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EU-Regulierung Finanz-Start-ups fordern Übergangsfrist für PSD2

Ab Mitte September gelten in der EU neue Regeln beim Bezahlen und beim Online-Banking. Start-ups sehen sich von Banken benachteiligt.
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Anbieter von Finanz-Apps fühlen sich durch Banken benachteiligt. Quelle: dpa
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Anbieter von Finanz-Apps fühlen sich durch Banken benachteiligt.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Zeit drängt: In knapp drei Monaten soll die zweite Europäische Zahlungsdiensterichtlinie, PSD2, ihre volle Wirkung entfalten. Sie soll den Zahlungsverkehr in der EU für Verbraucher bequemer und sicherer machen und zugleich den Wettbewerb fördern. Doch auf den letzten Metern formiert sich neuer Widerstand.

Europäische Finanz-Start-ups fordern in einem Brief an die europäischen und nationalen Behörden eine Übergangsfrist für die neuen Regeln. Zuvor hatte auch schon der europäische Handelsverband Euro Commerce Alarm geschlagen. Das Gesetz lässt sich nun nicht mehr ändern, aber die Europäische Bankenaufsicht (EBA) könnte den Unternehmen noch entgegenkommen.

Die PSD2 hat in der Finanzbranche von Anfang an für heftigen Streit gesorgt, denn dahinter steckt Revolutionäres. Auf Wunsch ihrer Kunden müssen Banken deren Kontodaten an Drittanbieter weitergeben. Diese können damit beispielsweise eine Übersicht über alle Konten erstellen – sogenanntes Multi-Banking.

Die aktuelle Kritik zielt nun auf die starke Kundenauthentifizierung (SCA). Ab Mitte September gilt: Wenn Kunden online etwas bezahlen oder auf ihr Konto zugreifen wollen, müssen sie neben ihrem Passwort häufig auch einen sogenannten zweiten Faktor angeben – in Form eines zusätzlichen Sicherheitscodes oder indem sie ihre Identität per Fingerabdruck auf dem Smartphone bestätigen. Diese Regel ist schon lange bekannt, doch wie Banken sie umsetzen, hat überrascht.

„Viele Banken verlangen die starke Kundenauthentifizierung bei jedem Login, dabei würde das dank einer Ausnahmeregelung auch nur alle 90 Tage ausreichen“, sagt Ralf Ohlhausen, einer der Vertreter der Fintech-Interessenvereinigung ETPPA (European Third Party Provider Association) und Mitautor des neuen Briefs an die Aufsichtsbehörden. „Das Geschäftsmodell etlicher Fintechs ist damit in Gefahr. Sie brauchen zumindest eine Übergangsfrist, um den Kunden die Neuerungen zu erklären und ihre IT schrittweise daran anzupassen“, fordert er.

Betroffen seien insbesondere Multi-Banking-Apps. Haben Nutzer dort zum Beispiel Konten von drei Banken eingebunden, müssen sie zum Aktualisieren der Umsatzanzeige drei Authentifizierungsverfahren durchlaufen. Bisher konnten sie ihre Zugangsdaten einfach in der App speichern. „Auch die Abfrage von Spar- und Wertpapierkonten wird damit schwieriger, dabei gilt die PSD2 für diese gar nicht“, so Ohlhausen.

Auch außerhalb des ETPPA-Verbunds sorgt das Vorgehen der Banken für Verwunderung. „So wie viele Banken die starke Kundenauthentifizierung umsetzen, werden Drittdienste massiv diskriminiert, das hatte ich nicht erwartet“, sagt André M. Bajorat, Geschäftsführer des Fintechs Figo, das gerade mit Finreach fusioniert.

In ihren eigenen Banking-Apps könnten Banken dagegen die Zwei-Faktor-Vorgabe mit einem technischen Kniff erfüllen: Wenn sie ihre App mit dem Smartphone des Kunden koppeln, genügt als zweiter Faktor zum Beispiel ein Passwort. Allerdings, die Multibanking-Funktion wird auch in den Apps der Geldinstitute komplizierter. „Viele Banken haben sich darauf konzentriert, alle rechtlichen Vorgaben zu erfüllen, aber dabei den Komfort für die Kunden aus den Augen verloren“, sagt Bajorat.

Ob tatsächlich eine Übergangsfrist gewährt wird, dürfte sich bald entscheiden. Auf Anfrage des Handelsblatts gab sich die EBA allerdings bedeckt. Man habe zahlreiche Anfragen zur SCA erhalten und diskutiere aktuell, wie diese beantwortet werden, sagte eine Sprecherin.

Einem Bericht der britischen Plattform „Payments Compliance“ zufolge hat sich die britische Aufsicht FCA gegenüber Unternehmensvertretern bereits sehr offen für eine Übergangsfrist gezeigt. Demnach haben die Aufseher um Vorschläge gebeten, wie diese praktisch umgesetzt werden können. Bis Ende Juni werde die Behörde darüber entscheiden.

Mehr: Was durch die PSD2 auf Verbraucher zukommt - neue Regeln, neue Angebote.

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