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EU-Regulierung Finanzaufsicht Bafin rettet die Lastschrift

Im Zuge einer EU-Regulierung drohte dem beliebten Lastschriftverfahren das Aus. Für Deutschland hat die Bafin nun gegengesteuert.
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EU-Regulierung: Finanzaufsicht Bafin rettet die Lastschrift Quelle: Reuters
Finanzaufsicht

Die Bafin will die Lastschrift in Deutschland weiter zulassen.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Wenn deutsche Kunden im Internet einkaufen, haben sie beim Bezahlen häufig die Qual der Wahl. Viele entscheiden sich dann für die Lastschrift. Sie nennen dem Händler ihre Kontonummer (IBAN) und erteilen ihm ein sogenanntes Lastschriftmandat. Damit erlauben sie ihm, Geld von ihrem Konto abzubuchen. Dieser Bezahlmethode hätte die Europäische Bankenaufsicht (EBA) um ein Haar den Garaus gemacht. Die Online-Händler protestierten bereits, doch am Dienstagnachmittag kam von der Finanzaufsicht Bafin eine erlösende Stellungnahme.

Was war geschehen? Den Anstoß für die ganze Problematik hatte die zweite EU-Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) gegeben. Sie soll den Zahlungsverkehr für Verbraucher in der Europäischen Union sicherer und bequemer machen. Vor gut einem Jahr wurden die neuen Vorgaben in nationales Recht umgesetzt.

Einige Neuerungen waren sofort gültig, andere müssen bis Mitte September dieses Jahres umgesetzt werden. Dazu gehört auch die sogenannte starke Kundenauthentifizierung. Diese wird auch als Zwei-Faktor-Authentifizierung bezeichnet, weil Kunden dabei in der Regel zwei von drei Faktoren aus den Kategorien Wissen, Besitz und Inhärenz vorweisen müssen.

Vom Online-Banking beispielsweise kennen Verbraucher die zwei Faktoren schon. Wer Geld überweisen möchte, muss sich zunächst mit seiner PIN ins Online-Portal der Bank einloggen und zur Freigabe einer Überweisung eine TAN eingeben. Schon länger ist klar, dass ein solches Verfahren ab Mitte September auch für Kreditkartenzahlungen gilt – sofern keine Ausnahmeregelungen greifen.

Es reicht dann nicht mehr aus, wenn Kunden im Online-Shop ihre Kreditkartennummer, das Ablaufdatum und die Prüfziffern der Kreditkarte angeben. Zusätzlich zur Kartennummer wird künftig ein weiterer Faktor verlangt – Kunden müssen dann zum Beispiel eine TAN eingeben oder die Zahlung per Fingerabdruck auf dem Smartphone bestätigen.

Gefahr für die Lastschrift

Offen war lange die Frage, ob Kunden auch bei Erteilung eines Lastschriftmandats zwei Faktoren vorweisen müssen. Ende Februar hat die Europäische Bankenaufsicht (EBA) dazu Stellung genommen und damit bei Online-Händlern einen Aufschrei ausgelöst. „Die Äußerungen der EBA konnten dahingehend interpretiert werden, dass das Lastschriftverfahren im Internet so nicht mehr angeboten werden kann“, sagt Ulrich Binnebößel, Zahlungsexperte beim Handelsverband HDE. Allerdings: Solche Stellungnahmen der EBA sind rechtlich nicht bindend. Die nationalen Aufsichtsbehörden haben die Wahl, sich an die Stellungnahmen zu halten oder ihre abweichende Ansicht zu erklären. Letzteres hat die Bafin am Dienstag getan.

Die Aufseher stellen klar: Eine starke Kundenauthentifizierung ist bei einer Lastschrift nur dann notwendig, wenn die Bank des Zahlers bei der Erteilung des Lastschriftmandats eingebunden ist – was in Deutschland in der Praxis jedoch kaum vorkommt. In der Antwort der EBA fehlte dagegen der Hinweis auf die Beteiligung der Bank des Zahlers. „In früheren Stellungnahmen hatte auch die EBA stets diese Einschränkung gemacht“, sagt Susanne Grohé, Partnerin der Kanzlei Aderhold in Berlin. Ob sie den Hinweis in ihrer jüngsten Antwort vergessen hat oder tatsächlich von ihrer bisherigen Einschätzung abweichen wollte, bleibt erstmal offen.“

Wäre die Stellungnahme der Bafin anders ausgefallen, hätte dies das Ende für die Lastschrift bedeuten können. „Denn die Bank des Zahlers ist aktuell die einzige Instanz, die eine starke Kundenauthentifizierung ohne großen technischen Mehraufwand initiieren kann, doch sie ist bei dieser Zahlungsmethode nicht im Boot“, sagt Grohé.

Die Online-Händler sind erleichtert: „Die Klarstellung der Bafin ist eine gute Nachricht für den Onlinehandel“, sagt Binnebößel. „Nun wurde nochmals klargestellt, dass eines der beliebtesten Zahlungsmittel im Internet nicht in Gefahr ist und wie gewohnt weiterbetrieben werden kann.“

Der Anteil der Käufe, die per Lastschrift bezahlt werden, lag zuletzt bei gut 20 Prozent, wie das Handelsforschungsinstitut EHI ermittelte. Am beliebtesten ist der Kauf auf Rechnung mit einem Anteil von 28 Prozent. Der amerikanische Bezahldienst Paypal kam zuletzt auf knapp 20 Prozent, Kreditkartenzahlungen auf etwa elf Prozent.

Diskutiert wurde unter Zahlungsexperten und Juristen auch die Frage, ob Kreditkartenzahlungen und Lastschriften nicht gleich behandelt werden müssen, schließlich würden die Zahlungen in beiden Fällen vom Zahlungsempfänger angestoßen. Rechtsanwältin Grohé sieht einen entscheidenden Unterschied in den Verfahren: „Bei der Lastschrift handelt es sich um ein Zahlungsverfahren, bei dem die Bank des Zahlers in der Regel nicht in die Mandatserteilung involviert ist“, sagt sie. Anders sei das bei einer Kreditkartenzahlung. „Dabei muss die Bank des Zahlers gleich zu Beginn des Zahlungsprozesses bestätigen, dass die Zahlung freigegeben wird.“

Offene Fragen bleiben

Auch nach der Stellungnahme der Bafin bleiben noch Fragen offen. So haben sich die Aufseher nicht zu anderen Bezahlverfahren bei Online-Einkäufen geäußert. Eigentlich war erwartet worden, dass die Aufsicht nicht nur ihre Auslegung zum Thema Lastschrift bekanntgibt, sondern auch zu anderen Bezahlmöglichkeiten – wie beispielsweise dem Onlinebezahlverfahren Paydirekt. Auf Anfrage des Handelsblatts teilte die Bafin mit, dass die entsprechende Liste „auf unbestimmte Zeit zurückgestellt“ worden sei.

Der US-Anbieter Paypal hat in Deutschland 23 Millionen Nutzer. Paydirekt, das Bezahlverfahren der deutschen Kreditwirtschaft, zählte zuletzt gut zwei Millionen Registrierungen. Paypal wird in Luxemburg beaufsichtigt.

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