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Eurex-Clearing-Chef Erik Müller „Wie es nach dem Brexit weitergeht, wird der Markt entscheiden“

Der Chef der Deutsche-Börse-Tochter Eurex Clearing will Derivategeschäfte von London nach Frankfurt holen. Dabei wirbt er auch um neue Kundengruppen.
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Der Eurex-Clearing-Chef will sich nun um weitere neue Kundengruppen bemühen. Quelle: Deutsche Börse
Erik Müller

Der Eurex-Clearing-Chef will sich nun um weitere neue Kundengruppen bemühen.

(Foto: Deutsche Börse)

Frankfurt Die Abwicklung von Derivategeschäften in Euro zählt für die Finanzbranche zu den wichtigsten Themen im Rahmen des Brexits. Und die Aufgabe von Erik Müller ist es, große Teile des sogenannten Euro-Clearings von London nach Frankfurt zu holen. Müller ist Chef der Deutsche-Börse-Tochter Eurex Clearing. Und er hat im vergangenen Jahr ein Anreizsystem entwickelt, das Banken und Investoren einen Wechsel von der Themse an den Main schmackhaft machen soll.

Im Handelsblatt-Interview spricht Müller über die neuesten Zahlen, einen prestigeträchtigen Nutzer aus Frankreich und seine Belohnung für die aktivsten Kunden. Zudem kündigt er an, nach den Banken nun andere Kundengruppen ins Visier zu nehmen.

Herr Müller, JP Morgan, BNP Paribas, Deutsche Bank, Commerzbank und LBBW waren im ersten Quartal beim Euro-Clearing am aktivsten. Was erhalten sie dafür?
Die fünf Institute bekommen für zwei Jahren einen Aufsichtsratssitz bei Eurex Clearing. Die zehn aktivsten Institute bekommen zudem jeweils einen Sitz in einem Komitee, das Vorstand und Aufsichtsrat bei der künftigen Strategie berät. Dazu zählen neben den genannten Banken HSBC, Barclays, Unicredit, Bank of America und die Deka.

Und wie sieht es mit der finanziellen Beteiligung aus?
Die zehn aktivsten Institute werden am wirtschaftlichen Erfolg von Eurex Clearing beteiligt. Dabei geht es nicht nur um den Umsatz, sondern auch um die Qualität der Preisgestaltung gegenüber den Kunden der Banken.
Das Ranking wird auf Monatsbasis aktualisiert. Im zweiten Quartal ist ein weiteres großes amerikanisches Handelshaus in die Top 10 eingezogen. Der Wettbewerb um die Top 10 läuft insgesamt vier Jahre. Ende 2021 ziehen wir dann Bilanz und legen fest, wer permanent am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt wird.

Auffällig ist, dass BNP Paribas zu den eifrigsten Nutzern des Euro-Clearings in Frankfurt zählt. Dabei wirbt Paris doch ebenfalls um das Geschäft.
BNP Paribas ist schon lange ein sehr wichtiger Kunde der Deutschen Börse und wickelt beispielsweise börsengehandelte Derivate über uns ab. Dass BNP Paribas jetzt auch unser Angebot für die Abwicklung außerbörslich gehandelter Derivate nutzt, überrascht mich nicht. BNP hat einen großen europäischen und internationalen Kundenstamm. Und für diesen schafft die Bank nun eine Alternative in der EU-27, auch vor dem Hintergrund, dass sich die Rahmenwerke für Finanzgeschäfte zwischen Großbritannien und der EU nach dem Brexit ändern könnten. Das ist ein pragmatischer Ansatz. In Frankreich gibt es derzeit kein entsprechendes Angebot. LCH/Clearnet SA hat keine Lizenz, außerbörsliche Zinsswaps abzuwickeln. Repo-Geschäfte können dagegen in Paris, London und Frankfurt abgewickelt werden. Aktuell verteilt sich der Markt für Repos auf die drei Standorte. Wie es nach dem Brexit weitergeht, wird der Markt entscheiden.

Wie hat sich das Euro-Clearing-Geschäft bei Ihnen zuletzt entwickelt?
Das ausstehende Nominalvolumen an Euro-Zins-Swaps ist bei uns im Juni auf über sieben Billionen Euro gestiegen. Zum Vergleich: In London stehen aktuell etwa 100 Billionen Nominalvolumen alleine im Euro aus. Durch das Partnerschaftsprogramm haben wir unseren Marktanteil in nur sechs Monaten auf aktuell rund sieben Prozent ausgebaut. Vor einem Jahr lagen wir noch bei rund einem Prozent.

Sie lehnen sich jetzt also zufrieden zurück?
Nein. Die Banken machen mit. Insgesamt sind 60 Institute angeschlossen, darunter alle wesentlichen Akteure am Markt für Zinsswaps. Auch der Großteil des Clearingvolumens kommt aktuell aus dem Interbankengeschäft. Dabei geht es vor allem um Zinsswaps mit einer Laufzeit von drei bis sechs Monaten, mit denen Banken ihre Bücher absichern. Wichtig ist aber, dass die Banken aufgrund des Liquiditätspools nun in der Lage sind, für ihre Kunden in Frankfurt die gleichen Preise anzubieten wie in London. Das war vor einem Jahr noch nicht der Fall. Versicherer, Vermögensverwalter, Pensionsfonds und Investmentfonds haben somit erstmals eine echte Auswahl, welches Clearinghaus sie nutzen wollen.

Was heißt das für Sie?
Unser Fokus in den nächsten sechs bis zwölf Monaten liegt auf den Endkunden. Bisher sind davon rund 130 an Eurex-Clearing angeschlossen, aber nur die Hälfte nutzt das Angebot aktiv. Diese Quote wollen wir erhöhen. Zudem wollen wir gemeinsam mit den Banken mehr Versicherer, Vermögensverwalter und Investmentfonds als Endkunden für unser Angebot gewinnen.

Reagieren Sie damit auch auf die Sorge, dass die Banken das kurzfristige Derivategeschäft relativ schnell wieder aus Frankfurt abziehen könnten, falls es nach dem Brexit weiter in London abgewickelt werden darf?
Absolut. Versicherungen und Pensionsfonds schließen üblicherweise Zinsswaps mit einer Laufzeit von fünf bis 15 Jahren ab. In diesem klassischen Zinsswap-Geschäft (IRS) wollen wir in den nächsten zwölf Monaten deutlich zulegen. Beispielsweise hatte die Schuldenverwaltung der Niederlande im Mai avisiert, gegen Jahresende an Eurex Clearing angeschlossen zu sein.
Darüber hinaus wollen wir auch in dem Zinsswap-Segment angreifen, in dem sich Marktteilnehmer kurzfristig positionieren, bei den sogenannten Overnight Index Swaps (OIS). Hier sind auch Hedgefonds sehr aktiv. Auch in diesem Bereich werden wir in den kommenden Monaten Fortschritte erzielen.

Herr Müller, vielen Dank für das Interview.

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