenviertel

Londoner Clearinghäuser müssen bis Jahresende entscheiden, ob sie ihre EU-Kunden auffordern sollen, ihre offenen Derivatepositionen zu schließen.

(Foto: dpa)

London An die Londoner City hat Theresa May wohl nicht gedacht, als sie am Montag die Unterhaus-Abstimmung zum Brexit-Deal absagte. Dabei stellt die Entscheidung der Premierministerin die großen Clearinghäuser vor ein erhebliches Problem.

Sie müssen nun bis Jahresende entscheiden, ob sie ihre Kunden in der Europäischen Union (EU) auffordern sollen, ihre offenen Derivatepositionen in Höhe von 45 Billionen Pfund zu schließen. Entsprechende Überlegungen liefen bei den drei Londoner Clearinghäusern LCH, ICE Clear Europe und LME Clear, berichtete die „Financial Times“ unter Berufung auf Insider.

Da der Brexit-Vertrag im Unterhaus noch nicht ratifiziert wurde, droht am 29. März 2019 der ungeordnete Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Über Nacht würden sämtliche Derivateverträge ungültig. Die Clearinghäuser müssen ihre Kunden drei Monate vorher benachrichtigen, die Frist endet also zu Weihnachten.

Die im Ausstiegsvertrag vorgesehene Übergangsperiode würde das Problem lösen: In dem Fall soll der Status quo bis Ende 2020 gelten. Doch es sieht nicht so aus, als würde das Unterhaus den Vertrag noch vor Weihnachten verabschieden. Voraussichtlich findet die Abstimmung erst im Januar statt. Auch dann können die Unternehmen sich nicht darauf verlassen, dass der Vertrag ratifiziert wird.

Die Aufseher in der EU und in Großbritannien haben grundsätzlich erklärt, dass sie auch im Fall eines ungeordneten Brexits den Clearinghäusern auf beiden Seiten des Ärmelkanals eine vorläufige Erlaubnis erteilen wollen.

EU-Kunden sollen weiter Zugang zu britischen Clearinghäusern haben, und die Verträge sollen weiter als gültig anerkannt werden. „Um Risiken für die Finanzstabilität zu verhindern, ist es sehr wichtig, dass Marktteilnehmer weiterhin Zugang zu den britischen Abwicklungshäusern haben“, hatte der Chef der EU-Finanzmarkt-Aufsicht Esma, Steven Majoor, diese Woche im Handelsblatt-Interview bekräftigt.

Doch wird die EU die entsprechenden Regelungen wohl nicht vor Weihnachten auf den Weg bringen. Auch ist unklar, wie weitreichend die Übergangsregelung sein wird. Die Clearinghäuser haben also keine rechtliche Gewissheit – was angesichts der involvierten Summen ein Problem ist. Die Londoner Clearinghäuser wickeln den Großteil des Euro-Derivatehandels ab. Sie stehen zwischen Käufern und Verkäufern und springen ein, wenn eine Partei ausfällt.

Branche macht Druck auf die EU-Kommission

Die Branche erhöht nun den Druck auf die EU-Kommission. „Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die EU-Aufseher mit Hochdruck an Lösungen für die Vertragssicherheit und die Clearinghäuser arbeiten“, sagt Catherine McGuinness, Cheflobbyistin der City of London Corporation.

Im Fall eines ungeordneten Brexits drohe eine Unterbrechung der grenzüberschreitenden Finanzdienstleistungen. Die Finanzstabilität sei in Gefahr. Es sei „beruhigend“ zu hören, dass die Probleme inzwischen anerkannt seien. „Aber wir brauchen entschlossenes Handeln, nicht nur Rhetorik.“

In einem Brief forderten mehrere Lobbyverbände EU-Finanzkommissar Valdis Dombrovskis auf, eine rechtlich bindende Verpflichtung abzugeben, dass europäische Unternehmen auch nach einem ungeordneten Brexit die britischen Clearinghäuser weiter nutzen dürfen. Sie würden zudem gerne wissen, wie lange die Übergangsregelungen gelten würden und für welche Anlageklassen sie gälten.

Der Brief wurde von der International Swaps and Derivatives Association (ISDA), der Association for Financial Markets in Europe (Afme) und der International Capital Markets Association (ICMA) unterzeichnet. Die Branche hofft, noch vor Weihnachten Klarheit zu bekommen. Denn sonst müssten die Unternehmen die Benachrichtigungen an ihre Kunden verschicken.

Im Unterschied zu den Clearinghäusern sind die großen Banken auch für einen ungeordneten Brexit gewappnet. Die Institute haben ihre Brexit-Vorbereitungen weitgehend abgeschlossen. Sie haben EU-Dependancen eröffnet oder ausgebaut und sind dabei, Hunderte Milliarden Euro an Vermögenswerten zu transferieren. Allein nach Frankfurt werden im ersten Quartal 2019 voraussichtlich 800 Milliarden Euro fließen. Weitere dreistellige Milliardensummen werden an andere Standorte wie Dublin verlagert.

„Der Brexit-Zug ist abgefahren“, sagt ein Londoner Banker. An den Vorbereitungen ändere sich nichts, egal, wie geordnet oder ungeordnet der Brexit nun ausfalle.

Startseite

Mehr zu: EU-Austritt - Brexit-Chaos lässt britische Clearinghäuser in die Zeitfalle laufen

0 Kommentare zu "EU-Austritt: Brexit-Chaos lässt britische Clearinghäuser in die Zeitfalle laufen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote