EU-Bankenabwicklerin Kein Steuergeld für Bankenrettungen

Sie ist die oberste Bankenabwicklerin Europas: Elke König schließt Staatshilfen für marode Geldhäuser aus. Zunächst müssten Gläubiger und Eigner der Bank zur Kasse gebeten werden.
Früher arbeitete sie für die Bafin, heute leitet sie die Abwicklungsbehörde der EU für marode Banken. Quelle: dpa
Elke König

Früher arbeitete sie für die Bafin, heute leitet sie die Abwicklungsbehörde der EU für marode Banken.

(Foto: dpa)

Brüssel/FrankfurtDie oberste EU-Bankenabwicklerin sieht derzeit keine Alternative zur Gläubigerbeteiligung bei der Abwicklung maroder Geldhäuser. Die sogenannten Bail-in-Regeln würden nicht grundsätzlich infrage gestellt, sagte Elke König der Nachrichtenagentur Reuters. „Was ist die Alternative? Die Steuerzahler? Ich dachte, wir haben das zu Recht ausgeschlossen.“ Seit Januar müssen bei der Sanierung kriselnder Institute zunächst Gläubiger und Eigner der Bank zur Kasse gebeten werden. Steuerzahler sollen so anders als zu Zeiten der weltweiten Finanzkrise besser vor Schieflagen im Bankensektor geschützt werden. König ist die Chefin der in Brüssel angesiedelten EU-Behörde für die Abwicklung strauchelnder Geldhäuser (SRB).

Die neue EU-Bankenrichtlinie BRRD erlaubt es nur in Extremfällen von der Gläubigerbeteiligung abzuweichen – etwa wenn die Finanzstabilität eines Landes gefährdet ist. „Ich sehe uns derzeit nicht in einer solchen Situation“, sagte König, die vor ihrem Wechsel nach Brüssel Chefin der deutschen Finanzaufsicht BaFin war. Länger bekannte Probleme der Banken müssten innerhalb bestehender Regeln angegangen werden. „Man kann nicht damit beginnen, indem man sagt: ‚Die Regeln sind zu hart, ich möchte etwas anderes‘.“ Die EU-Kommission hatte unlängst die Möglichkeit von Entschädigungsfonds zur Unterstützung von Kleinanlegern angedeutet, deren Ersparnisse in Form von Bankanleihen bei einem Bail-in ausradiert würden.

Gute Banken, schlechte Banken
Dunkler Himmel über den Banken in Frankfurt
1 von 11

Europas Banken stecken in der Krise – das wussten Marktbeobachter schon vor dem großen Stresstest der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde. Doch ein genauer Blick auf die Kennzahlen zeigt: Das gilt nicht für alle Institute. Im Vergleich von Nettogewinn, Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalquote schneiden einige Institute deutlich besser ab als andere. Besonders interessant ist dabei das Verhältnis zwischen Kurs und Buchwert pro Aktie (KBV). Der Wert offenbart, inwieweit der Börsenwert einer Bank mit den Aktiva, also den Werten in den Büchern der Bank, übereinstimmt. Das KBV liegt bei den meisten Geldhäusern unter 1. Das bedeutet, dass sich die Aktionäre entweder von einer Zerschlagung der Bank mehr Geld versprechen als von der Fortführung des Geschäfts – oder dass sie den Qualitäten der Bilanzen, also der verzeichneten Aktiva, nicht vertrauen. Im Folgenden werden die Kennzahlen für die wichtigsten europäischen Banken dargestellt, sortiert nach den Nettogewinnen im 1. Quartal 2018.

Quelle: Unternehmen, Bloomberg

Platz 8: Deutsche Bank
2 von 11

Nettogewinn: 447 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 3,2 Prozent

Eigenkapitalquote: 14,1 Prozent

KBV: 0,48

Platz 9: Credit Suisse
3 von 11

Nettogewinn: 280 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 4,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,3 Prozent

KBV: 0,88

Platz 10: Commerzbank
4 von 11

Nettoverlust: 643 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: –3,1 Prozent

Eigenkapitalquote: 13 Prozent

KBV (Aktienkurs vom Stichtag/Buchwert pro Aktie): 0,50

(Quelle: Bloomberg)

Platz 5: Unicredit
5 von 11

Nettogewinn: 5,5 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 11,9 Prozent

Eigenkapitalquote: 7,2 Prozent

KBV: 0,6

Platz 6: UBS
6 von 11

Nettogewinn: 943 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 7,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 15 Prozent

KBV: 0,88

Platz 5: Barclays
7 von 11

Nettogewinn: 992 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 5,8 Prozent

Eigenkapitalquote: 11,6 Prozent

KBV: 0,41

Die SRB-Chefin hofft, dass auch die geplante Rettung der italienischen Krisenbank Monte Paschi ohne Staatsgelder gelingt. Der Sanierungsplan des Instituts sei ein „sehr anspruchsvolles Programm“. Das Rettungsvorhaben für das Geldhaus aus der Toskana sieht neben einer Kapitalerhöhung über fünf Milliarden Euro auch vor, in größerem Umfang faule Kredite auszugliedern. Im jüngsten europaweiten Banken-Stresstest hatte Monte Paschi mit Abstand am schlechtesten abgeschnitten.

Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan hatte vergangene Woche gesagt, ein staatlich finanzierter Auffangschirm sei im Falle von Monte Paschi nicht erforderlich. Allerdings hatte Italiens Zentralbankchef Ignazio Visco unlängst die Möglichkeit von Staatshilfen für die Banken seines Landes nicht ausgeschlossen. Wegen der jahrelangen Wirtschaftsflaute schieben sie einen Berg fauler Kredite von geschätzt 360 Milliarden Euro vor sich her.

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